Umfrage „BaWü-Check“: Die Kriegsangst steigt – Mehrheit der Bürger in BW will eine Dienstpflicht

Wie gut ist Deutschland auf einen Krisenfall vorbereitet? Mancher Schutzbunker lässt da Schlimmes befürchten.
Felix Kästle/dpa- 54% der Baden-Württemberger bevorzugen ein verpflichtendes Dienstjahr über Wehrpflicht.
- 39% glauben, Deutschland könnte in einen Krieg verwickelt werden.
- Nur 38% sehen das Land auf Krisen vorbereitet.
- Mehrheit fordert bessere Notfallpläne und -ausrüstung.
- Junge Menschen lehnen Wehrdienst und Dienstjahr meist ab; Mehrheit will Gleichbehandlung für Frauen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist eine gute Nachricht: Die Baden-Württemberger blicken so zuversichtlich in die Zukunft wie seit mehr als anderthalb Jahren nicht mehr. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der baden-württembergischen Zeitungsverlage. Mehr als jeder dritte Befragte ist optimistisch gestimmt. Das gab es zuletzt im Sommer 2023.
Auf den Magen schlagen aber weiterhin die Entwicklung der Inflation und die wirtschaftliche Lage insgesamt. Stark in den Fokus gekommen sind inzwischen Themen der äußeren und inneren Sicherheit. So ist die Sorge gewachsen, dass Deutschland in den nächsten Jahren in einen militärischen Konflikt hineingezogen wird. Wie sicher also fühlen sich die Menschen im Land – und was sind sie bereit, für Ihre Sicherheit zu tun?

DIe große Mehrheit fühlt sich in Baden-Württemberg weiterhin sicher.
SWP/Allensbach RaiolaDer Krieg in der Ukraine verändert auch den Blick der Menschen im Land. 39 Prozent der Baden-Württemberger halten es inzwischen für wahrscheinlich, dass Deutschland in den nächsten Jahren in einen Krieg verwickelt wird. 9 Prozent sogar für sehr wahrscheinlich. Der russische Angriff hat vielen bewusst gemacht, dass in Europa Frieden nicht unter einer Ewigkeitsgarantie steht.

Dass Deutschland in einen Krieg hineingezogen werden könnte, halten fast 40 Prozent für wahrscheinlich.
SWP/Allensbach/RaiolaTrotzdem wäre nur knapp jeder Vierte bereit, Deutschland mit der Waffe zu verteidigen. Gut jeder Zweite lehnt das ausdrücklich ab. Männer und Menschen mittleren Alters formulieren eine größere Bereitschaft, die Bundeswehr persönlich zu unterstützen, als Frauen und ältere Menschen. Bei der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen ist mit 58 Prozent die Ablehnung eines Dienstes an der Waffe überdurchschnittlich groß.

Im Ernstfall würden nur wenige zur Waffe greifen wollen.
SWP/Allensbach/RaiolaMehrheit der jungen Menschen lehnt Wehrdienst und Dienstjahr ab
Wie kann da Verteidigung funktionieren? Muss zum Schutz aller also wieder eine Wehrpflicht eingeführt werden oder fände ein verpflichtendes Dienstjahr größere Zustimmung? Auch da ist das Stimmungsbild eindeutig: 54 der Befragten finden ein verpflichtendes Dienstjahr, bei dem sich junge Menschen zwischen der Bundeswehr und einem sozialen Dienst entscheiden können, besser als eine allgemeine Wehrpflicht. Diese wird nur von 22 Prozent der Befragten befürwortet. In der jungen Generation, die davon am unmittelbarsten betroffen wäre, lehnt jeder vierte jegliche Wehr- und Dienstpflicht ab, immerhin 48 Prozent der jüngeren Menschen pläsieren allerdings ebenfalls für eine allgemeine Dienstpflicht für alle. Überdeutlich wird in der Umfrage jedoch, dass nur eine kleine Minderheit der Ansicht ist, dass Verteidigung und Wehrdienst reine Männersache sind. Selbst im Falle einer Wiedereinführung der Wehrpflicht wäre eine überwältigende Mehrheit dafür, beide Geschlechter gleich zu behandeln: 60 Prozent finden, eine „neue“ Wehrpflicht sollte auch für Frauen gelten, nur 22 Prozent halten den Wehrdienst für reine Männersache.

Bei der Wehrpflicht sieht eine überwältigende Mehrheit auch die Frauen in der Pflicht, nur wenige halten die Verteidigung für Männersache.
SWP/Allensbach/RaiolaDoch wäre das Bundesland selbst auf einen Krisenfall vorbereitet? Nur 38 Prozent der Befragten sind da zuversichtlich. Jeder Zweite glaubt dagegen, dass das Land nur eingeschränkt oder gar nicht auf solch einen Fall vorbereitet ist. Die Skepsis ist umso größer, je verunsicherter die Menschen insgesamt sind.
Bürger haben eine klare Wunschliste
Dabei haben die Bürger überaus konkrete Vorstellungen, was zur Vorbereitung auf einen Ernstfall nötig wäre: das Erstellen von Notfallplänen, die bessere Ausstattung von Polizei Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, der Aufbau von Notfallvorräten an Medikamenten, ein besserer Schutz der kritischen Infrastruktur wie von Kommunikations- und Energienetzen. Auch den Aufbau eines Lebensmittelvorrats für die Bevölkerung, regelmäßige Notfallübungen und Schulungen der Bevölkerung hält die Mehrheit der Befragten für sinnvoll, ebenso den Ausbau von Schutzräumen und Bunkern. Die letzte Forderung wird immerhin noch von 65 Prozent der Befragten erhoben, allerdings ohne Wissen darüber, wie es vor der eigenen Haustüre tatsächlich aussieht. Gibt es einen funktionstüchtigen Schutzraum für den Kriegs- und Katastrophenfall in der Nähe? 13 Prozent der Befragten können dies mit Ja beantworten, 7 Prozent wissen sogar den konkreten Standort, doch 53 Prozent der Befragten haben nicht die leiseste Ahnung, ob und wo gegebenenfalls ein sicherer Ort für sie ist.
Zu Herzen genommen haben sich viele Baden-Württemberger bereits Empfehlungen für den Krisenfall, wie sie beispielsweise das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt. So haben knapp zwei Drittel der Befragten zu Hause bereits einen Vorrat an Kerzen und Teelichtern angelegt. 58 Prozent verfügen über einen Lebensmittelvorrat, der für mindestens zehn Tage ausreicht. Ein Vorrat an Medikamenten, Reservebatterien oder Ladestationen wie eine Powerbank sind in rund der Hälfte der Haushalte vorhanden. Auch über ausreichend Trinkwasser scheinen 40 Prozent der Befragten zu verfügen. Achillesferse sind Heizmöglichkeiten, die keinen Strom benötigen. Auf Kohle- und Holzöfen können nur noch 29 Prozent der Haushalte zurückgreifen.

Was die private Vorsorge angeht, ist bei den Menschen in Baden-Württemberg durchaus noch Luft nach oben.
SWP/Allensbach/RaiolaDie Umfrage der Tageszeitungen
Wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Deutschland in den nächsten Jahren in einen Krieg verwickelt wird und wären Sie in solch einem Ernstfall bereit, Deutschland mit einer Waffe zu verteidigen? Auch wie es um den Zivilschutz bestellt ist – und was sich die Bürger an Vorsorge wünschen, das wollten Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer Umfrage, dem BaWü-Check, wissen. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte dazu im April 1.023 Menschen ab 18 Jahren. Sie bilden einen repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen Leserinnen und Leser auf ihren reichweitenstarken Online-Portalen.


