Umfrage BaWü-Check
: Baden-Württemberger blicken mit Skepsis in die Zukunft

Angst vor Jobverlust und wirtschaftlichem Niedergang: Die Mehrheit der Bevölkerung schätzt die Lage im Land pessimistisch ein. Das zeigt der aktuelle BaWü-Check im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage.
Von
Alexander Del Regno
Stuttgart
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Aktenordner stapeln sich: ARCHIV - 29.07.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Akten liegen auf einem Tisch. (Symbolbild) (zu dpa: «Weniger Ämter, weniger Beamte? Kommission legt Ideen vor») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Aktenberge statt digitale Dateien: Kann die Landesregierung Bürokratieabbau? Die Bevölkerung hat da so ihre Zweifel.

Bernd Weißbrod/dpa
  • BaWü-Check: Mehrheit blickt pessimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung im Land.
  • 56 Prozent erwarten die nächsten zwölf Monate mit teils ausgeprägten Befürchtungen.
  • 28 Prozent der Beschäftigten fürchten Jobverlust, vor einem Jahr waren es 19 Prozent.
  • Gründe laut Befragten: hohe Energiepreise, Bürokratie und politische Fehlentscheidungen.
  • 69 Prozent fordern mehr Unterstützung für kriselnde Firmen – elf Prozent sehen genug getan.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Trübe Stimmung im Südwesten: Die Mehrheit der Baden-Württemberger äußert zunehmend Besorgnis und Skepsis mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Das geht aus dem vom Allensbach-Institut erstellten BaWü-Check hervor, den die baden-württembergischen Zeitungsverlage in Auftrag gegeben haben. Demnach sehen 56 Prozent den kommenden zwölf Monaten mit teils „ausgeprägten Befürchtungen“ entgegen, lediglich 30 Prozent zeigen sich optimistisch. Damit sei die Stimmung im Südwesten so schlecht wie seit anderthalb Jahren nicht mehr, schreiben die Autoren der Studie. Zuletzt lag den Angaben zufolge der Anteil der Optimisten im Februar 2025 auf einem ähnlich niedrigen Niveau.

28 Prozent fürchten um ihren Job

Insbesondere die Inflationssorgen und die langanhaltende Schwächephase der deutschen Wirtschaft hätten die Selbstgewissheit und den Zukunftsoptimismus vieler Menschen untergraben, heißt es in der Untersuchung. Mittlerweile fürchten demnach 28 Prozent der Arbeitnehmer in Baden-Württemberg, dass sie ihren Job verlieren könnten. Noch vor einem Jahr hatten nur 19 Prozent Angst um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes.

Die Allensbach-Analyse sieht einen Zusammenhang zwischen wachsenden Arbeitsplatzsorgen und der Überzeugung in der Bevölkerung, dass die Krise mittlerweile die meisten baden-württembergischen Schlüsselindustrien wie die Automobilindustrie oder den Maschinenbau erreicht hat. Die Befragten führen das vor allem auf hohe Energiepreise, die Bürokratie und Fehlentscheidungen der Politik zurück.

Die Mehrheit der Befragten sieht daher die Landesregierung in der Pflicht. 69 Prozent appellieren an die grün-schwarze Koalition, Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind, stärker zu unterstützen. Lediglich elf Prozent meinen, die Landesregierung tue genug für die Betriebe.

Sparmaßnahmen gern, aber nicht in der eigenen Stadt

Die Bevölkerung glaube nicht mehr an eine vorübergehende Schwächephase der Wirtschaft, heißt es im BaWü-Check, das zeige die Prognose der Befragten über die Zukunft der Autoindustrie im Land: Fast drei Viertel rechnen mit einem Bedeutungsverlust der Branche. Nur jeder Fünfte zeigt sich überzeugt, dass der Automotiv-Bereich seine starke Stellung behalten wird.

Entgegen der pessimistischen Sichtweise der Bevölkerung sieht der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) positive Entwicklungen. Nach der Eintrübung im Frühsommer habe sich die Stimmung in den Unternehmen verbessert, hatte der BWIHK am Montag mit Verweis auf seine jüngste Erhebung mitgeteilt. Vor allem die exportstarke Industrie sorge für Auftrieb, auch wenn die Erholung fragil bleibe. Besonders im Maschinenbau und in der Elektrotechnik wachse die Zuversicht, hieß es.

Widersprüchlich äußern sich die Teilnehmer am BaWü-Check zudem in der Frage nach den Konsequenzen, die sich aus dem Reformdruck ergeben. Zwar sieht eine deutliche Mehrheit die Notwendigkeit umfassender Reformen, vor allem des Renten- und Gesundheitssystems, allerdings soll das ohne persönlichen Verzicht oder Belastungen vonstattengehen. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich bei Sparmaßnahmen auf kommunaler Ebene: Sie werden als notwendig erachtet, jedoch nicht in der eigenen Stadt.