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: Kühner Tobel - sanftes Hochmoor

Über Hindelang ragt der Hirschberg auf. Beim Kurort gibt es noch einen zweiten Hirschberg. Und der Spieser ist der dritte Gipfel auf dieser schönen Allgäu-Wanderung im Herbst.
Von
Klaus Vestewig
Ulm
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Sanfte Landschaft - auf dem Bohlenweg durchs Hochmoor unterhalb der Westflanke des Spiesers

Sanfte Landschaft - auf dem Bohlenweg durchs Hochmoor unterhalb der Westflanke des Spiesers

Klaus Vestewig
  • Rundtour ab Bad Hindelang: durch den Hirschbachtobel auf Hirschalpe, Spieser, Hochmoor, zurück.
  • Anspruch: 6 Stunden Gehzeit, 900 Höhenmeter, mittelschwer – Trittsicherheit und etwas Schwindelfreiheit.
  • Hirschbachtobel ist ausgesetzt und bei Nässe gefährlich, mit Drahtseilen und Eisentritten gesichert.
  • Drei Gipfel möglich: Spieser, Hirschberg und kleiner Hindelanger Hirschberg mit Aussichtspunkten.
  • Variante: Ab Klankhütte direkter Abstieg nach Hindelang, 100 Höhenmeter und eine halbe Stunde kürzer.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Tobel und tiefe Schluchten zählen genauso wie die Gipfel zu den selbstverständlichen Elementen von Gebirgslandschaften. Wie ein Trichter sind Tobel Kerbtäler, die tief eingeschnitten sind zwischen steilen Wänden und oft engem Ausgang. Der Eistobel ist ein typisches Beispiel im Allgäu. Mit starkem Gefälle rauscht dort die Obere Argen durchs schmale Tälchen.

Auch Bad Hindelang darf sich mit einem spektakulären Tobel schmücken: dem Hirschbachtobel. Dort anderhalb Stunden die gut 400 Höhenmeter hinaufzuwandern, ist ein Genuss: kleine Wasserfälle, Gumpen, Felsnischen - mehrfach überspannt ein Steg den rauschenden Hirschbach, der ungestüm der Ostrach zufließt.

Die Runde verlangt Trittsicherheit

Ein lockerer Spaziergang ist die Runde durch die kühle, enge Schlucht freilich nicht. Sie verlangt Trittsicherheit, im oberen Teil sogar etwas Schwindelfreiheit. Bei Nässe und Feuchtigkeit ist das kleine Abenteuer, auch wenn es durch Drahtseile und Tritteisen etwas erleichtert wird, problematisch. Nicht von ungefähr warnt eine Tafel: „Achtung: Begehen bei Nässe, Vereisung oder Dunkelheit ist gefährlich. Absturzgefahr!“

Wanderkarte Oktober 2026

Eine Wanderung voller Highlights

Klaus Vestewig

Der Hirschbachtobel ist nicht das einzige Highlight auf unserer Wanderung. Mit dem Hirschberg, dem Spieser und schließlich noch dem kleinen oder Hindelanger Hirschberg können Gipfelsammler gleich drei unschwierig zu erklimmende Bergspitzen betreten. Und im Abstieg lockt als zusätzliches Schmankel ein wunderschönes Hochmoor, das man auf einem Bohlenweg mittendurch intensiv kennenlernen kann.

Vom Busbahnhof müssen wir uns ein Viertelstündchen gedulden, ehe wir zum Tobel gelangen. Direkt hinter dem Parkplatz steigen wir links bei den blauen Tafeln die Treppen hoch und biegen rechts in die Poststraße ein (Richtung Marktplatz/Kirche). Immer geradeaus folgen Bad Oberdorfer Straße und Jochstraße (nicht Schindacherweg) und 200 m entlang der Passstraße zum Oberjoch. Zur Linken thront über uns der felsige Aufbau des kleinen oder Hindelanger Hirschbergs. Vor der Brücke über den Hirschbach beginnt nun links unser Tobelweg.

Aussichtskanzel Hirschbergkreuz: Blick ins Ostrachtal und zum Allgäuer Hauptkamm mit dem Hochvogel

Aussichtskanzel Hirschbergkreuz: Blick ins Ostrachtal und zum Allgäuer Hauptkamm mit dem Hochvogel

Klaus Vestewig

Wichtig: Die nächsten eineinhalb Stunden wandern wir immer Richtung Hirschalpe. Bitte ignorieren Sie die Abzweigungen zu Hirschberg (und Café Polite). Welcher der beiden Hirschberge jeweils gemeint ist, bleibt unklar. Es ist für unsere Tour zunächst auch unwichtig. Ein erdgeschichtlicher Forscherlehrpfad begleitet uns. Auf Schautafeln erfährt man dort u. a., dass sich die Alpen vor rund 100 Mio. Jahren durch das Zusammentreffen der Afrikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte als Faltengebirge aufgeschoben haben.

Unterhalb der Kellerwand wird das Terrain anspruchsvoller: Drahtseile, Geländer und Eisen-Stege und -Tritte sichern den Steig. Den eindrucksvollen Talschluss verzaubert ein letzter schmaler Wasserfall, der sich vor ockerfarbenem Untergrund über eine hohe Felsstufe stürzt. Dahinter arbeitet sich der Pfad an der rechten Tobelwand in sehr steilen Serpentinen in die Höhe. Das kostet einige Schweißperlen. Kinder sollte man auf diesem sehr abschüssigen Routenabschnitt dringend im Auge behalten.

Kinder im Blick behalten

Oberhalb des Tobelrandes queren wir einen Schotterweg und steigen links im Wald höher. Hinter einem Gatter geht es steil einen Grashang hinauf. Der Boden ist hier, wie später auch unter den beiden Gipfeln, leider von zahlreichen Trittspuren sehr erodiert. Hinter einem weiteren Gatter liegt rechts sogleich die Hirschalpe vor uns.

