Dienstag, 9.15 Uhr: Schützenverein Beimbach äußert sich, Trauerfeier ist terminiert

Nachdem Recherchen unserer Zeitung und anderer Medien herausgefunden haben, dass der 26-Tatverdächtige Mitglied im Schützenverein Beimbach gewesen war, hat sich dieser mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. Die Vorstandschaft zeigt sich zutiefst betroffen darüber, was am Freitag in der Bahnhofstraße vorgefallen ist.

Bürgermeister Siegfried Gröner hat zudem bestätigt, dass es am kommenden Samstag um 13.30 Uhr eine Trauerfeier im „Forum“ in Rot am See geben wird.

Montag, 13.15 Uhr: 68-Jähriger nicht mehr in Lebensgefahr

Die Polizei hat in einer Pressemitteilung weitere Erkenntnisse ihrer Ermittlungen mitgeteilt. So hat der 26-jährige Tatverdächtige Angaben zu seinem Motiv gemacht - dieses gibt die Polizei aber noch nicht preis. Zudem hat die Obduktion der Opfer ergeben, dass sie alle zweifelsfrei durch Schussverletzungen gestorben sind. Der schwer verletzte 68-Jährige schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr.

Laut Recherchen des SWR soll der Tatverdächtige die Tatwaffe - eine halbautomatische 9 Millimeter Luger - erst zwei Tage vor der Tat gekauft haben. Eine Berechtigung für solch eine Waffe mit Munition habe er 2019 erhalten.

Montag, 10.30 Uhr: Diese Woche wird über die Veranstaltung einer Trauerfeier entschieden

Auch am dritten Tag nach der Tragödie hat sich an dem Schock und der niedergeschlagenen Stimmung vieler in Rot am See nichts geändert. Denn nach wie vor sind viele Fragen offen zu den Hintergründen davon, was am Freitag in der Bahnhofstraße geschehen ist. Innerhalb dieser Woche wollen die Gemeinde, Kirchengemeinden und Angehörige der Opfer entscheiden, ob und in welcher Form im Ort eine Trauerfeier stattfinden soll.

Sonntag, 16 Uhr: War der Vorfall in Rot am See wirklich eine „Schießerei“?

Nachdem Rot am See nun Zeit hat, in Ruhe zu trauern, ist vielleicht auch die Zeit für etwas Selbstreflexion gekommen. Vor und nachdem die wichtigsten Details zu der Tragödie bekannt waren, war in Medien, sozialen Netzwerken und Gesprächen immer wieder von „Schießerei“ die Rede. Aber ist dieser Begriff wirklich der richtige, um die Geschehnisse zu beschreiben? Wir haben uns der Frage angenommen.

Sonntag, 11 Uhr: Verletzter weiter in Lebensgefahr

Wie die dpa meldet, schwebt nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen in Rot am See einer der Verletzten immer noch in Lebensgefahr. An dem kritischen Zustand des 68-Jährigen habe sich nichts verändert, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur am Sonntag.

Samstag, 19.15 Uhr: Weitere Kerzen werden niedergelegt

Am Samstagabend haben Bürger am Ort des Geschehens weitere Gedenkkerzen für die Opfer am Ort des Geschehens niedergelegt.

Samstag, 15.30 Uhr: Der Vorwurf lautet sechsfacher Mord und versuchter Mord in zwei Fällen

Wie die Polizei bekannt gibt, hat der Haftrichter gegen den Tatverdächtigen einen Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes und versuchten Mordes in zwei Fällen erlassen. Der Vorwurf an den 26-Jährigen: seine beiden Eltern, seine Stiefgeschwister, sowie eine Tante und einen Onkel getötet zu haben. Er wurde dem Haftrichter beim Amtsgericht Ellwangen gegen 11 Uhr vorgeführt, nun sitzt er in einer Justizvollzugsanstalt in U-Haft. Sein Anwalt, der Einsicht in die Ermittlungsakten verlangt hat, bestätigte, dass der 26-Jährige am Freitagabend eine Aussage bei der Polizei gemacht hat. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Ellwangen ermitteln weiter.

