True-Crime Podcast „Akte Südwest“
: Folge 37: Drei Tote vor der Disco – die Bluttat vor dem K2 in Heidenheim

PodcastKurz vor Weihnachten 2003 geschieht vor einem Club in Heidenheim das Unfassbare: In einer Rangelei sticht ein 17-jähriger Rechtsextremer zu – und drei Jugendliche sterben. Darum geht es diesmal bei „Akte Südwest“.
Von
rom
Heidenheim
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Jugendliche legen in Heidenheim in der Nähe des Jugendclubs K2 Blumen nieder. Der Dreifach-Totschlag eines 17-jährigen rechtsextremen Jugendlichen hat in der Stadt 2003 Entsetzen ausgelöst.

Thomas Heckmann/dpa, Bearbeitung: Raiola

Es ist eine Rangelei unter Jugendlichen vor einer Disco, wie es sie häufig gibt. Der Türsteher versucht, die Streithähne auseinander zu bringen – und dann geht alles plötzlich ganz schnell. Der 17-jährige Leonhard S. zückt ein Messer, mit gezielten Stichen ins Herz streckt er innerhalb von Sekunden drei andere Jugendliche nieder. Zwei von ihnen sterben direkt am Tatort, der dritte wenig später im Krankenhaus, der Täter flieht zunächst.

Am nächsten Tag ist das Entsetzen in Heidenheim riesig: Menschen legen Blumen nieder und trauern um die Opfer Viktor F. (15), Waldemar I. (16) und Alexander S. (17) – drei junge Menschen, die nach ihrem letzten Schultag wenige Tage vor Weihnachten des Jahres 2003 einfach nur ein bisschen feiern wollten. „So etwas hatte es bis dahin in Heidenheim nicht gegeben“, sagt der Journalist Erwin Bachmann. Das Gefühl, in einer beschaulichen und sicheren Kleinstadt zu leben, sei „über Nacht gründlich erschüttert“ worden. Zumal der Täter ein Neonazi war, und die Opfer Russlanddeutsche – und auch die Frage im Raum stand, wie sehr der rechtsextreme Hintergrund von Leonhard S. eine Rolle spielte.

Hier gibt es die 37. Folge von Akte Südwest

Wie konnte es so weit kommen? Welchen Hintergrund hatte die Tat? Und was ist die angemessene Form der Deutung und des Gedenkens? Darüber spricht in der neuesten Folge des Kriminalpodcasts Moderator Roland Müller mit Silja Kummer aus der Redaktionsleitung der „Heidenheimer Zeitung“ sowie mit Erwin Bachmann, der früher Vize-Redaktionsleiter in Heidenheim war. Beide haben den Fall, der sich in diesem Jahr zum 20. Mal jährt, eng verfolgt.

Wurde der rechtsextreme Hintergrund kleingeredet?

Dabei wirft der Fall nicht nur die Frage auf, wie ein 17-Jähriger derart kaltblütig drei Menschen töten kann und welche Vorgeschichte ihn aus Berlin auf die Ostalb verschlagen hatte: Die Folge blickt auch in die Heidenheimer Jugendszene Anfang der 2000er-Jahre – und beschäftigt sich mit der Frage nach der Deutung der Tat. Denn trotz des „Hasses auf Russlanddeutsche“ des Täters und seiner Verwurzelung in der Neonazi-Szene wurde der Dreifach-Totschlag nie als rechtsextreme Gewalttat eingestuft. Und auch in der Stadt selbst versuchten politische Kräfte, den rechtsextremen Hintergrund kleinzureden.

Dabei habe das Gericht festgestellt, dass „die Tat ohne den ausländerfeindlichen Hintergrund des Täters nie stattgefunden hätte“, wie Silja Kummer im Podcast ausführt. Der damalige Bürgermeister habe die rechtsextreme Szene in der Stadt als „Spruchbeutel“ verharmlost und „wollte dieses Image nicht: Dass die Stadt eine Art braunes Nest sei, in dem es Umtriebe gibt“, sagt Kummer. Dabei sei Heidenheim einst auch eine Hochburg der Republikaner gewesen, wie Bachmann ausführt. Und obwohl der Fall in erster Linie „eine große persönliche Tragödie“ sei, sei es nicht richtig gewesen, dass die rechtsextreme Dimension von offizieller Seite so heruntergespielt wurde, sagt Silja Kummer heute.

Hier gibt es alle Folgen von „Akte Südwest“ zum Nachhören

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