Zahnärzte protestieren: Viele Praxen in Baden-Württemberg bleiben geschlossen

Unter dem Motto "Mund auf – Praxis zu" protestieren Zahnärzte am Dienstag gegen die Gesundheitspolitik und legen ihre Arbeit nieder.
Christophe Gateau/dpaDiesmal sind es die Zahnärzte selber, die den Mund aufmachen: Aus Protest gegen die Gesundheitspolitik und die Patientenversorgung in ihrer Branche wollen Tausende Zahnärzte in Baden-Württemberg am Dienstag, 18. Juni 2024, ihre Arbeit niederlegen. Das bedeutet: Viele Praxen bleiben geschlossen, eine Übersicht über Notdienste findet man hier.
Am Aktionstag unter dem Motto „Mund auf — Praxis zu!“ können die Beschäftigten an kostenlosen Fortbildungen teilnehmen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Baden–Württemberg (KZV BW) am Montag mit. Außerdem wollen die Zahnärztinnen und -ärzte mit Politikern und Patienten über die aktuellen politischen Entscheidungen und ihre Folgen sprechen.
Rund 3000 Zahnärzte haben Teilnahme an Protesten angekündigt
Zwar ist nach Angaben der KZV BW nicht abzuschätzen, wie viele Zahnärzte sich am Protest beteiligen. Es habe sich aber in einer Umfrage mit rund 3000 Mitgliedern eine große Mehrheit für eine Teilnahme ausgesprochen. Unter anderem beteiligen sich auch Zahnärzte aus den Landkreisen Göppingen, Reutlingen, Schwäbisch Hall, Zollernalbkreis und Alb-Donau-Kreis sowie aus Ulm.
„Die Zahnarztpraxen im Land stehen unter anderem durch Faktoren wie gestiegene Material–, Personal– und Energiepreise unter großem Druck“, sagte ein KZV BW–Sprecher am Montag. „Schlechte politische Rahmenbedingungen gefährden akut die Versorgung.“ Immer umfangreichere bürokratische Vorgaben binden demnach zudem wertvolle Arbeitszeit. In Bayern hatten die Zahnärzte bereits in der vergangenen Woche ihre Praxen dicht gemacht. Am Dienstag sind laut Verband auch Aktionen in mehreren anderen Bundesländern geplant.
Laut KZV BW hat die Niederlassung in der eigenen Zahnarztpraxis offenbar stark an Attraktivität verloren. Grund für die hohe Unzufriedenheit innerhalb der Zahnärzteschaft seien vor allem die aktuellen politischen Entscheidungen. „Wir brauchen schnell bessere Rahmenbedingungen, damit sich auch künftig genügend junge Zahnärztinnen und Zahnärzte niederlassen wollen“, sagte der KZV BW–Vorsitzende Torsten Tomppert, der auch Präsident der Landeszahnärztekammer ist. Derzeit scheuten viele junge Menschen den Weg in die Selbstständigkeit. Gleichzeitig näherten sich viele ältere Zahnärzte dem Ruhestand. (mit Informationen der dpa)

