Hagelsturm in Reutlingen: Hunderte Helfer im Großeinsatz: 30 Minuten Hagel
Das kam unerwartet. Ohne jegliche Vorwarnung ereignete sich am Freitagnachmittag, 4. August 2023, gegen 16 Uhr ein heftiger Hagelsturm in Reutlingen. Die Hagelkörner bildeten auf den Straßen eine bis zu 30 Zentimeter hohe Schicht. Passanten gingen unter Bushaltestellen und anderen Dächern in Schutz.
Feuerwehr Stadtmitte alarmiert — Katwarnung
Die Feuerwehr Stadtmitte wurde alarmiert, laut Deutschem Wetterdienst (DWD) gilt Warnstufe orange. Bedeutet: „Die erwartete Wetterentwicklung ist nicht ungewöhnlich, aber gefährlich. Es können vereinzelt oder örtlich Schäden auftreten. Informieren Sie sich regelmäßig über die Wetterentwicklung, seien Sie vorsichtig und vermeiden Sie riskantes Verhalten.“
Straßen überflutet, Tiefgaragen unter Wasser
Die Feuerwehr hatte gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Katwarnung herausgegeben. Auch die NINA–Warnapp warnte vor Starkregen und Hagel in der Innenstadt. Autofahrer sollten die Innenstadt meiden. Denn der Hagelsturm hatte vor allem die Stadtmitte und Teile Betzingens getroffen. In der Innenstadt waren Straßen überschwemmt und Tiefgaragen überflutet, wie Sabine Külschbach, Leiterin der städtischen Pressestelle, der SÜDWEST PRESSE mitteilte.
Rund 120 gemeldete Einsätze
Auch der Deutsche Wetterdienst gab um 17.20 Uhr Entwarnung. „Die Gewitterzelle hat Reutlingen passiert und ist weggezogen“, sagte Linda Noel. Kurz nach 18 Uhr gab Pressesprecherin Külschbach ein Update: Die Feuerwehr ist mit 250 Personen im Einsatz, neben der Berufsfeuerwehr wurden alle Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr hinzugezogen. Es gabinsgesamt rund 120 gemeldete Einsätze. Das waren vor allem überflutete Keller und Tiefgaragen. Mitunter saßen aber auch Autofahrer in ihren Fahrzeugen fest — die Einsatzkräfte schaufelten ihnen die Autotüren frei. Wichtig: Verletzte gab es laut Stadt und Feuerwehr keine.
Es war ein lokales Unwetter, das vor allem die Stadtmitte traf. Dort waren am frühen Abend Schneeräumfahrzeuge der Technischen Betriebsdienste (TBR) im Einsatz, „weil die Hagelkörner bis zu 30 Zentimeter hoch liegen“, sagt Sabine Külschbach.
Betroffen war zudem noch Reutlingens größter Stadtteil Betzingen — allerdings flog dort kein einziges Hagelkorn. Aber: Die Echaz, deren Pegel in Reutlingen innerhalb von fünf Minuten auf 1,5 Meter anstieg, flutete die Straßen. „Der neue Hochwasserschutz hat dort Schlimmeres verhindert“, sagt Külschbach.
Der Tag danach: Letzte Reinigungsarbeiten finden statt
Wie ein Sprecher der integrierten Leitstelle am Samstagvormittag, 05.08.2023, der Deutschen Presseagentur (dpa) sagte, war die Arbeit für Einsatzkräfte gegen Mitternacht beendet. Insgesamt waren am Freitag zwischen 16 und 23 Uhr etwa 290 Feuerwehrleute und 20 Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste im gesamten Stadtgebiet im Einsatz. Am Samstagvormittag waren Mitarbeiter der Stadt noch dabei, die letzten betroffenen Straßen zu reinigen und zu kontrollieren.
Deutscher Wetterdienst äußert sich um Unwetter
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Samstag das Unwetter in Reutlingen eingeordnet. Ein Meteorologe klassifizierte es der Deutschen Presseagentur (dpa) gegenüber als „nicht außergewöhnlich“, wenngleich die Bilder aus der Kreisstadt mit rund 118 000 Einwohnern eindrücklich gewesen seien. „Dass es eine Stadt wie Reutlingen trifft, ist nicht alltäglich“, sagte der Experte. Es habe sich um eine vergleichsweise kleine Unwetterzelle gehandelt, die sich erst kurz vor Reutlingen gebildet hatte. Weil sie sich am Freitagnachmittag nur langsam bewegte, sei innerhalb kürzester Zeit viel Hagel auf die Stadt geprasselt. Die Körner hätten eine Größe von bis zu 1,8 Zentimeter Durchmesser gehabt.
Wäre das Unwetter ein paar Kilometer weiter auf dem freien Land niedergegangen, hätte es wohl keine solche Aufmerksamkeit bekommen, meinte der Meteorologe. Etwa auf Wiesen und Äckern würden solche Regen– und Hagelmassen schneller abfließen als in einer bebauten Stadt.











