Am Morgen danach steigt noch Rauch aus den verkohlten Trümmern am Reichenbacher Thomas-Mann-Weg. Einzelne Flämmchen züngeln noch, doch die sind unbedenklich, sagt die Feuerwehr. Den Schaden des verheerenden Brandes vom Freitagabend beziffert die Polizei mittlerweile auf 1,2 Millionen Euro. Zwei Menschen erlitten leichte Rauchvergiftungen und mussten zur Beobachtung ins Krankenhaus.

Nachbarhaus ist unbewohnbar

Es ist 11 Uhr am Samstagmorgen. Die Besitzer des Nachbarhauses in der Ramsbergstraße haben die Nacht bei ihrer Tochter verbringen müssen, weil sie nicht mehr in ihr Haus durften. Als das Feuer ausbrach, war das 65- und 67-jährige Ehepaar mit den Enkeln auf dem Spielplatz. Die Frau ist immer noch fassungslos. „Ich bin gerade erst gekommen und war noch nicht im Haus. Ich will’s gar nicht sehen.“ Sie dürften nur ganz kurz rein, hat man ihr gesagt, und das Nötigste holen. Ihr Heim ist momentan nicht bewohnbar.

Das Feuer war am frühen Freitagabend gegen 17.30 Uhr im Thomas-Mann-Weg/Ecke Ramsbergstraße ausgebrochen. Der 55-jährige Hauseigentümer hat den Brand offenbar selbst verursacht. Er war im Laufe des Nachmittags mit Bitumenarbeiten auf einem Flachdachanbau beschäftigt, teilt die Polizei mit. Beim Verschweißen der Bitumenbahnen fing plötzlich die Kunststoffverkleidung der Hausfassade Feuer. Der Mann versuchte noch, den entstehenden Brand mit einem bereitgestellten Feuerlöscher selbst zu bekämpfen, doch vergeblich. Beim Löschversuch erlitt er leichte Brandverletzungen.

Bewohnerin kann sich retten

Bis die Feuerwehr aus Donzdorf eintraf, stand der Dachstuhl des Gebäudes schon im Vollbrand. Das Feuer war erst nach etwa zwei Stunden unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte konnten nicht verhindern, dass das Wohnhaus bis auf die Grundmauern niederbrannte. Eine Frau, die sich zum Zeitpunkt, als das Feuer ausbrach, im Haus befand, konnte sich glücklicherweise in Sicherheit bringen. Sie erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung.

Weil die Hitze so stark war, zersprangen am direkten Nachbargebäude in der Ramsberstraße sämtliche Scheiben auf einer Seite. Neben den beiden Hauseigentümern musste auch die 22-jährige Mieterin ausquartiert werden. An zwei weiteren Wohnhäusern konnte die Feuerwehr Schlimmeres verhindern. Dort haben einige Fenster durch die starke Hitzeentwicklung Schaden genommen. Auch zwei geparkte Autos wurden beschädigt: Der Fiat Ducato des 55-Jährigen und der Volvo eines Nachbarn wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Enorme Hitze entwickelt

„Unsere Hauptherausforderung war zunächst, das Nachbarhaus zu retten“, berichtet der Reichenbacher Löschzugführer Christoph Baur, der am Morgen nach dem Einsatz noch einmal vorbeischaut. „Das haben wir zum Glück geschafft.“ Die ersten Löschtrupps hatten mit einer enormen Hitze zu kämpfen, sagt Einsatzleiter Christof Kling. „Die Löscharbeiten wurden erschwert, weil wir nicht mehr ins Gebäude konnten, sondern von außen löschen mussten.“ Im Gebäude befand sich eine Agentur für Werbetechnik. Die ungewöhnliche Hitze rührte allerdings nicht von dort eventuell untergebrachten Materialien, sondern von der Holzkonstruktion des Baus, so der Einsatzleiter. Unter Kontrolle war das Feuer gegen 19.30 Uhr, doch die ganze Nacht über mussten noch Glutnester gelöscht werden.

„Das war ein richtiges Flammeninferno“, sagt die Nachbarin von gegenüber. „Von einem kleinen Flämmchen hat sich das blitzschnell in ein riesiges Feuer verwandelt.“ Die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat Glück gehabt: Bei ihr ist nur die Hecke durch die Hitze kaputtgegangen. Ein anderer Nachbar hatte hingegen Wasser im Keller, weil eine Leitung im Boden platzte. „Das kann bei einem starken Druckstoß passieren“, sagt Kling. Zur Unterstützung der Wasserversorgung waren zwei Wechsellader aus Donzdorf und Salach angefordert worden, die im Pendelverkehr jeweils 9000 Liter Wasser brachten.

Polizei ermittelt weiter

Die Feuerwehren aus Donzdorf, Süßen, Salach, Eislingen und Göppingen waren mit insgesamt 79 Einsatzkräften und 20 Fahrzeugen an die Brandstelle geeilt, auch zwei Drehleitern waren darunter. Ebenfalls im Einsatz waren die Schnelle Einsatzgruppe SEG des Roten Kreuzes mit 17 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen sowie das DRK mit fünf Rettungskräften, einem Notarzt und vier Fahrzeugen. Der Polizeiposten Donzdorf hat die weiteren Ermittlungen übernommen.

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