Rätsel um „Zizians“ in den USA: Spur von tödlichem Schusswechsel führt nach Freiburg

Diese Kombo zeigt Fahndungsfotos des Sonoma County Sheriff's office von 2019 von Jack LaSota (von oben l-r), Alexander Leatham, Emma Borhanian sowie Gwen Danielson (unten l-r), Maximilian Snyder bei einer Gerichtsverhandlung und ein Überwachungsvideo des Newport City Inn von Teresa Youngblut. Sie alle sollen zu einer radikalen IT-Sekte gehören.
Uncredited/AP/dpa- Tödlicher Schusswechsel in Vermont nahe der Grenze zu Kanada zwischen Polizei und mutmaßlichen Sektenmitgliedern.
- Gruppe „Zizians“ mit Wurzeln in Freiburg und Berkeley, bekannt für radikale Ansichten.
- Führerin Ziz mehrmals in Konflikt mit dem Gesetz, zuletzt in Maryland festgenommen.
- Verbindung zu mehreren Mordfällen in verschiedenen US-Bundesstaaten.
- Ermittlungen klären Verstrickungen und mögliche Motive.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Fall liest sich wie ein überdrehter Krimi: ein tödlicher Schusswechsel mit der US-Grenzpolizei, Tötungsverbrechen in mehreren Bundesstaaten und eine Verbindung nach Freiburg. Was zunächst wie das dramatische Ende einer Fahrzeugkontrolle aussieht, entpuppt sich als Teil einer Geschichte voller Verstrickungen und Wendungen. An deren vorläufigem Ende steht die Festnahme der mutmaßlichen Anführerin einer sektenähnlichen Gruppe: der „Zizians“.
Aber der Reihe nach.
Ende Januar stoppen Beamte im Bundesstaat Vermont nahe der US-Grenze zu Kanada ein Fahrzeug. Die Insassen stehen laut Gerichtsdokumenten unter Beobachtung, nachdem ein besorgter Hotelangestellter die Polizei alarmiert – die beiden seien verdächtig gekleidet, die Frau bewaffnet.
Die Kontrolle eskaliert: Eine 21-Jährige eröffnet nach Behördenangaben das Feuer, die Polizei schießt zurück. Die zweite, 28 Jahre alte Person aus dem Auto, die laut Polizei ebenfalls eine Waffe zieht, und ein Grenzbeamter sterben bei dem Schusswechsel. Im Fahrzeug finden Ermittler Waffen und Kampfausrüstung.
Wurzeln in Baden-Württemberg
Schnell wird bekannt, dass die getötete Person aus dem Raum Freiburg stammt. Deutsche Behörden bestätigen dies gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, weitere Details bleiben zunächst aber aus. Anfangs ist in Berichten von einem Mann die Rede, doch laut Gerichtsdokumenten gibt die Person sich selbst einen weiblichen Namen. Laut Berichten verschiedener Medien, darunter die Welt und die NZZ, handelte es sich bei der Person um Felix B. aus Freiburg, die sich allerdings inzwischen als weiblich identifizierte, US-Medien nennen den Namen Ophelia B.
In den folgenden Wochen nach der tödlichen Schießerei setzen US-Medien –- darunter der Sender NBC News und die „Washington Post“ – anhand von Polizeiberichten und Gerichtsdokumenten Stück für Stück ein Puzzle zusammen, das es in sich hat. Amerikanische Behörden bringen den Vorfall nahe der Grenze mit mehreren Tötungsdelikten in verschiedenen Bundesstaaten in Verbindung. Das zentrale Bindeglied: eine sektenähnliche Gruppe namens „Zizians“, deren Ursprünge Medienberichten zufolge im kalifornischen Berkeley liegen.
Von Veganismus und Transgender-Themen zu brutaler Gewalt
Die Organisation entsteht demnach 2012 in der Rationalisten-Szene der US-Westküste, einer losen Gemeinschaft von Intellektuellen, die sich vor allem mit Fragen über die Zukunft der Menschheit auseinandersetzt. Aus anfänglichen philosophischen Debatten über Veganismus, Transgender-Themen und Künstliche Intelligenz (KI) formt sich eine Splittergruppe mit zunehmend radikalen Zügen. Inwieweit sich die Gruppe im Laufe der Jahre von den ursprünglichen Idealen dieser Szene entfernt, ist unklar.
