Rätsel um Tiersichtung
: Elch im Schwarzwald jetzt auf Garagendach aufgetaucht

Ein einzelner Elchbulle im Schwarzwald sorgt für Gesprächsstoff – nun gibt es erste Fotos von dem stattlichen Tier. Eine Bürgerin hat bereits eine ganz besondere Begegnung mit ihm gehabt.
Von
dpa ,
Tanja Wolter
Offenburg
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Elch im Schwarzwald

Der im Schwarzwald mehrfach gesichtete Elch ist nun in Oberwolfach erst vor einer Garage aufgetaucht, dann auf das Dach geklettert und schließlich im angrenzenden Wald verschwunden. Eine Anwohnerin hat ihn dabei fotografiert.

Rosi Friske/dpa
  • Ein junger Elchbulle streift durch den Schwarzwald – Sichtung nahe Oberwolfach bestätigt.
  • Wildtierexperte vermutet privates Tier – Heimischwerden in freier Natur nicht ausgeschlossen.
  • Hauptgefahren: Straßenverkehr und Annäherung an Städte, ähnlich wie Elch Emil in Österreich.
  • Elche waren früher in Deutschland heimisch, kamen durch Zuwanderung aus Polen zurück.
  • Schwarzwald-Elch bleibt namenlos – Experte warnt vor emotionalem Hype durch Spitznamen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Elch sorgt im Schwarzwald weiter für Furore und hat Anwohnerin Rosi Friske ein ganz besonderes Erlebnis beschert. Sie hat das imposante Tier direkt vor ihrem Haus in Oberwolfach (Ortenaukreis) fotografieren und filmen können – sogar auf ihrer Garage. Dabei beobachtete sie auch, wie der Elch Bekanntschaft mit einem Elektrozaun an einer Viehweide machte. „Er bekam einen kleinen Stromschlag“, sagte die 76-jährige Rentnerin. Dann sei er „ganz elegant“ über den Zaun gestiegen.

Der Elch war zudem auf das Garagendach an Friskes Haus gelaufen. Das Dach grenzt direkt an einen steilen Hang am Waldrand, sodass er danach mit großen Schritten in den Wald verschwand. „Ein Dressurpferd hätte das nicht besser machen können“, sagte Friske.

Wird der Elch im Schwarzwald heimisch?

Der durch den Schwarzwald streifende Elch wurde in den vergangenen Tagen bereits mehrfach gesichtet – und könnte dort womöglich heimisch werden, sofern er nicht aus menschlicher Obhut stammt. „Wir glauben das zwar eher nicht. Aber wenn es sich tatsächlich um ein wanderndes Tier handeln sollte, dann ist es eigentlich auch kein Problem, wenn es im Schwarzwald bleibt“, sagt der Wildtierbeauftragte des betroffenen Ortenaukreises, Maximilian Lang.

Derzeit sei nur ein Exemplar der in Baden-Württemberg bislang nicht freilebenden Art bekannt. Doch selbst zehn Tiere wären aus seiner Sicht kein Problem, sagt Lang. Aktuell gehe er aber stark davon aus, dass das Tier aus privatem Besitz stamme. Melde sich ein Eigentümer, werde es wohl eingefangen und zurückgebracht.

Straßenverkehr als Gefahr

Handlungsbedarf gebe es ansonsten erst, wenn sich der Elch – wie jüngst der Jungbulle Emil in Österreich – einer Stadt nähere, sagt Lang. Emil war betäubt worden, bekam einen GPS-Tracker und wurde in der Nähe eines tschechischen Nationalparks freigelassen. „Auch beim Straßenverkehr kann es heikel werden“, sagt der Experte. „Aber das Netz im Schwarzwald ist deutlich weniger dicht als in den Ballungsräumen.“ Ganz auszuschließen sei das Risiko eines Wildunfalls jedoch nie.

Zwar könne theoretisch auch Verbiss – also das Abbeißen von Blättern oder Zweigen – ein Problem sein, doch Lang winkt ab: „Bei nur einem oder einigen Elchen stört das nicht. Das ist bei Rehen und Hirschen genauso. Wenn es hingegen Tausende wären, wäre das etwas anderes.“ Selbst eine kleine Elch-Population hält der Wildtierbeauftragte für unproblematisch. „Der Elch würde sich hier definitiv wohlfühlen und vermehren“, ist Lang überzeugt. Voraussetzung dafür sei allerdings ein politischer und gesellschaftlicher Wille.

Langbeiniger Riese: Der Elch unbekannter Herkunft streift im Schwarzwald umher, hier ebenfalls bei Oberwolfach. Das vom Landratsamt Ortenaukreis veröffentlichte Foto ist undatiert.

Landratsamt Ortenaukreis/dpa

Einen Spitznamen? Wildtierexperte winkt ab

Einen Hype um den ungewöhnlichen Besucher gibt es allerdings jetzt schon. Online-Medien berichteten bundesweit über die Tiersichtung. Für den Schwarzwald ist ein Elch tatsächlich ungewöhnlich, in Deutschland leben aber inzwischen wieder einige Exemplare. Nach Angaben des WWF sind diese vor allem im Brandenburg zu beobachten, zugewandert aus Polen. In dem Nachbarland habe sich der Bestand seit einem Jagdverbot erholt. Auch in Tschechien gibt es wieder eine Elchpopulation. Früher waren Elche auch in Deutschland heimisch, sie wurden aber durch starke Bejagung und Verlust ihres natürlichen Lebensraumes ausgerottet.

Der Schwarzwald-Elch ist noch namenlos. Wie wäre es mit einem Spitznamen wie bei der Krake Paul und dem Bären Bruno? Da winkt Lang ab. „Das mach’ ich besser nicht“, sagt er. „Sobald man ihnen einen Namen gibt, wird es emotionaler – und gehypt.“

Der Elch ist die größte und schwerste Hirschart und ist heute vor allem in nordischen Ländern beheimatet. Laut Nabu haben ausgewachsene Tiere eine Kopfrumpflänge von bis zu drei Metern und eine Schulterhöhe von etwa zwei Metern. Die männlichen Tiere haben ein Geweih, womit klar ist, dass es sich bei dem Schwarzwald-Elch um einen Bullen handelt. Sein Geweih ist den veröffentlichten Fotos zufolge allerdings noch klein, es besteht aus zwei Gabeln mit jeweils drei Enden. Es dürfte sich demnach um einen noch relativ jungen Bullen handeln.