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Das Landgericht Ulm hat einen 31-Jährigen am Montag zu drei Jahren Haft verurteilt. Er hat seine Ex-Freundin in der gemeinsamen Wohnung in Eislingen mehrfach vergewaltigt.

Zu drei Jahren Haft ist ein 31-jähriger Angeklagter am Montag vom Landgericht Ulm verurteilt worden. Er hat seine Ex-Freundin im Jahr 2016 in der gemeinsamen Wohnung in Eislingen mehrfach vergewaltigt. Richter Wolfgang Fischer sagte in der Urteilsbegründung, dass das Gericht keinen Zweifel an den Angaben der Geschädigten habe, die 15 solcher Taten ihres Ex-Partners gezählt hatte. Zeitlich genau eingrenzen könne man jedoch fünf Taten, wegen derer der Mann nun auch schuldig gesprochen wurde.

Richter Fischer ging noch einmal länger auf das „toxische Beziehungsgeflecht“ ein, in dem sich das Opfer damals befunden hat. „Das ist das Dilemma, in das man als alleinerziehende Frau kommen kann“, fasste er zusammen. Der Angeklagte habe zunächst wie der ideale Partner auf die Frau gewirkt. Eine besondere Rolle spielte dabei nach Ansicht des Gerichts seine gute Beziehung zu den Kindern der Geschädigten. Auch deshalb habe diese die Beziehung nicht gleich beendet, nachdem es zu ersten Übergriffen des 31-Jährigen gekommen war, so Richter Fischer. Immer wieder habe sie gehofft, dass sich seine Beteuerungen, es werde nie wieder vorkommen, als wahr erweisen. Aus der ursprünglich so selbstbewussten Frau sei dann zunehmend ein stiller, stark veränderter Mensch geworden, seelisch tief beeinträchtigt von den Taten ihres damaligen Partners.

Im Eislinger Vergewaltigungsfall fordert der Staatsanwalt eine mehrjährige Haftstrafe, der Verteidiger Bewährung.

Unterlegenheit mit sexuellen Übergriffen kompensiert

Bis heute sei die Frau in psychologischer Behandlung, habe kein Interesse an einer neuen Beziehung, sagte Fischer. Der Angeklagte habe seine verbale Unterlegenheit gegenüber der Frau durch sexuelle Dominanz kompensiert, erläuterte Fischer außerdem. „Er hat dabei seine körperliche Überlegenheit ausgenutzt“, erklärte der Richter. Mildernd wirke sich aus, dass er geständig, nicht vorbestraft und sozial integriert sei. Außerdem führe er jetzt eine unauffällige Beziehung. Er habe Reue gezeigt und seine Entschuldigung vor Gericht habe ehrlich gewirkt, befand der Richter.

Sechs Monate gelten als abgesessen

Dass die Verhandlung erst rund drei Jahre nach den Taten stattfand, hat ebenfalls Auswirkungen zugunsten des Angeklagten. Wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung gelten sechs Monate der dreijährigen Haftstrafe nun als bereits abgesessen. Eine Bewährungsstrafe, wie von Ulrich Meis, dem Verteidiger des Angeklagten, angestrebt, sei jedoch ausgeschlossen, betonte Richter Fischer. Zu Lasten des Angeklagten gehe außer den Tatbeständen an sich, dass er die Frau mit seinem Handeln einem Schwangerschaftsrisiko ausgesetzt habe.

Opfer: Anderen Frauen soll ähnlich Schicksal erspart bleiben

Der Rechtsanwalt der Geschädigten, Alexander Stumpf, bilanzierte nach der Verhandlung: „Mit dem Urteil können und müssen alle leben.“ Die Frau hatte sich dem Prozess als Nebenklägerin angeschlossen. Ihre Befragung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Von mehreren Seiten war immer wieder zu hören, dass sie die Vorkommnisse ohne jeglichen Belastungseifer geschildert habe. Ihr sei es vor allem darum gegangen, dass ihr Ex-Partner nie wieder solche Straftaten begeht und anderen Frauen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt.

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