Tödliche Schüsse an Offenburger Schule: Neue Details bekannt: Tatwaffe stammt wohl aus persönlichem Umfeld

Nach dem tödlichen Angriff eines 15-Jährigen auf seinen Mitschüler laufen die Ermittlungen. An der Schule erinnern Kerzen und Blumen an die Tat.
dpa; Collage: BefunkyViele Fragen sind nach dem Tod eines Schülers an einer Förderschule in Offenburg ungeklärt. Nun hat die Polizei weitere Details zur Tat bekannt gegeben. Demnach sollen die Handfeuerwaffe und die Munition aus dem persönlichen Umfeld des Tatverdächtigen stammen. Nach ergänzenden dpa-Informationen kam der Jugendliche wohl zu Hause daran.
Besitz der Waffe rechtmäßig? Ermittlungen laufen
Nach dpa-Informationen handelt es sich bei der Schusswaffe um eine alte Beretta 765. Es sei noch nicht bekannt, ob die Waffe in rechtmäßigem Besitz war oder ob hier nicht ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorliege. Die „Bild“ meldete, es handle sich um ein Erbstück des Opas. Nachdem die Ermittlungen zu dem Fall begonnen haben, wurde auch die Wohnung des Festgenommenen durchsucht. „Hierbei konnten weitere Beweismittel sichergestellt werden, deren Auswertung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird“, sagten die Ermittler.
Auch genauere Details zum Tathergang teilten die Ermittler mit: „Das Opfer wurde nach aktuellem Sachstand von zwei Schüssen getroffen.“ – Nach ergänzenden dpa-Informationen im Kopf. Direkt nach dem Angriff habe der mutmaßliche Täter eine Lehrerin auf den Kopf geschlagen und sie dadurch leicht verletzt.
Mutmaßlicher Täter hatte wohl auch Molotowcocktail
Nach Informationen der Ermittler hätte der Angriff auch durchaus größer sein können, denn neben der Tatwaffe hatte der Schüler auch einen Molotowcocktail dabei. Es sei ein Brandsatz gefunden worden. „Im Zuge der Durchsuchung des Schulgebäudes konnte von den Einsatzkräften der Polizei im Treppenhaus eine Flasche mit mutmaßlich brennbarer Flüssigkeit aufgefunden und sichergestellt werden“, teilten die Ermittler mit. „Inwieweit diese Flasche mit dem Tatgeschehen im Zusammenhang steht, ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen.“
Nach Angriff auf Mitschüler: Vater hält Tatverdächtigen fest
Aufgehalten wurde der Junge nach seiner Tat vom Vater eines unbeteiligten Schülers, der an diesem Vormittag für ein Elterngespräch in der Schule war. Beim Fernsehsender RTL berichtete er: „Ein Junge kam mit einer Pistole. Ich habe ihm gesagt: ,Waffe runter!’“ Dieser habe dann die Waffe weggeschmissen. Danach habe der Mann den Jugendlichen festgehalten, zu Boden gebracht und sich auf seinen Rücken gekniet, bis die Polizei eintraf und den Verdächtigen festnahm. Weiter berichtet der Mann, der mutmaßliche Täter habe gezittert und nicht gesprochen.
Inzwischen sitzt der 15-Jährige wegen Totschlags in Untersuchungshaft. Als Motiv für die Tat komme Eifersucht infrage, hieß es am Freitag.
Seelsorger und Schulpsychologen betreuen Schüler und Angehörige
Einen Tag nach dem Verbrechen fand an der Schule kein Unterricht statt. Stattdessen sicherten die Ermittler weiter Spuren. Außerdem richtete die Polizei eine Sonderkommission mit dem Namen „Mühlbach“ ein. „Zunächst stehen viele sensibel zu führende Vernehmungen von Zeugen an, die es zusammen mit den bereits kursierenden Darstellungen zu bewerten gilt“, teilten die Behörden mit.
Schulpsychologen betreuten unterdessen junge Leute der umliegenden Bildungseinrichtungen, wie das baden-württembergische Kultusministerium mitteilte. Ministerin Theresa Schopper (Grüne) sagte: „Unsere Gedanken sind jetzt bei der Familie und den Angehörigen des Opfers.“ Ein Ereignis wie dieses schlage tiefe Wunden in eine Schulgemeinschaft. Notfallseelsorger verschiedener Hilfsorganisationen waren schon nach der Tat umgehend an Ort und Stelle. Sie betreuten die Kinder, deren Eltern und Lehrkräfte in einer nahe gelegenen Sporthalle.


