Süß oder eklig?: Nutrias breiten sich in Baden-Württemberg aus

Ein Nutria frisst am Rande eines Teiches eine Kastanie. Die Tiere breiten sich auch im Südwesten rasant aus.
Boris Roessler/dpaDie nächste invasive Art breitet sich in Baden-Württemberg rasant aus: Nutrias. Allein die Zahl der im Jagdjahr 2021/2022 erlegten Wildtiere liegt nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bei etwa 3900 Exemplaren – „wobei ein ansteigender Trend deutlich erkennbar ist“. Im letzten Jagdjahr 2022/23 wurden mit 3444 allerdings etwas weniger der Tiere geschossen als im Jahr zuvor.
Was ist ein Nutria?
Nutrias werden auch Biberratte genannt. Es handelt sich um eine Nagetierart aus Südamerika. Die invasive, also eingeschleppte Art ist hierzulande ursprünglich nicht heimisch. Das Tier wird aufgrund der Ähnlichkeit manchmal mit einer Bisamratte verwechselt. Die ursprüngliche Heimat der an Flüssen, Seen, Teichen und in Sümpfen lebenden Nutria ist das subtropische und gemäßigte Südamerika.
In Deutschland tummelt sich das Tier nun nach Angaben eines Ministeriumssprechers zufolge vor allem in der Oberrhein-Ebene, dem Kraichgau und in der Region rund um den Bodensee, wo mildes Klima vorherrscht.

Eine Nutria schwimmt in einem Kanal im Spreewald. Allein die Zahl der im Jagdjahr 2021/2022 erlegten Wildtiere liegt nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bei etwa 3900 Exemplaren.
Lisa Ducret/dpaSchnelle Ausbreitung der Nutrias in Baden-Württemberg
Wie schnell die Ausbreitung vonstattengehe, lasse sich auch an der wachsenden Zahl von Gebieten ablesen, in denen die biberähnlichen Tiere gesichtet worden seien: Zwischen 2006 und 2016 hätten sich die Vorkommensflächen um 81 Prozent vergrößert, heißt es im Wildtierportal Baden-Württemberg. Inzwischen werden Nutrias längst konsequent bejagt.
Nutrias lieben Wärme, profitieren deshalb vom Klimawandel und den milden Wintern und können sich so noch besser vermehren. Gerngesehen sind sie nicht überall: Sie buddeln sich unter Straßen durch, richten große Schäden an Dämmen an oder wühlen sich durch Vorgärten und zerstören damit auch Lebensräume für andere Tiere.
Nutrias verursachen Schäden in der Natur
Nicht jeder ist daher begeistert, wenn er die Tiere in großen Kolonien an Flüssen oder in Parks zu Gesicht bekommt: „Die einen freuen sich über die großen Nagetiere, die sich schnell an den Menschen gewöhnen und sich leicht fotografieren lassen, die anderen sehen diese Ausbreitung und damit verbundene Schäden als kritisch an“, so das Landwirtschaftsministerium.
Viele Gemeinden wie etwa Bruchsal (Landkreis Karlsruhe) warnen davor, die Tiere zu füttern. „Einen Gefallen tun sie damit weder den Wildtieren noch dem Ökosystem Gewässer, das dadurch gehörig aus dem Gleichgewicht gerät“, heißt es auf der Website der Stadt.
Nutria als Nahrungsmittel
Nutrias stehen übrigens traditionell auf den Speisezetteln in Südamerika, und auch hierzulande werden sie kulinarisch entdeckt. „Das Fleisch ist zart und hat ein sehr gutes Fettsäuremuster“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Nina Dohmen. Der Koch Johannes Siemes erläutert: „Nutria ist ein mineralreiches hochwertiges Lebensmittel mit wenig und leicht verdaulichem Fett, praktisch cholesterinfrei und auch gut geeignet für die Diätküche.“ In Meerbusch bei Düsseldorf gab es sogar schon einen Kochkurs für Nutria-Fleisch: Gulasch, Geschnetzeltes in Kirsch-Pfeffer-Sauce, Spieße, Frikadellen, Frühlingsrollen.
