CDU in Baden-Württemberg: Thomas Strobl gibt Vorsitz ab – und schlägt Manuel Hagel als Parteichef vor
Die baden-württembergische CDU steht vor einer personellen Neuaufstellung. Am Montagnachmittag bestätigte der aktuelle Vorsitzende, Thomas Strobl, seinen Rückzug. Der Ehinger Manuel Hagel (35) soll im November Landesvorsitzender werden. Damit gilt der junge Chef der Landtagsfraktion auch als designierter Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl im Jahr 2026 – und damit als ein Favorit auf die Nachfolge von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der angekündigt hat, nicht mehr anzutreten.
Der aktuelle CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl (CDU) kündigte am Montagvormittag nach Gesprächen in verschiedenen Führungsrunden der Partei an, beim anstehenden Parteitag im November in Reutlingen nicht erneut zu kandidieren. Der Druck auf Strobl, seinem früheren Protegé Hagel Platz zu machen, war zuletzt immer höher geworden.
Am Nachmittag meldete sich Strobl selbst zu Wort.
Statement: Thomas Strobl äußert sich zum Rückzug vom CDU-Vorsitz
In einem Statement gab der CDU-Politiker inzwischen seine Beweggründe bekannt. Er betonte den Fokus auf das „Ziel Nummer eins: Stabilität statt Streit“. Nach nunmehr 18 Jahren an der Spitze der CDU Baden-Württemberg wolle er sich am kommenden Parteitag nicht erneut auf das Amt des Vorsitzenden bewerben. Grund dafür sei aber nicht Druck gewesen, sondern die „souveräne Entscheidung“ sei in mehreren Tagen und Wochen intensiver Gespräche und gründlicher Reflexion getroffen worden. Mit dem Vorschlag von Manuel Hagel als neuem Vorsitzenden setze sich die Verjüngung in der CDU fort. Strobl schätze die „tüchtigen, jungen Leute“ seiner Partei.
Hagel wiederum zeigte sich dankbar für die Arbeit des Vorsitzenden. Das Land und er persönlich hätten Strobl viel zu verdanken, der auch in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen habe. Er selbst habe Lust aufs Gestalten und einen persönlichen Beitrag zu leisten.
Auch die Generalsekretärin Isabell Huber betonte die Leistungen von Thomas Strobl: „Das Feld ist bestellt“ betonte sie.
Strobl hat das Vertrauen der Partei verloren, soll aber Minister bleiben
Der 63-jährige Innenminister und Vize-Ministerpräsident des Landes steht der Südwest-CDU seit 2011 als Landesvorsitzender vor, hatte aber zuletzt in hoher Geschwindigkeit das Vertrauen der Partei verloren. Vor zwei Jahren wurde er nur mit 66,5 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Strobl soll aber für den Rest der Legislaturperiode sein Ministeramt behalten. Für die Grünen gilt Strobl in der grün-schwarzen Koalition als wichtiger Stabilitätsgarant.
In der CDU aber hat ihm Hagel, den Strobl selbst 2016 als frisch in den Landtag gewählten Abgeordneten sofort zu seinem Generalsekretär machte, längst den Rang abgelaufen. Viel Koordination läuft inzwischen über ihn und seine Leute. Nach den vielen Wahlniederlagen der vergangenen Jahre setzen viele Konservative ihre Hoffnungen in den ehemaligen Sparkassenfilialdirektor aus Ehingen. Strobl gilt als Mann von gestern, dem zwar Verdienste zugutegehalten werden, vor allem jenes, seine Partei nach der herben Wahlniederlage 2021 in der Regierung gehalten zu haben. Jedoch sieht die Partei in ihm keinen Hoffnungsträger für die Nach-Kretschmann-Ära. Zuletzt stand er auch als Innenminister wegen der Polizei-Affäre stark unter Druck.
In Kreisverbänden gärte es seit Monaten
In mehreren Kreisverbänden und Bezirken gärte es seit Monaten. Eine Mehrheit habe Strobl längst nicht mehr, hieß es zuletzt vielerorts. Hagel stellte intern spätestens Anfang dieses Sommers klar, dass er Strobl an der Parteispitze beerben wolle, um 2026 als CDU-Kandidat nach der Macht im Land zu greifen. Jedoch vermied er das öffentliche Bekenntnis dazu und ging vorsichtig vor, um in den vergangenen 20 Jahren infolge von Machtkämpfen teils zerrüttete Partei nicht erneut zu spalten.
Doch der anfangs sanfte, zuletzt zunehmende Druck zeigte zunehmend Wirkung. Am Montag gab Strobl ihm dann nach.



