Atomkraftgegner haben angesichts der Debatte um Reserve-Reaktoren auf aus ihrer Sicht gefährliche Risse an Röhren im Kernkraftwerk Neckarwestheim hingewiesen. Bei einer Online-Pressekonferenz (am 22.09. um 11 Uhr) wollen die Anti-AKW-Organisation „.ausgestrahlt“ und der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) erläutern, warum sie rechtlich gegen die Betriebserlaubnis für den Meiler vorgehen.
Die Verhandlung am Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ist für den 14. Dezember anberaumt. Umweltministerium und Betreiber EnBW betonen, dass es keinerlei Sicherheitsmängel an der Anlage gebe. Die Atomkraftgegner warnen dagegen schon seit Jahren vor gefährlichen Rissen in dünnen Rohren. Erst am Montag war bekannt geworden, dass das bayerische Atomkraftwerk Isar 2 wegen eines verschlissenen Ventils repariert werden muss.

Atomkraftgegner befürchten Kernschmelze, wenn Rohre im AKW reißen

Die Anti-AKW-Organisation ausgestrahlt und der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) schrieben zu Neckarwestheim: „Würde auch nur eines der rund 16.000 Rohre aufgrund eines solchen Risses bersten, abreißen oder brechen, wäre dies bereits ein nur schwer zu beherrschender Kühlmittelverluststörfall.“ Dieser könne bis zur Kernschmelze im „Riss-Reaktor“ führen. Der Betreiber EnBW sei Nachweise für Vorkehrungen, um eine Leckage aus den Röhren sicher ausschließen zu können, bislang schuldig geblieben.
Die EnBW wies die Darstellung zurück, der Betrieb des von vielen Seiten überwachten Meilers GKN II sei gefährlich. So habe das Umweltministerium gegen Ende der geplanten diesjährigen Revision im Juni erneut explizit seine Zustimmung zum Wiederanfahren der Anlage gegeben und damit ihre Sicherheit bestätigt.
Über einer Klage von Anwohnern des Meilers im Kreis Heilbronn gegen die Betriebserlaubnis wird der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim ebenfalls am 14. Dezember verhandeln. Das Umweltministerium zeigte sich zuversichtlich, was den Ausgang des Verfahrens angeht. Die Betriebserlaubnis basiere auf eine breiten und auch gutachterlich intensiv aufgearbeitete Tatsachengrundlage. Dies habe der VGH im Rahmen des Eilverfahrens, das der jetzt angesetzten mündlichen Verhandlung im Hauptsacheverfahren vorausging, im Frühjahr dieses Jahres ausdrücklich bestätigt und den Eilantrag abgewiesen.

EnBW: „Alle Rohre sind dicht“

Der Betreiber EnBW hat nach eigenen Angaben im Jahr 2018 mit Erfolg Maßnahmen eingeleitet, um die an nur wenigen Rohrwänden festgestellten Schwächungen auszugleichen. Die in der diesjährigen Revision seien an 35 der rund 16 400 Rohre der vier Dampferzeuger geringfügig verringerte Wanddicken festgestellt worden.
„Alle Dampferzeuger-Heizrohre sind dicht“, betonte der Energiekonzern.
Nach dem Willen Minister Habecks sollen die Meiler Isar 2 und Neckarwestheim 2 von Januar bis April als Notreserve bereitstehen, um Strom zu produzieren, wenn der Winter hart und der Energieverbrauch hoch ist. Nachdem aber Isar 2 nun repariert werden muss und dann nur noch einmal hochgefahren werden kann, ist der Plan auf der Kippe.