G9-Rückkehr in BW: Beschluss von Grün-Schwarz steht: Landesregierung plant Rückkehr zu G9
Die Gymnasien in Baden-Württemberg sollen perspektivisch wieder flächendeckend auf ein neunjähriges Modell umstellen. Zugleich soll aber neben diesem G9, in einem noch zu bestimmenden Maße, auch weiterhin der achtjährige Weg zum Abitur möglich sein.
Darauf haben sich die Spitzen der Regierungskoalition aus Grünen und CDU am Dienstag geeinigt. „Die Landesregierung ist offen für ein neues G9, das den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird, und startet einen Prozess zur Erarbeitung eines solchen neuen G8/G9-Modells“, teilte das Staatsministerium mit. In diesem Prozess würden unter anderem mögliche Auswirkungen auf die anderen weiterführenden Schularten „und das schulische Gesamtsystem“ berücksichtigt.
Keine schnellen Ergebnisse
Mit schnellen Ergebnissen sei nicht zu rechnen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): „Wir werden jetzt keine Schnellschüsse machen oder einfach zum G9 der 1990er-Jahre zurückkehren.“ Die Regierung werde die Kosten einer G9-Reform und die Folgen für das gesamte Schulsystem „sehr genau im Blick haben“.
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sei beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten. Dieses müsse dann innerhalb der Koalition diskutiert werden. Dazu sei ein Treffen im Januar geplant. Eine Umstellung schon zum kommenden Schuljahr halte er für „so gut wie ausgeschlossen“.
Schopper soll Konzept erstellen
Schopper kündigte an, ihr Haus werde „in den nächsten Monaten“ einen Vorschlag erarbeiten. Beide betonten, die bildungspolitische Priorität der Regierung liege weiter auf dem frühkindlichen Bereich und den Grundschulen. Dort müsse massiv investiert werden. Wer schon mit Defiziten in die Grundschule starte, werde auch später kein G9 besuchen, mahnte Schopper.
Sowohl von den Grünen wie auch aus der CDU kamen Forderungen nach weitergehenden Reformen des Bildungssystems im Land. Dieses benötige „ein echtes Update“, befand Manuel Hagel, Vorsitzender des CDU-Landesverbands und der Landtagsfraktion. „Wir brauchen einen Zukunftsentwurf, der von den Kindergärten und Kindertageseinrichtungen über die Grundschulen bis zu den weiterführenden Schulen reicht“, sagte er.
Die Vorgeschichte
Baden-Württemberg hatte vor knapp 20 Jahren flächendeckend von G9 auf G8 umgestellt, vor allem aus wirtschaftlichen Erwägungen. 2012 hatte man unter öffentlichem Druck Ausnahmen für 44 Modellschulen genehmigt, die fortan G9 anbieten durften.
Der Druck, wieder landesweit zu G9 zurückzukehren, war in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Die Elterninitiative „G9 jetzt“ hatte im November 2022 per Volksantrag einen Gesetzentwurf zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums eingebracht und binnen eines Jahres mehr als 100.000 Unterschriften von Unterstützern gesammelt. Nun muss sich der Landtag mit dem Vorschlag befassen.
Zudem fordert die gesamte Opposition G9, jedoch haben SPD, FDP und AfD im Detail unterschiedliche Zielvorstellungen. Auch die CDU, die gemeinsam mit der FDP vor gut 20 Jahren das um ein Jahr verkürzte G8 eingeführt hatte, positionierte sich in den vergangenen Monaten immer klarer für eine Rückkehr zu G9. Zuletzt riet auch ein von der Regierung eingesetztes Bürgerforum zum neunjährigen Weg zum Abitur, forderte aber ebenfalls eine Neuaufstellung und kein „Zurück zum alten G9“.




Dem Bürgerwillen nachgegeben, den Koalitionsvertrag gekippt – der G9-Zug ist auch in Baden-Württemberg nicht mehr zu stoppen. Doch für die Umsetzung muss Grün-Schwarz ein paar heilige Kühe antasten.