Akte Südwest
: Wie zwei Geiselgangster die ganze Republik in Atem hielten

Sie bringen neun Menschen in ihre Gewalt, darunter zwei Polizisten in Stuttgart – und werden durch halb Deutschland gejagt. Das Thema in der neuen Podcast-Folge „Akte Südwest“.
Von
Tanja Wolter
Stuttgart/Hamburg
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen beginnt am Freitag (10.11.1995) vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozeß gegen die Geiselgangster Raymond Albert (links) und Gerhard Polak (Polizeifotos). Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Geiselnahme, erpresserischen Menschenraub und räuberische Erpressung vor. Die beiden Gewaltverbrecher waren im Herbst 1994 aus der Haftanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel ausgebrochen und hatten auf einer Verfolgungsjagd quer durch Deutschland mehrere Geiseln in ihre Gewalt gebracht. (Zu dpa 0168) +++ dpa-Bildfunk +++

Die beiden unkenntlich gemachten Geiselnehmer auf alten Fotografien. Sie waren im Herbst 1994 in Hamburg aus dem Gefängnis ausgebrochen und nahmen in Stuttgart und anderen Orten insgesamt neun Geiseln.

Montage Raiola/Foto: dpa
  • 1994 entkamen Klaus P. und Dirk A. aus einem Hamburger Gefängnis, nahmen in Stuttgart und anderen Orten neun Geiseln.
  • Sie überfielen eine Bank und wurden von Hundertschaften der Polizei und TV-Teams verfolgt.
  • Die Geiselnahme dauerte 40 Stunden, die Täter wollten niemanden verletzen, kümmerten sich um die Opfer.
  • Der Fall wird im Podcast "Akte Südwest" behandelt und beleuchtet auch das Stockholm-Syndrom.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eigentlich heißen Klaus P. und Dirk A. anders, doch weil ihr Verbrechen gut 30 Jahre her ist, sind ihre Namen hier verändert. Ihre echten Namen stehen für eine der spektakulärsten Geiselnahmen in der Geschichte Deutschlands: Ausgehend von Stuttgart, haben die beiden Gefängnisausbrecher im Herbst 1994 auf ihrer Flucht insgesamt neun Menschen als Geiseln genommen, sind dabei durch sechs Bundesländer geirrt, haben nebenbei noch eine Bank überfallen und wurden – einmal entdeckt – von Hundertschaften der Polizei und mehreren TV-Teams verfolgt. Bei ihren ersten beiden Opfern handelte es sich um eine Polizeibeamtin und ihren Kollegen aus Stuttgart, in deren Verkehrskontrolle die Täter zufällig geraten waren.

Es ist ein Fall, der das Zeug zu einem Hollywood-Film hat – nicht nur wegen der filmreifen Verfolgungsjagden auf Autobahnen, Landstraßen und aus der Luft heraus. Sondern weil auch die beiden Hauptfiguren, um die es in unserem neuen True-Crime-Podcast „Akte Südwest“ geht, einem Drehbuch entspringen könnten: Der eine, Klaus P., ein notorischer Krimineller mit langem Vorstrafenregister und dem Ruf eines „Rekordausbrechers“, für den kaum eine Gefängniszelle unüberwindbar war. Der andere, Dirk A., ein ehemaliger Elitekämpfer der Nationalen Volksarmee der DDR, der nach dem Mauerfall ins kriminelle Milieu abrutschte und 1992 als Mörder eines Stuttgarter Kneipenbesitzers verurteilt wurde. Beide konnten drei Wochen vor der Geiselnahme aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Hamburg fliehen.

Um das Wohlergehen ihrer Opfer bemüht

„Sie haben Angst und Schrecken verbreitet, auch Todesangst“, sagt Tanja Wolter, die 1995 als Gerichtsreporterin die Verhandlung gegen die Geiselgangster vor dem Landgericht Stuttgart verfolgte. Im Gespräch mit ihrem Kollegen Moritz Clauß schildert sie aber nicht nur den Ablauf der insgesamt 40-stündigen Geiselnahme, sondern stellt auch die Unterschiede zu anderen „historischen“ Geiselnahmen heraus, Stichwort: Gladbeck 1988. Damals kamen drei Menschen ums Leben, das Verbrechen erschüttert bis heute. Anders in unserem Fall, wo die Geiselnehmer von vornherein wollten, dass niemand zu Schaden kommt – und sich sogar um das Wohlergehen ihrer Opfer kümmerten.

Also zwei Geiselnehmer mit Herz? Das wäre übertrieben, denn psychische Folgen haben fast alle Opfer zumindest vorübergehend erlitten. Die meisten von ihnen wurden massiv von den Männern bedroht, die mit geladenen Schusswaffen und einer täuschend echt aussehenden Handgranaten-Attrappe ausgestattet waren. Und dennoch erzählten die Geiseln später als Zeugen vor Gericht auch Gutes, etwa, dass sich die Geiselnehmer immer wieder entschuldigt und im Fall einer verletzten Geisel sogar Hilfe in einem Krankenhaus gesucht haben – was ihnen verweigert wurde. Letztlich zeigten sich sogar die Richter vom Verhalten der zwei Täter angetan. Die Angeklagten hätten „einen guten Eindruck“ hinterlassen, hieß es bei der Urteilsverkündung.

Hatte dies Einfluss auf die Strafe? Welche Rolle spielten die beiden entführten Polizisten, die nach neunstündiger Irrfahrt freigelassen und gegen neue Geiseln ausgetauscht wurden? Was hat es damit auf sich, dass einer der Polizisten bei der Auswahl der Bankfiliale, die dann überfallen wurde, beteiligt war? Wie konnten die Geiselnehmer gestoppt werden? All das wird in der Podcast-Folge beantwortet. Zudem kommen ein bekannter deutscher Star-Anwalt und das Thema „humaner Strafvollzug“ zur Sprache.

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Akte Südwest - Wahre Verbrechen im Südwesten
Jeden zweiten Mittwoch um 15.00 Uhr
Große Gerichtsprozesse, ungeklärte Fälle, spannende Podcasts und Hintergründe: Alles rund um Verbrechen und "True Crime" im Südwesten.