Verabschiedung live
: Das war der emotionale Abschied von Winfried Kretschmann

Mit einem feierlichen Staatsakt ist Winfried Kretschmann nach 15 Jahren als Ministerpräsident verabschiedet worden. Die Zeremonie in Stuttgart wurde im Livestream übertragen.
Von
Laura Mensch,
dpa
Stuttgart
Festakt zur Verabschiedung von Ministerpr‰sident Kretschmann: 29.04.2026, Baden-Wžrttemberg, Stuttgart: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt am Festakt zu seiner Verabschiedung im Neuen Schloss teil. Die Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist fast zu Ende. Er wird im Neuen Schloss in Stuttgart feierlich verabschiedet. Er wird im Neuen Schloss in Stuttgart feierlich verabschiedet. Foto: Katharina Kausche/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist beim Festakt zu seiner Verabschiedung im Neuen Schloss sichtlich gerührt.

Katharina Kausche/dpa
  • In Stuttgart wird Winfried Kretschmann nach 15 Jahren als Ministerpräsident verabschiedet.
  • Der Festakt im Neuen Schloss läuft mit Kulturprogramm, Musik und prominenten Rednern.
  • Joachim Gauck würdigt ihn, viele Weggefährten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kommen.
  • Kretschmann regierte erst mit der SPD, später mit der CDU – er galt als Brückenbauer.
  • Sein letzter Arbeitstag ist Mitte Mai, danach soll Cem Özdemir Nachfolger werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach rund eineinhalb Jahrzehnten an der Spitze Baden-Württembergs endet die Amtszeit von Winfried Kretschmann. Im Neuen Schloss in Stuttgart wurde der 77-Jährige mit einem aufwendigen Festakt geehrt – mit Kulturprogramm, musikalischen Einlagen und prominenten Rednern. Unter anderem hat Altbundespräsident Joachim Gauck den langjährigen Regierungschef gewürdigt. Auch zahlreiche Weggefährten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gekommen.

Altbundespräsident Joachim Gauck nannte Kretschmanns Wahl zum Ministerpräsidenten „kulturprägend“. „Ein Mensch, der sich selbst als wertkonservativ verstand, übernahm die Führung eines Landes, dessen politische Traditionen ihm rein äußerlich betrachtet nicht hätten ferner liegen können“, sagte Gauck.

Kretschmann zeigte sich gerührt nach den Abschiedsreden. Seine freche Ansage, er gehe ohne Wehmut aus dem Amt, könne er nun nicht mehr so ohne Weiteres sagen.

Er sei dankbar, dass er 15 Jahre Ministerpräsident habe sein dürfen. „Das ist – bei aller eigenen Anstrengung – schon auch eine Gnade“, sagte Kretschmann. „Und deshalb bin ich meinem Schöpfer auch sehr dankbar, dass er mich all die Jahre mit guter Gesundheit und einigen Fähigkeiten ausgestattet hat, um dieses Amt auszufüllen.“

Emotionaler Abschied von Winfried Kretschmann

Die Reden etwa von Alt-Bundespräsident Joachim Gauck hätten ihn „emotional angefasst“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur beim Empfang. „Das konnte ich wahrscheinlich nicht ganz verbergen“, so der 77-Jährige - und räumte ein: „Ich war auch sehr nervös, was man ja nach 15 Jahren MP wirklich nicht mehr ist bei Terminen. Heute war ich nervös.“

Ein kompletter Gefühlsausbruch blieb aber dann doch aus. „Nein, also soweit geht's nicht“, sagte der Landesvater ganz nüchtern auf die Frage ob Tränen geflossen seien. „Das sollte man auch vermeiden, als scheidender Ministerpräsident vor Rührung zu weinen. Das gehört sich nicht und das passt nicht zu einem Ministerpräsidenten.“

Die Feierlichkeiten wurden im Livestream übertragen

Programm: So lief der Abschied ab

  • Auftakt mit Kultur: Festakt im Weißen Saal – eröffnet mit „Schwanensee“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, getanzt vom Stuttgarter Ballett
  • Politische Würdigungen: Begrüßung durch Thomas Strobl, anschließend Reden von Joachim Gauck und Petra Olschowski
  • Musikalische Einlage: Arie aus „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart
  • Empfang: Treffen mit Weggefährten, darunter Joschka Fischer und Reiner Haseloff
  • Abschiedsworte: Letzte große Rede von Winfried Kretschmann
  • Serenade & Zapfenstreich: Heeresmusikkorps Ulm spielt u. a. „Nun danket alle Gott“, den Marsch „Herzog von Braunschweig“ und ein Frank Sinatra-Medley
  • Finale: Hohenzollernlied, Europahymne und deutsche Nationalhymne zum Abschluss

Kretschmann hatte 2011 Geschichte geschrieben, als er als erster Grünen-Politiker Ministerpräsident eines Bundeslandes wurde. Zunächst regierte er mit der SPD, später mit der CDU. Er galt dabei als Brückenbauer, der auch konservative Wähler ansprach, aber immer wieder auch Konflikte in den eigenen Reihen auslöste.

Sein letzter Arbeitstag ist Mitte Mai, anschließend soll Cem Özdemir zu seinem Nachfolger gewählt werden. Für den Ruhestand hat Kretschmann bereits klare Pläne: mehr Zeit für Familie, Gartenarbeit und ein Leben abseits der politischen Bühne.