Umgang mit Autismus
: Klartext reden – Sprache ist für die Orientierung von Autisten wesentlich

In einem Seminar im Rems-Murr-Kreis lernen die Eltern von betroffenen Kindern, wie sie richtig kommunizieren. Die Referentin weiß aus eigener Erfahrung, was wichtig ist.
Von
epd
Winnenden
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Die Umwelt ist für Kinder, beispielsweise mit der Diagnose Asperger–Autismus, laut und anstrengend. Sie benötigen viel Rückzug und liebevoll gebotene Struktur im Alltag. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/66044 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte–Hinweis.

Die Umwelt ist für Kinder etwa mit der Diagnose Asperger-Autismus laut und anstrengend. Sie benötigen viel Rückzug, Struktur im Alltag und eine klare Kommunikation.

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  • Seminar im Rems-Murr-Kreis für Eltern von Kindern mit Asperger-Autismus.
  • Klare Kommunikation und strukturierter Alltag sind entscheidend.
  • Lena Kühl, Expertin und selbst betroffen, gibt Tipps zur Verständigung.
  • Nonverbale Signale oft schwer zu deuten, einfache Sprache notwendig.
  • Unterstützende Kommunikationsmethoden wie Sprachcomputer empfohlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gleich geht’s wieder los mit dem achtteiligen Elternseminar der Paulinenpflege im Rems-Murr-Kreis: 14 Mütter und Väter haben in einem Raum der Bodenwaldschule Winnenden-Schelmenholz Platz genommen, nebenan wird Kinderbetreuung geboten. Die Nachfrage war schon bei der letztjährigen Veranstaltungsreihe enorm, daher wird zusätzlich noch ein Online-Kurs angeboten.

Die Fachfrau, die heute vorn steht, wirkt freundlich, doch sie hält die Augen halb geschlossen. Lena Kühl, die zum Thema „Kommunikation bei Menschen mit Autismus“ referieren wird, weiß aus eigener Betroffenheit, wovon sie spricht. Sie meide Blickkontakt zur Gruppe, bekomme das intuitiv einfach nicht hin, sagt sie. Im Eins-zu-eins-Gespräch gelinge ihr das mittlerweile aber relativ gut. So ist die Arbeit als Ergotherapeutin, unter anderem mit nonverbalen und autistischen Kindern, für sie geradezu ideal.

Nonverbale Signale kommen oft nicht an

Kommunikation ist zwischen Menschen mit und ohne Autismus oft schwierig. Mimik, Gestik, Körpersprache machten circa 80 Prozent aus, der sprachliche Teil sei der kleinste, erläutert die Referentin. Autisten konzentrieren sich jedoch auf letzteren, orientieren sich an Fakten, während nonverbale Signale für sie nur schwer zu deuten sind. Hilfreich ist es daher, die Botschaft zu verbalisieren, wenn etwas körpersprachlich nicht ankommt.

Auch das Umfeld, in dem kommuniziert wird, spielt eine wichtige Rolle. „Als Schülerin war es für mich nur ruhig, wenn eine Klassenarbeit geschrieben wurde. Und selbst dann nahm ich immer noch wahr, wie die Füller auf dem Papier kratzten“, erzählt die Frau mit Asperger-Syndrom. Sie kenne Betroffene, die immer eine Sonnenbrille tragen, weil sie das Licht als zu stark empfinden, oder die durch Gerüche schnell überreizt seien.

„Räum dein Zimmer auf“ ist klar verständlich

Neben einem reizarmen, ruhigen Umfeld braucht es Zeit, damit Kommunikation gelingen kann, weiß die Gründerin der Website „erwachseneautisten.de“. Eine Frage wird gestellt, nach gefühlten zehn Minuten kommt die Antwort dazu, wenn auch sehr durchdacht.

„Sag mir, was du von mir willst“, hat Lena Kühl schon manches Mal gedacht, wenn Menschen mit Andeutungen, Höflichkeitsfloskeln, Ironie oder verkürzten Sätzen kommunizierten. Klar und eindeutig – dann funktioniert es. Ein Vater kann das bestätigen: „Ich fände es toll, wenn du dein Zimmer aufräumst“ löst keine Reaktion aus, „Räum dein Zimmer auf“ ist zu verstehen.

Wie kann die morgendliche Routine gelingen? Lena Kühl rät, in Einzelschritten zu kommunizieren und das Kind nicht mit Informationen zu überfrachten. Oder einfach mal die Schuhe in die Hand zu drücken. Eine To-do-Liste zum Abhaken könne helfen, so der Rat eines Vaters in der Runde. Gespräche zwischen Tür und Angel funktionieren in der Regel nicht, ist die Erfahrung betroffener Eltern.

Oftmals verwendeten Menschen mit Autismus Sprache anders – das könne Grammatik und Wortwahl betreffen oder auch das Erzählen, erklärt die Referentin. Was soll erzählt werden und in welcher Reihenfolge? Manche erzählen daher gar nichts, andere finden keinen Punkt mehr - eine Bandbreite, die auch die Erfahrung der anwesenden Eltern widerspiegelt. Nicht umsonst spricht man vom Autismus-Spektrum. „Wenn man einen Autisten kennt, kennt man wirklich nur einen“, sagt Lena Kühl.

Den richtigen Schlüssel zur Kommunikation finden

Eine Mutter, deren Kind nicht spricht, möchte wissen, ob sich Nonverbalität in der Kindheit irgendwann löst. Das sei bei einigen der Fall, bei manchen auch nicht, so die Fachfrau. Sie rät, auszuprobieren, welcher Schlüssel zur Kommunikation für das Kind passt: unterstützte Kommunikation wie Sprachcomputer oder Talker, Bilder, Gebärdensprache oder einfach ein Signal wie Knopfdruck, um Bedürfnisse wie Durst auszudrücken. „Das kann unter Umständen ein sehr langer Weg sein“, räumt Kühl ein.

Auch bei Ärzten und Therapeuten finden Autisten, die übrigens meist untereinander gut kommunizieren können, nicht immer Verständnis, so die Erfahrung der Referentin wie der Seminarteilnehmer. Gezielt nach Autismusexperten zu suchen, findet Kühl jedoch nicht nötig. „Wichtig ist, dass ich es mit einer Person zu tun habe, die sich auf mich einlassen kann“, so ihre Überzeugung.