Übergriffe im Fasching: Minister warnt vor K.o.-Tropfen bei Fastnachtsfeiern

Schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit kann dazu führen, dass jemand etwas in den Drink schüttet.
Christian Thiele/dpa- Baden-Württembergs Innenminister Strobl warnt vor K.o.-Tropfen bei Fastnachtsfeiern.
- 2023 gab es 171 Straftaten mit K.o.-Tropfen; 162 Opfer, 129 Frauen.
- Täter nutzen Menschenansammlungen und Alkohol aus, um Opfer wehrlos zu machen.
- Polizei und Weißer Ring empfehlen Vorsichtsmaßnahmen wie Getränke im Auge zu behalten.
- Polizei verstärkt Kontrollen während Fastnacht; warns vor Alkohol und Drogen am Steuer.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die fünfte Jahreszeit steht vor ihrem großen Höhepunkt. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) mahnt Närrinnen und Narren allerdings zu Achtsamkeit auf Umzügen, Feten, Prunksitzungen – und an der Theke. „Kriminelle nutzen unverantwortlichen Alkoholkonsum aus und sind insbesondere im Schutze größerer Menschenansammlungen aktiv“, sagte Strobl. So fänden K.-o.-Tropfen immer wieder den Weg in die Getränke ahnungsloser Opfer. „Dagegen kann man sich wehren. Einfach das Getränk immer im Auge behalten und achtsam sein, wenn wildfremde Menschen einen offenen Drink bringen.“
Erst Mitte Februar hatte die Polizei eine Fastnachtsveranstaltung im Kreis Waldshut vorzeitig beendet, nachdem sechs Menschen über typische Symptome von K.-o.-Tropfen geklagt hatten. Dazu gehören plötzliche Benommenheit, Erinnerungslücken und Übelkeit. Sie waren zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden.
Die Zahl der Fälle steigt
K.-o.-Tropfen haben meist weder Geruch noch Geschmack, machen wehrlos und können schlimme Folgen haben. Trotz öffentlicher Aufmerksamkeit und Präventionsarbeit steigt die Zahl der Fälle. Die Polizei erfasste im Jahr 2023 171 Straftaten im Zusammenhang mit solchen Substanzen, im Vorjahr waren es noch 160, im Jahr 2021 lediglich 98 Fälle. Die Zahl der registrierten Opfer stieg im Jahr 2023 auf 162, davon waren 129 Frauen.
Die Taten laufen überwiegend nach demselben Schema ab: Die Täter schütten die Chemikalien in die Getränke ihrer Opfer. Die Substanzen wirken üblicherweise wie Drogen. Nach einigen Minuten wird den Opfern schwindelig, sie können nicht mehr klar denken und handeln und fühlen sich, als wären sie betrunken. Kurz darauf werden sie für Minuten oder auch mehrere Stunden bewusstlos.
Opferschutzorganisation spricht von hoher Dunkelziffer
Die Täter nutzen diese Zeit für Sexualdelikte oder zum Ausrauben. Die Opfer können sich hinterher häufig nicht mehr richtig daran erinnern. Die meisten K.-o.-Mittel können laut Innenministerium nur für wenige Stunden in Blut und Urin nachgewiesen werden. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring spricht von einer hohen Dunkelziffer.
Die Polizei werde auch dieses Jahr in der närrischen Zeit präsent sein und verstärkt kontrollieren, sagte Strobl. Gerade jüngere Fastnachtsbesucherinnen und - besucher unterschätzten oftmals die enthemmende Wirkung von Alkohol und Drogen. Leider komme es während der Fastnacht auch immer wieder zu schweren und tödlichen Verkehrsunfällen. „Wer sich unter dem Einfluss von Alkohol, Cannabis oder anderen Drogen ans Steuer setzt, riskiert weit mehr als seinen Führerschein.“
Handlungsempfehlungen bei K.o.-Tropfen
Um sich vor der Verabreichung von K.o.-Wirkstoffen zu schützen, rät das Polizeipräsidium Ulm:
- Lassen Sie Flaschen direkt vor Ihren Augen öffnen und an Sie übergeben.
- Schauen Sie (falls möglich) zu, während - Ihr Getränk zubereitet oder eingeschenkt wird.
- Lassen Sie Ihr Glas oder Ihre Flasche nie unbeobachtet.
- Wenn Sie sich unsicher sind: Lassen Sie Ihr Getränk lieber stehen und trinken Sie dieses nicht aus.
- Nehmen Sie keine offenen Getränke von Unbekannten an. Lassen Sie sich dazu auch nicht überreden.
- Hören Sie auf Ihr „Bauchgefühl“: Meiden Sie Personen, die Ihnen „komisch“ vorkommen.
- Wenn Sie sich unwohl fühlen oder Ihnen schlecht wird: Sprechen Sie sofort Freunde, Bekannte oder das Personal an und bitten Sie um Hilfe.
- Zögern Sie nicht, den Ort (Party, Disco) zu verlassen.
- Haben Sie den Verdacht, K.o.-Tropfen zu sich genommen zu haben, vertrauen Sie sich einem Arzt an oder begeben Sie sich direkt in die Notfallambulanz eines Krankenhauses.
- Nehmen Sie dabei aber nicht selbst am Straßenverkehr teil, sondern lassen Sie sich fahren oder abholen.
- Vermeiden Sie es, zu viel Alkohol zu trinken. In entsprechender Menge hat Alkohol ganz ähnliche Wirkung wie K.o.-Wirkstoffe.
- Kümmern Sie sich um Freunde, die zu viel getrunken haben.
- Rufen Sie im Zweifel – zu jeder Tages- und Nachtzeit – den Notruf. Sie erreichen die Polizei über die 110 und die Rettungsleitstelle über die 112.

