Horror-Crash in Nürtingen
: Ungebremst in Ampel gerast – Zwei Opfer „hatten gar keine Chance“

Nach dem Unfall in Nürtingen, bei dem zwei junge Frauen getötet wurden, ist die Betroffenheit groß. Viele Nürtinger macht der Fall so betroffen, weil es an der belebten Stelle jeden hätte treffen können.
Von
Kerstin Auernhammer,
Debora Schreiber
Nürtingen
Jetzt in der App anhören
Das völlig zerstörte Autowrack, das am Sonntagabend (16.06.2024) in Nürtingen an einer Ampel in eine Menschengruppe gerast war. Zwei junge Frauen starben bei dem Unfall.

Das völlig zerstörte Autowrack, das am Sonntagabend (16.06.2024) in Nürtingen an einer Ampel in eine Menschengruppe gerast war. Zwei junge Frauen starben bei dem Unfall.

7aktuell.de/ 7aktuell

Sie hatten auf das grüne Zeichen gewartet, als das Unglück geschah: Nach dem Tod von zwei Frauen an einer Fußgängerampel sucht die Polizei unter Hochdruck nach der Unfallursache. Auch am Dienstagmorgen (18.6.2024) sei noch nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Unfall in Nürtingen kommen konnte, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen auf Nachfrage.

Alle Opfer sind unter 30 Jahre alt

Ein 16 Jahre alter Jugendlicher liegt seit Sonntagabend schwer verletzt im Krankenhaus. Zwei Frauen waren bei dem Unfall gestorben: Eine 28-Jährige wurde durch den Aufprall derart schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort starb. Eine 27-Jährige wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen, wo sie jedoch nur kurz darauf ihren Verletzungen erlag. Der Autofahrer selbst, ein 54-Jähriger, wurde schwer verletzt. Die Polizei korrigierte diese Angabe am Mittag. Am Morgen hatte es noch geheißen, er sei leicht verletzt worden.

Der Mann war mit seinem Mercedes GLK in der Nürtinger Bahnhofstraße ungebremst gegen einen Ampelmast und danach gegen eine Hauswand geprallt. Sein Auto rammte die Fußgänger, die an der Ampel warteten. Die Polizei geht als Hintergrund von einem Unfall aus. „Hinweise auf einen vorsätzlichen Hergang oder ein vorsätzliches Handeln haben wir nicht“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Staatsanwaltschaft ordnete die Hinzuziehung eines Gutachters an, der bei den Ermittlungen helfen soll. Dessen Gutachten liegt bislang (18.6.2024) noch nicht vor, auch das Ergebnis des Blutalkoholtests beim Unfallfahrer lässt noch auf sich warten. Neben technischen Problemen oder einem medizinischen Vorfall hält die Polizei daher aktuell mehrere Unfallursachen für möglich. Das Auto wurde beschlagnahmt. Gegen den 54-Jährigen wird nun wegen des Verkehrsunfalls mit Todesfolge ermittelt. Insgesamt waren bei dem Unfall mehr als 50 Einsatzkräfte vor Ort.

In Nürtingen sitzt der Schock tief

Auch am nächsten Tag sitzt der Schock in Nürtingen noch tief. „Der Unfall ist mitten in der Stadt passiert, dort wo das Herz pulsiert“, sagt der Nürtinger Oberbürgermeister, Dr. Johannes Fridrich. An der Unfallstelle kommt er selbst täglich vorbei und hat schon unzählige Male mit seiner eigenen Familie auf das grüne Männchen in der Ampel gewartet.

Beim Seniorenvormittag am Montag sei die Betroffenheit spürbar gewesen: Dass zwei junge Menschen so unvermittelt aus dem Leben gerissen werden, kann kaum einer glauben. „Sie hatten gar keine Chance, sie konnten ihn nicht kommen sehen“, sagt Fridrich.

Der Oberbürgermeister war durch den Rettungshubschrauber auf den Unfall aufmerksam geworden. Er habe sich aber zunächst von der Unfallstelle ferngehalten, um die Einsatzkräfte nicht zu behindern. Aber: Er sei er von Anfang an eng mit der Polizei, Feuerwehr und den Rettungsdienstorganisationen im Austausch gewesen. Ein so schwerer Unfall würde selbst erfahren Ersthelfer betroffen stimmen. „Da wir viele Ehrenamtliche haben, waren aber auch viele jüngere Einsatzkräfte vor Ort“, sagt Fridrich. Nach dem Einsatz war der Bürgermeister daher noch vor Ort, um den Rettungskräften gegenüber seine Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.

Nürtingen

Blumen am Unfallort in Nürtingen: Die Betroffenheit in der Stadt ist groß.

Andreas Rosar/dpa

Die Betroffenheit und die Anteilnahme sind groß, das zeigen nicht nur die Blumen, die jetzt dort liegen, wo noch gestern eine Ampel stand, sondern auch die zahlreichen Kommentare unter dem Facebook-Kommentar des Nürtinger Oberbürgermeisters. Auch Nutzer in sozialen Netzwerken brachten ihre Anteilnahme zum Ausdruck. „Jeder ist beim Gang durch NT schon an dieser Ampel gestanden, nur dass diese beiden Frauen heute nicht mehr Nachhause zu ihren Lieben gehen dürfen. Es ist unvorstellbar und unfassbar traurig!“, schreibt etwa eine Nutzerin auf Facebook.

Besonders betroffen macht viele Nürtinger offenbar, dass der Unfall jeden hätte treffen können. „Mein Beileid an die Angehörigen, da wird es einem ganz anders, wenn ich überleg' wie oft ich und mein Sohn schon dort an der Ampel standen“, schreibt eine weitere Nutzerin. Eine weitere Facebook-Nutzerin meint: „Das tut mir unendlich leid, allen Angehörigen ganz viel Kraft. Ja es hätte jeder von uns sein können, morgens steht man ganz normal auf...und abends ist man nicht mehr. So unverständlich.“

Mit Material von dpa.