Umfrage „BaWü-Check“: Problemwölfe töten? Eine klare Mehrheit ist dafür
Klimaschutz ja, aber nicht mit zu engen staatlichen Vorgaben: Das ist aus Sicht einer Mehrheit der Bevölkerung in Baden-Württemberg der beste Ansatz, um die Klimaschutz-Ziele zu erreichen, ohne die Menschen zu überfordern. Im aktuellen BaWü-Check, der repräsentativen Umfrage im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage, geben 57 Prozent an, der Staat solle in den Bereichen Heizen, Bauen und Sanieren nur einen Rahmen vorgeben, in dem die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden können. Lediglich 15 Prozent finden, dass der Staat sich bei diesen Themen komplett heraushalten soll.
„Die Bürgerinnen und Bürger beklagen derzeit jedoch nicht nur die engen staatlichen Vorgaben, sondern auch den Verlust an Planungssicherheit“, teilt das Institut für Demoskopie Allensbach mit, das die Befragung durchgeführt hat. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung etwa ist verunsichert wegen der Heizungspläne der Regierung – diese knapp 4,5 Millionen Erwachsenen wissen laut Umfrage nicht, wie sie für die Zukunft planen sollen. Etwas mehr als ein Viertel teilt diese Verunsicherung nicht.

Grafik: Peters
Quelle: IfD-Allensbach
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Quelle: IfD-AllensbachDie Umfrage verdeutlicht auch, wie wichtig vielen Menschen in Baden-Württemberg der Naturschutz ist. Trotz Wohnungsnot finden 59 Prozent der Bevölkerung zum Beispiel nicht, dass man Naturschutz-Vorgaben lockern sollte, etwa um schneller neues Bauland erschließen zu können. Eine knappe Mehrheit von 42 Prozent findet es außerdem richtig, ein Bauvorhaben für den Schutz einer seltenen Tierart zu stoppen – 37 Prozent halten das für übertrieben. Fledermäuse, Eidechsen und Juchtenkäfer haben in der Bevölkerung also durchaus eine große Anhängerschaft.
Generell sprechen sich Männer und Frauen in der Umfrage gleichermaßen für den Naturschutz aus. „Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich erst da, wo der Naturschutz in Konkurrenz zu anderen politischen Zielen rückt“, schreiben die Demoskopen: „In diesen Fällen stufen Frauen den Wert des Naturschutzes in aller Regel höher ein, als Männer dies tun.“ Besonders groß ist der Zuspruch der Bevölkerung im Falle des Nationalparks Schwarzwald: 80 Prozent halten es für wichtig, dass es den Nationalpark zum Erhalt der Artenvielfalt gibt. Nur 9 Prozent sind der Meinung, dass Tiere und Pflanzen auch ohne ihn ausreichend geschützt sind.

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Quelle: IfD-AllensbachSehr emotional wird es in Naturschutz-Debatten häufig beim Thema Wolf. Inzwischen gibt es im Südwesten ein sesshaftes Rudel – für viele Landwirte und Landwirtinnen ein Grund zur Sorge, doch die Mehrheit der Bevölkerung blickt relativ gelassen auf die Rückkehr der Wildtiere nach Baden-Württemberg: 47 Prozent sehen die Entwicklung positiv, in den Städten sogar etwas mehr. Doch auch in den Dörfern geht nur jeder Fünfte davon aus, dass die Rückkehr des Wolfs große Risiken mit sich bringt. Zwar reißen Wölfe immer wieder Nutztiere wie Schafe und Ziegen, aber 40 Prozent der Erwachsenen in Baden-Württemberg finden, dass man das akzeptieren muss, weil auch Wölfe ein Lebensrecht haben. 31 Prozent wollen diese Risiken hingegen nicht hinnehmen – sie sehen eine zu große Gefahr für Bevölkerung und Landwirte.

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Quelle: IfD-Allensbach
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Quelle: IfD-AllensbachDie große Akzeptanz des Wolfs im Südwesten endet allerdings an einem Punkt: 56 Prozent finden, dass sogenannte Problemwölfe, die wiederholt Nutztiere gerissen haben, abgeschossen werden sollten. Tatsächlich können die streng geschützten Tiere in Baden-Württemberg in Ausnahmefällen gejagt werden – und zwar dann, wenn ein Wolf in einem relativ engen Zeitraum mindestens zweimal Schutzmaßnahmen überwindet und Nutztiere reißt.
Insgesamt schaut die Bevölkerung nach einem Jahr voller Krisen mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Fast jeder Dritte blickt den kommenden 12 Monaten hoffnungsvoll entgegen, etwas weniger schauen skeptisch auf das nächste Jahr, 27 Prozent mit Befürchtungen. Damit sind weiterhin mehr Menschen optimistisch als im Vorjahr. Die Sorgen der Bevölkerung sind laut Allensbach-Institut zwar nicht kleiner geworden, „aber viele haben sich an den Krisenmodus gewöhnt“.
Für die repräsentative Umfrage hat das Institut für Demoskopie im November und Dezember dieses Jahres 1011 Interviews geführt und ausgewertet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bilden einen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung ab 18 Jahren.
Die Umfrage der Tageszeitungen
Wie zufrieden sind die Menschen in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Landesregierung? Welche Probleme sehen sie – und welche Lösungen? Das wollen die Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer gemeinsamen Umfrage, dem BaWü-Check, genauer wissen. Im Auftrag der Zeitungen befragt das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) viermal im Jahr 1000 Menschen im Land, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen.


