Polarlichter in BW: Seltenes Naturschauspiel am Himmel – Auch in Ulm und der Region?

Polarlichter über Eislingen.
Joey HenselUngewöhnlich helle Polarlichter überzogen am vergangenen Sonntag (05.11.) den Nordhimmel in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies in den nächsten Monaten wiederholt, ist hoch, da die Sonne weiterhin sehr aktiv bleibt. Bereits an diesem Wochenende (11./12.11.) ist die Wahrscheinlichkeit für Polarlichter in der Nacht vom Samstag auf Sonntag wieder erhöht. Björn Goldhausen, Pressesprecher von WetterOnline sagt: „Der aktuelle Sonnenzyklus ist bislang aktiver als erwartet. Er wird im Juli 2025 wohl seinen Höhepunkt erreichen. Es können also noch stärkere Eruptionen folgen, deren Strahlung im Extremfall auch GPS-Satelliten und das Handynetz beeinträchtigen können.“
In welchem Zeitraum und in welcher Region das möglicherweise der Fall sein werde, sei allerdings noch unklar, sagte Carolin Liefke von der Vereinigung der Sternfreunde. Eine genaue Abschätzung sei erst wenige Stunden im Voraus möglich.

Nachthimmel über Häusern bei Höchenschwand im Südschwarzwald.
Steffen SchmidtPolarlichter am Himmel: Auch in Ulm?
Ob auch im Südwesten Deutschlands das Naturschauspiel zu beobachten sein wird, ist also noch unklar. Um Polarlichter beobachten zu können, braucht es möglichst klare Wetterverhältnisse. Über der Mitte Deutschlands, möglicherweise auch im Norden, könnte es in der Nacht zum Sonntag Auflockerungen geben, sagte Tanja Sauter vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Im Südwesten sieht es nicht ganz so gut aus“, betonte die Meteorologin.
Einen Tipp hat Expertin Carolin Liefke dennoch parat: „Man sollte sich nicht unter die nächste Straßenlaterne stellen“, sondern möglichst weit weg von künstlichen Lichtquellen.
Starke Sonnenaktivität sorgt für Polarlichter in Baden-Württemberg
Um die Polarlichter zu sehen, sollte man laut Liefke nach Norden schauen. Mit etwas Glück bekommt man so auch die roten Lichter zu sehen. Generell ist die rötliche Färbung seltener, da sie in großen Höhen entsteht. Doch für Süddeutschland ist das rot typisch. Grünliche Polarlichter, wie man sie unter anderem aus Skandinavien kennt, entstehen laut der Expertin in niedrigeren Höhen. Grund für die derzeit guten Chancen ist eine höhere Sonnenaktivität. Ursache sind Sonneneruptionen, bei denen es zu einem sogenannten koronalen Massenauswurf Richtung Erde kommt, der aus Elektronen, Protonen und Atomkernen besteht, wie die Expertin mitteilte.
So entstehen die Polarlichter
Verantwortlich für die Polarlichter ist die Sonne, die bei Eruptionen Plasma ins All schleudert. Dieses Plasma besteht aus geladenen Teilchen, die als Sonnenwind durch das Weltall in Richtung Erde wehen. Dort treffen sie auf das Magnetfeld unseres Planeten und verformen dieses je nach Stärke des Teilchensturms massiv. Ein sogenannter geomagnetischer Sturm wird entfacht.
Das durch den Sonnenwind deformierte Magnetfeld lenkt die geladenen Teilchen entlang der sogenannten Feldlinien in Richtung Nord- und Südpol ab. Dort treten sie in die Erdatmosphäre ein. Kollidieren sie in der oberen Atmosphäre mit Luftmolekülen, geben sie einen Teil ihrer Energie ab. Dabei werden vor allem Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle ionisiert und so zum Leuchten angeregt.
Leserfotos vom Polarlicht über BW gesucht
Konnten Sie das atemberaubende Naturschauspiel am Himmel fotografieren? Wenn ja, dann schicken Sie uns doch das Bild mit ein bisschen Infos zu Aufnahmeort und Fotograf per Mail an bw-desk@swp.de. Wir sammeln die eingeschickten Polarlicht-Fotos und erstellen nach Möglichkeit eine Bildergalerie aus den schönsten Aufnahmen. Vielen Dank!

Polarlichter über Eislingen.
Joey Hensel