Der erste Internet-Flirt beginnt meist harmlos, kann aber gerade mit Kontakten über die sozialen Medien schnell böse enden. Der polizeiliche Begriff für die Straftat heißt Sextortion. Täter drohen ihrem Gegenüber mit der Veröffentlichung von Bildern oder Videos mit sexuellem Inhalt. Gefordert werden von den Tätern Überweisungen oder Codes von Geldkarten. Da den Opfern das Thema oft mehr als unangenehm ist, kommt es nicht selten zur Zahlung.

Böses Erwachen für 39-Jährigen

Ein Mann aus Friedrichshafen ist vor Kurzem zum vierten Mal auf diese Masche hereingefallen. Über eine Social-Media-Plattform wurde der 39-Jährige von einer fremden Frau angeschrieben, und nach aufregendem Flirt tauschten sie auch anzügliche Bilder aus. Das böse Erwachen ließ nicht lange auf sich warten – seine Cyber-Partnerin forderte höhere Geldbeträge über Pay-Karten und drohte mit der Veröffentlichung der Bilder im Netz. Die Geschichte des 39-Jährigen ist dabei kein Einzelschicksal – bereits im Jahr 2020 wurden in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen sowie dem Bodenseekreis gesamt 171 Sextortion-Fälle verzeichnet.

Drei gängige Varianten von Sextortion

Die Polizei unterscheidet drei gängige Varianten von Sextortion. In den häufigsten Fällen hatten Täter und Opfer zuvor eine Beziehung, in deren Verlauf Bilder oder Videos mit sexuellem Hintergrund gemacht wurden – nach dem Aus kommt es dann zur Erpressung.
Eine vor allem 2019 und 2020 gängige Masche ist die Erpressung via E-Mail: Die Opfer erhalten eine Nachricht, dass angeblich der Rechner ausgespäht worden sei. Man habe festgestellt, dass die Angeschriebenen auf "Erwachsenenseiten" surfen und über die Kamera habe man dann ein Video mit sexuellen Handlungen der Opfer gefertigt. Um eine Verbreitung zu verhindern, müsse ein bestimmter Betrag gezahlt werden.
Immer häufiger bekommen die potenziellen Opfer auch Freundschaftsanfragen oder Links auf Social-Media oder Dating-Plattformen und nach entsprechendem Kontakt werden sie dann zu sexuellen Handlungen vor der Kamera animiert. Sobald im Video außer der sexuellen Handlung auch etwas zu sehen ist, was auf den Geschädigten schließen lässt, kommt es zur Veröffentlichungsandrohung. Teilweise "bittet" der Erpresser auch um Zahlungen, weil ein Familienangehöriger sehr erkrankt sei und man Unterstützung benötige.

So schützen Sie sich vor sexueller Erpressung:

  • Nehmen Sie keine Anfragen fremder Personen an
  • Seien Sie zurückhaltend bei der Veröffentlichung privater Daten
  • Verschicken Sie keine intimen Foto- oder Videoaufnahmen

Was tun, wenn ich erpresst werde?

  • Niemals Geld überweisen. Die Erpressung hört nach Zahlung der geforderten Summe meist nicht auf.
  • Melden Sie den Fall sofort bei der Polizei und erstatten Sie Anzeige
  • Veranlassen Sie die Löschung der veröffentlichten Bildaufnahmen über den Betreiber
  • Brechen Sie den Kontakt zur betreffenden Person ab und reagieren Sie auf keinerlei Nachrichten
  • Sichern Sie den Chatverlauf, um diesen der Polizei für weitere Ermittlungen zur Verfügung zu stellen