Samstagmittag: Erneut Schüsse in Rot am See - SEK im Einsatz

Ungefähr einen Tag nach der Tragödie ist die Polizei erneut in Rot am See im Einsatz. Nachdem gegen 10.45 Uhr Schüsse gemeldet worden waren, nahm das SEK in einem Haus im Bebenburger Weg einen Mann fest - den sie unverletzt abtransportierte. Wie die Polizei mitteilt, hatte der Mann Schüsse aus einer Schreckschusswaffe abgegeben. Einen Zusammenhang zu der Tragödie am Freitag sieht sie aktuell nicht. Siegfried Gröner, Bürgermeister von Rot am See war wie am Vortag vor Ort und in engem Austausch mit den Polizeikräften. „Ich bin mindestens genauso konsterniert und fassungslos wie gestern“, äußert er sich im Gespräch mit unseren Reportern. „Gott sei Dank ist es glimpflich ausgegangen.“

Samstag, 9.30 Uhr: Der Morgen danach

Mehrere Menschen haben noch am Abend und in der Nacht Gedenkkerzen an die Opfer am Tatort aufgestellt. Am Morgen nach der Tat liegt traurige Stille über Rot am See. Abgesehen von wenigen Polizisten und Reportern, dem Absperrband sowie den Kerzen zeugt fast nichts von den Ereignissen des Vortages.

Tragödie Der Morgen nach der Schießerei: Stille liegt über Rot am See

Im späteren Verlauf des Morgens taucht aber die örtliche Feuerwehr auf. Nachdem die Spurensicherer vor Ort ihre Arbeit beendet haben, machen die Einsatzkräfte aus Rot am See sauber.

Polizei Tragödie in Rot am See: Feuerwehr reinigt den Tatort

Freitagnachmittag: Nachbarn in Rot am See sind nach dem Vorfall schockiert

„Ich wohne seit 50 Jahren in Rot am See und habe sowas noch nie erlebt“, sagt eine ältere Frau, die 50 Meter vom Tatort entfernt steht. Mehrere Bekannte hätten sie teils aus Norddeutschland angerufen, um ihr von dem Verbrechen zu erzählen. „Jetzt wird Rot am See bekannt - aber auf scheußliche Art.“

Eine junge Frau aus dem Haus gegenüber von der Kneipe schiebt einen Kinderwagen aus der Garage. „Wir wollten einfach mal rausgehen, weil so viele Bekannte angerufen haben“, sagt sie. Sie habe nichts von den Schüssen mitbekommen, sei aber dennoch schockiert, dass so etwas in ihrer Straße passiere.

Im Bürgerhaus im Rathaus wäre am Abend eigentlich ein Kabarett-Programm gelaufen. Das ist wegen der Ereignisse abgesagt worden.

Freitagmittag: Was war in Rot am See passiert?

Bei einer Schießerei in der Bahnhofstraße in Rot am See sind am Freitag, 24. Januar, sechs Menschen gestorben. Das teilte der Präsident des Polizeipräsidiums Aalen, Reiner Möller, in einer Pressekonferenz mit. Demnach hat ein 26 Jahre alter Deutscher drei Männer (36, 65 und 69 Jahre) und drei Frauen (36, 56 und 62 Jahre) vor und in dem dortigen Gasthaus „Deutscher Kaiser“ mit einer Pistole erschossen - unter den Opfern sind sein Vater und seine Mutter. Aus Hinweisen aus dem Umfeld wird klar: Auch die anderen vier Toten und die Verletzten sind Familienangehörige - Geschwister, sowie Tante und Onkel dabei.

Am Samstag teilte die Polizei mit, dass einer der Verletzten, ein 68-Jähriger, weiterhin in Lebensgefahr schwebe. „Er ist noch im selben kritischen Zustand“, sagte ein Polizeisprecher. Eine 64-jährige Frau, möglicherweise die Frau des Schwerstverletzten, wird wegen leichterer Schussverletzungen im Krankenhaus versorgt.