Hier steigen wir am Wegweiser schräg rechts den Hang hinauf Richtung Spieser (nicht links Richtung Kreuz). Am Steinpasssattel weitet sich plötzlich der Blick zum Sorgschrofen, den Tannheimer Bergen und dem Zugspitzmassiv. Nach links quert der Weg nun am Südhang des Hirschbergs durch. In wenigen Minuten kann man zusätzlich auf dessen runde grüne Kuppe hinaufsteigen, wo zahllose Silberdisteln wachsen. Oben starten die Gleitschirmflieger ins Fluggebiet Hindelang.

Das Gipfelkreuz ganz nah

Das hölzerne Gipfelkreuz des Spiesers, durch einen nahezu horizontalen Kamm mit dem Hirschberg verbunden, ist nun links ganz nah. Ein letzter kleiner Aufschwung führt vollends hinauf. So hoch ist der Gipfel nicht, aber das Panorama bis zum Säntis ist eindrucksvoll. Und auch die Felstürme in der Südflanke des Spiesers sind sehenswert.

Unser Abstieg beginnt auf der westlichen Seite des Gipfels (Richtung Klankhütte) zunächst etwas rauh mit Drahtseil. Unten in der Senke geht es geradeaus ins Moorgebiet, rechts zweigt der Weg zum Wertacher Hörnle ab. Der ruhige Gang durchs Hochmoor über die schmalen Holzplanken tut der Seele gut: beiderseits ein gelb-braunes Gräsermeer, darunter auch Wollgräser. Hochmoore werden ausschließlich durch Niederschlagswasser gespeist und wachsen nur 1 mm pro Jahr. Es folgt, genauso beschaulich, ein wunderschöner Waldweg - mit großen Fliegenpilzen.

In der Talmulde zwischen kleinen Hütten nun nach links, an der Karl-Hüller-Hütte vorbei hinunter zur Klankhütte. Hier könnte man abkürzend auch den Asphalt- und Schotterweg nach Hindelang (1,5 Stunden) wählen. Wir aber steigen links die 100 Höhenmeter den Wiesenhang zum kleinen oder Hindelanger Hirschberg hinauf. Der Umweg lohnt sich: Rechts unter dem baumbestandenen höchsten Punkt lädt eine Bank zum Tiefblick ins Ostrach- und Illertal ein. Fünf Minuten tiefer, beim vorgeschobenen großen Kreuz, ist der Blick noch freier.

Hier beginnt ein angenehm geneigtes, kurviges Abstiegspfädchen. Unten leiten breitere Wege immer geradeaus über das Steinköpfle nach Hindelang. Folgen Sie immer den Wegweisern. Schließlich landen wir in Schützen- und Poststraße – am Ende einer vielseitigen und eindrucksreichen Tour.

Rund um Hirschberge

Anspruch: 6 Stunden Gehzeit (3 ¼ h Aufstieg, 2 ¾ h Abstieg), 900 Höhenmeter; mittelschwer, Hirschbachtobel bei Nässe problematisch; gute Trittsicherheit nötig, auch etwas Schwindelfreiheit, einige Drahtseile und Eisentritte; auch für berggeübte Kinder, an den etwas ausgesetzten Passagen evtl. mit Reepschnur sichern. Beschilderung teils durch die beiden Hirschberge etwas verwirrend, sonst gut.

Tourverlauf: Rundtour ab Bad Hindelang (5000 Einw., Landkr. Oberallgäu), an Wochenenden stark besucht: Bad Hindelang (825 m ) – Hirschbachtobel – Hirschalpe (1493 m) – evtl. Hirschberg (1644 m/10 Min. länger) – Spieser (1651 m) – Hochmoor – Klankhütte (1405 m) – Hindelanger (kleiner) Hirschberg (1500 m ) – Hirschbergkreuz (1479 m) -Hindelang. – Variante ohne Kleinen Hirschberg: ab Klankhütte Asphalt- und Schotterweg nach Hindelang (100 Höhenmeter und ½ h kürzer).

Anfahrt: Mit Auto: A 7 bis Allgäuer Kreuz, B 19 bis Sonthofen Nord, B 308 nach Bad Hindelang, Parkplatz Busbahnhof links nahe Ortsbeginn (kostenfrei). - Mit Bahn: Bis Bahnhof Sonthofen, Bus nach Hindelang.

Historie Bad Hindelang: Liegt an der hist. Salzstraße, auf der ab Ende des 14. Jh. Salz aus Hall/Tirol durchs Tannheimer Tal bis zum Bodensee transportiert wurde. Im 30-jährigen Krieges starben fast 1000 Menschen an der Pest, Hälfte der Bevölkerung. 1895 neue Jochpassstraße zum Oberjoch gebaut. Seit 1965 heilklimatischer Kurort, 2001 Kneippheilbad.

„Emmi-Mobil“: Hindelang 2022 mehrfach mit innovativem Klimaschutzpreis für Mobilitätslösung „Emmi-Mobil“ ausgezeichnet. Zwei elektr. Kleinbusse (je 8 Fahrgäste) bringen Gäste kostenfrei ohne festen Fahrplan/feste Route zur nächsten Bushaltestelle oder direkt ans Ziel. Wartezeit ca. 8 Minuten (Mobil-App). Kein kostenloses Parken mehr für Übernachtungsgäste und Zweitwohnungsbesitzer in Gemeinde.

Einkehr: Hirschalpe (tägl. geöffnet, Mi. Ruhetag). Klankhütte (tägl. geöffnet bis 26. Okt., ab 5. Okt. Do.-So.). Restaurants und Cafés in Hindelang. vg