Zum mutmaßlichen Anführer entwickelt sich eine Person namens Ziz, die immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Laut NBC News zeigen sich auch Bekannte von Ziz besorgt über deren radikale Ideen. 2019 wird sie bei einem Protest mit drei Anhängern vorübergehend festgenommen. Was in den folgenden Jahren geschieht, fasst NBC News so zusammen: „Dann lief alles aus dem Ruder.“
Todesanzeige in Lokalzeitung
Im September 2022 erscheint eine Todesanzeige in einer Lokalzeitung im Bundesstaat Alaska: Eine Person mit demselben Geburtsnamen wie Ziz sei im August bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen. „Du hast Abenteuer, Freunde und Familie, Musik, Blaubeeren, Radfahren, Computerspiele und Tiere geliebt“, steht dort. „Du wirst vermisst.“
Wenige Monate später greifen drei Menschen im Bundesstaat Kalifornien den übereinstimmenden Medienberichten zufolge einen Vermieter mit einem Schwert an. Der Mann im hohen Rentenalter wird dabei so schwer verletzt, dass er auf einem Auge erblindet. Doch er wehrt sich in der Situation, zieht eine Waffe und erschießt eine der Angreiferinnen – eine Frau, die 2019 mit Ziz festgenommen worden war. Zwei weitere Personen werden angeklagt. Eine davon: ebenfalls eine frühere Mitstreiterin von Ziz.
Schüsse in Pennsylvania
An Silvester 2023 kommt es dann den Medienberichten zufolge im Bundesstaat Pennsylvania zu einem Tötungsdelikt: Ein Ehepaar wird in seinem Zuhause nahe der Stadt Philadelphia erschossen. Schnell gerät deren Tochter ins Visier der Ermittler – und wird später noch eine entscheidende Rolle spielen. Doch die Ermittlungen führen eher zufällig auch zu einer eigentlich Totgeglaubten.
Als die Polizei einen verdächtigen Mann in einem Hotelzimmer festnimmt, machen die Beamten eine unerwartete Entdeckung: Ziz sitzt vor ihnen. Sie wird erneut festgenommen und verbringt mehrere Monate in Haft. Doch in diesem Fall kommt es zu keiner Anklage – gegen niemanden. Ziz kommt wieder auf freien Fuß.
Mordanklage in Kalifornien
Die Monate vergehen. Dann, nur wenige Tage vor dem Vorfall nahe der Grenze, wird der Vermieter in Kalifornien getötet, der zuvor schwer verletzt worden war. Er hätte NBC News zufolge im April 2025 im Prozess gegen die noch inhaftierten Angreifer aussagen sollen. Ein junger Mann wird wegen Mordes angeklagt. Und hier schließt sich der Kreis: Der mutmaßliche Täter hat laut Medienberichten eine Verbindung zu der 21-Jährigen, die wenig später nahe der Grenze die Waffe zieht.
Langsam setzt sich für Ermittler und somit auch für US-Medien ein Bild zusammen. Ziz ist wieder im Fokus der Ermittler. Den vorläufigen Schlusspunkt findet die Geschichte laut US-Medien am vergangenen Wochenende im Bundesstaat Maryland. Ein Mann ruft die Polizei – drei Fremde hätten ihn gebeten, auf seinem Grundstück campen zu dürfen. Sie wirken verdächtig. Was er nicht ahnt: Diese drei sind Teil einer bizarren Kette von Ereignissen, die sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt.
Festnahmen in Maryland
Die Polizei nimmt Ziz fest, ebenso den Mann, mit dem sie einst in einem Hotelzimmer gefunden wurde. Und schließlich die Frau, deren Eltern in Pennsylvania erschossen wurden. Laut Ermittlern spielte sie eine Rolle beim Kauf der Waffen, die nahe der Grenze zum Einsatz kamen.
Wie tief die Verstrickung der drei in die Verbrechen reicht, ob es übergeordnete ideologische Ziele gab oder es sich um eine Eskalation ohne klare Richtung handelte, ist zu diesem Zeitpunkt unklar. All diese Fragen dürften nun Gegenstand intensiver Ermittlungen sein.