Tatverdächtiger telefonierte selbst mit der Polizei

Den genauen Tathergang konnte die Polizei in einer im örtlichen Rathaus anberaumten Pressekonferenz noch nicht beschreiben. Fest steht: Nach der Tat rief der Tatverdächtige gegen 12.48 Uhr selbst die Polizei an und gab an, mehrere Menschen erschossen zu haben. Die Polizisten konnten den Mann in der Leitung halten und ihn gegen 12.57 Uhr vor dem Gasthaus festnehmen. Die Tatwaffe befand sich noch im Gebäude.

Sechs Tote, ein Verletzter in Lebensgefahr

Vier der Opfer wurden vor der Gaststätte erschossen, zwei in dem Gebäude in der Bahnhofstraße. Außerdem gibt es zwei Verletzte, von denen einer in Lebensgefahr schwebt. Der Tatverdächtige hatte auch zwei Jugendliche im Alter von zwölf und 14 bedroht.

Nach swp.de-Informationen lebten die Eltern getrennt, die Mutter eigentlich in Freiburg. Angeblich sei die Wirtsfamilie zusammengekommen, um am Samstag einer Beerdigung beizuwohnen. Einige der Opfer lebten laut Polizei in dem Gasthaus, so auch der Tatverdächtige.

Ein Motiv zur Tat gibt es bislang nicht

Zum weiteren Tatmotiv gab es zunächst keine Angaben. Nach aktuellem Stand gibt es keinen Hinweis auf weitere Tatverdächtige.

Die Polizei hat das Gebiet rund um den Tatort mit rot-weißem Polizei-Sperrband abgeriegelt. Über 100 Bedienstete des Polizeipräsidiums Aalen, dazu Kräfte des LKA’s und des Deutschen Roten Kreuzes waren im Einsatz

Pfarrer aus der Region und das Kriseninterventionsteam in Schwäbisch Hall waren zur Betreuung und Seelsorge vor Ort.

Schüsse in Baden-Württemberg Tote und Verletzte nach Schüssen in Rot am See

Tatverdächtiger hat Waffenschein – Initiative „Sportmordwaffen“ übt Kritik

Die Tatwaffe, eine halbautomatische Pistole, hatte ein 9-Millimeter-Kaliber. Über die Zahl der Schüsse oder die Menge an Munition bei der Tat konnte Polizeipräsident Möller noch nichts sagen. Der Tatverdächtige hatte einen Waffenschein und war Sportschütze.

„In Deutschland kommt grundsätzlich jedermann als Sportschütze problemlos an tödliche Schusswaffen“, kritisiert Roman Grafe Sprecher der Initiative Sportmordwaffen in einer Pressemitteilung nach der Schießerei. Mehr als 80 Menschen seien nach dem Amoklauf in Winnenden von Sportschützen erschossen worden, seit 1990 seien es mehr als 250. Deswegen fordere die Initiative ein Verbot tödlicher Sportwaffen.

Die Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen“ hat diese Karte zusammengestellt. Sie zeige die Tatorte der mit Sportwaffen getöteten Menschen in Deutschland zwischen 1990 und 2020, ohne Suizide.
© Foto: Grafik: Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen“/Archivbild

Rot am See: Gemeinde mit gut 5000 Einwohnern

Rot am See liegt im Kreis Schwäbisch Hall, etwa 120 Kilometer von der Landeshauptstadt Stuttgart entfernt zwischen den Städten Crailsheim (Baden-Württemberg) und Rothenburg ob der Tauber (Bayern). Die Gemeinde hat gut 5000 Einwohner. Bürgermeister ist Siegfried Gröner. Letztes Jahr ließ er sich in seine dritte und, wie er sagt, letzte Amtszeit wählen.

Video Sechs Tote nach Schüssen in Baden-Württemberg