Video erregt Italien
: Donald Trump Jr. schießt offenbar geschützte Ente bei Venedig illegal ab

Bei einer illegalen Jagdpartie hat der Sohn des US-Präsidenten Donald Trump wohl eine geschützte Art abgeknallt. Ein Video des Vogelmassakers versetzt Italien in Aufruhr.
Von
Dominik Straub
Venedig
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Donald Trump Junior: ARCHIV - 15.01.2024, USA, Des Moines: Donald Trump Jr. gibt ein Presse-Statement am Rande des Präsidentschaftsvorwahlkampfes in Iowa. (zu dpa: «Trump Jr. wegen Jagdausflugs in Lagune von Venedig in Kritik») Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Muss sich nach Bekanntwerden eines Jagd-Videos womöglich vor Gericht verantworten: Donald Trump Jr..

Carolyn Kaster/AP/dpa
  • Donald Trump Jr. schoss offenbar illegal geschützte Enten in Venedig.
  • Das Video des Vorfalls sorgt in Italien für Empörung.
  • Die Jagd fand in einem EU-geschützten Gebiet statt.
  • Politiker fordern Ermittlungen und mögliche Strafen.
  • Eine Anklage könnte die Beziehungen zwischen Italien und den USA belasten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Donald Trump Jr., der älteste Sohn des US-Präsidenten, liebt Privatreisen. Und diese sorgen in letzter Zeit regelmäßig für Schlagzeilen. Im Januar machte Donald der Jüngere, rein zufällig, ein paar Tage Urlaub in Grönland, das Donald der Ältere bekanntlich den USA einverleiben will. Aber schon einige Tage vorher, nämlich im Dezember, hatte es den 47-jährigen Präsidentensohn nach Italien gezogen, genauer nach Venedig, wo er ebenfalls ein paar Ferientage verbrachte. Was man dank eines Videos auf YouTube erst jetzt erfuhr: Während seines Venedig-Aufenthalts nahm Donald Jr. mit einigen Kumpels auch an einer fröhlichen Jagdpartie in der Lagune teil.

Auf dem Video, das von der amerikanischen Jagd-Website „Field Ethos — The global hunt for adventure“ produziert wurde, ist Donald Trump Jr. mehrfach zu sehen, wie er im Tarnanzug mit einem Jagdgewehr gen Himmel schießt – dann fallen tote Enten und Gänse zu Boden, die von Jagdhunden apportiert werden. Damit man auch wirklich erkennt, wer da so treffsicher ist, wird der Name Trumps eingeblendet. Auf einem Standbild, das gestern von den italienischen Medien veröffentlicht wurde, sieht man Trump im hohen Schilfgras sitzen, umgeben von seinen frisch erlegten Jagdtrophäen. Unter den toten Tieren befindet sich auch eine Rostgans. „Very cool“ sei das Jagen in der Lagune gewesen, sagt im Video eine Stimme, wobei nicht klar ist, ob der Satz vom Präsidentensohn gesagt wurde.

Geschützte Art in geschützter Lagune geschossen

Der grüne Parlamentarier des Regionalrats von Venetien, Andrea Zanoni, fand das Video jedenfalls gar nicht cool. Er betonte, dass es sich bei der Rostgans um eine europaweit geschützte Spezies handle, die in Italien nicht gejagt werden dürfe. Außerdem habe das Vogelmassaker wahrscheinlich in einem Teil der Lagune stattgefunden, das durch die EU-Habitat-Direktive geschützt ist, Laut der Turiner Zeitung „La Stampa“ und anderen Medien wurde auf einem Stück Land gejagt, das als besonderes Schutzgebiet mit der Bezeichnung „Mittlere-Untere Lagune von Venedig“ des EU-Netzwerks Natura 2000 ausgewiesen ist. Außerdem: Ausländer dürfen in Italien ohnehin nicht jagen; das sei laut Gesetz einzig und allein der einheimischen Bevölkerung vorbehalten, betont Zanoni.

Der grüne Lokalpolitiker hat bereits angekündigt, dass er beim Präfekten von Venedig Strafanzeige gegen den Trump-Sprössling einreichen wird. „Die können hier nicht die Herren spielen, die Region Venetien und Italien sind noch nicht Eigentum der USA.“ Venedigs sozialdemokratische Stadträtin Monica Sambo wiederum erklärte, dass es „gravierend und inakzeptabel“ sei, dass geschützte Arten in der Lagune von Venedig getötet würden. „Sollte die Beteiligung von Trump Junior an der Jagd in der Lagune bestätigt werden, hoffen wir, dass er wie jeder andere Bürger strafrechtlich verfolgt wird.“ Für die Tötung geschützter Tierarten sieht das italienische Strafgesetzbuch Strafgelder bis 4000 Euro oder Gefängnisstrafen bis sechs Monate vor.

Staatsanwaltschaft könnte Ermittlungen einleiten

Die mutmaßliche Wilderei des Trump-Sohns hat aber längst auch die nationale Politik aufgescheucht. Die Abgeordnete des linksgrünen Bündnisses AVS, Luana Zanella, hat an Giorgia Melonis Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin eine dringliche Interpellation gerichtet, in welchem sie Aufklärung über den Vorfall fordert. Mit anderen Worten: Die Angelegenheit dürfte ein politisches und auch ein diplomatisches Nachspiel haben, vor allem dann, wenn die Staatsanwaltschaft von Venedig Strafermittlungen gegen Donald Trump Jr. einleiten sollte.

Bisher sieht sich die rechtsnationale Regierungschefin Meloni als privilegierte Gesprächspartnerin von US-Präsident Donald Trump, der sie unlängst als „fantastic person“ bezeichnet hat. Trump war es auch massgeblich zu verdanken, dass Anfang Januar die italienische Journalistin Cecilia Sala aus einem iranischen Foltergefängnis entlassen wurde. Eine Anklage gegen Trump Jr. in Italien wäre dem bisher guten Einvernehmen zwischen Rom und Washington wahrscheinlich nicht förderlich. Andererseits wäre ein Gnadenerlass für den Trump-Sohn für Meloni innenpolitisch heikel: Italiens Tierschützer zählen zu den militantesten Europas, und sie rühren bereits die Kriegstrommel.