Tod von Radfahr-Aktivist: 78-Jähriger soll „Natenom“ trotz Warnweste und Licht übersehen haben

Bei einer Fahrrad-Demonstration für den bei einem Unfall gestorbenen Radaktivisten Andreas Mandalka wurde an der Unfallstelle ein „Ghostbike“ aufgestellt. In sozialen Medien war Mandalka bekannt unter dem Namen „Natenom“. Der Unfallverursacher soll den Radler übersehen haben.
Uli Deck/dpaDer Tod des unter dem Namen „Natenom“ bekannten Fahrradaktivisten Andreas Mandalka, der Ende Januar auf einer Landstraße bei Pforzheim ums Leben kam, nachdem ihn in der Dunkelheit ein Auto angefahren hatte, hatte in der Radfahrer-Szene für große Anteilnahme und Betroffenheit gesorgt. Acht Monate später hat nun das Amtsgericht Pforzheim auf Antrag der Staatsanwaltschaft Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung gegen den mittlerweile 78-jährigen Unfallverursacher erlassen.
Gegen den Strafbefehl in Höhe von 150 Tagessätzen und einem Fahrverbot von zwei Monaten wurde seitens des Angeklagten laut Mitteilung der Pforzheimer Staatsanwaltschaft allerdings bereits Einspruch eingelegt. Bleibt es dabei, kommt es zur öffentlichen Hauptverhandlung.
Radler trotz Licht und Warnweste „gänzlich übersehen“
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Pkw-Fahrer im Vorfeld des Unfalls den Fahrradfahrer, der in gleicher Fahrtrichtung auf der Landstraße zwischen Neuhausen und Schellbronn unterwegs war, trotz guter Sichtverhältnisse aus Unachtsamkeit gänzlich übersehen hat und ungebremst mit einer Geschwindigkeit zwischen 80 und 90 Stundenkilometern auf den Fahrradfahrer aufgefahren ist. „Dabei ist die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass sich der verstorbene Fahrradfahrer im Vorfeld des Unfalls vorschriftsmäßig verhalten hat und insbesondere durch seine Warnweste sowie die eingeschaltete Fahrradbeleuchtung ausreichend für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar war“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde.
Der 43-jährige Andreas Mandalka hatte sich seit Jahren für mehr Radverkehrs-Sicherheit im Straßenverkehr eingesetzt und auf seinem Blog unter dem Namen „Natenom“ regelmäßig Informationen, Fotos, Videos mit gefährlichen Szenen im Straßenverkehr veröffentlicht. In Pforzheim und Umgebung war er als der Mann mit der Schaumstoff-Schwimmnudel als Abstandshalter am Fahrrad bekannt. Weil er mit dem Rad mitten auf der Fahrbahn fuhr, wenn er nicht gefährlich überholt werden wollte, und andere Verkehrsteilnehmer bei der Polizei anzeigte, war er nicht unumstritten. In der Radfahr-Szene war „Natenom“, der Mann mit dem kleinen Elefanten als Markenzeichen, dagegen eine gefeierte und anerkannte Größe. Der Tod des Radaktivisten löste denn auch bundesweit Reaktionen aus. Hunderte Radfahrerinnen und Radfahrer gedachten auch an anderen Orten bei Demonstrationsfahrten des Aktivisten.

