Prozess zum Tod von Rouven Laur
: Tödlicher Messerangriff in Mannheim – Plädoyers sollen heute starten

Die tödliche Messer-Attacke auf den Polizisten Rouven Laur in Mannheim hat Deutschland erschüttert. Nun geht der Prozess gegen den Täter Sulaiman A. auf die Zielgerade.
Von
Roland Müller,
dpa
Mannheim/Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Fortsetzung Staatsschutzverfahren wegen Messerangriff: 01.04.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Der Angeklagte Sulaiman A. (r) steht während eines Prozesstages im Staatsschutzverfahren wegen eines Messerangriffes auf dem Marktplatz in Mannheim an seinem Platz. Der zum Tatzeitpunkt 25-jährige afghanische Täter hatte am 31. Mai 2024 auf dem Mannheimer Marktplatz fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa (BPE) sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29-jährige Polizist starb zwei Tage später an seinen Verletzungen. Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Angeklagte Sulaiman A. (r) im Gerichtssaal in Stuttgart. Am Donnerstag sollen die Plädoyers der Staatsanwaltschaft starten.

Marijan Murat/dpa
  • Prozess um tödlichen Angriff auf Polizist Rouven Laur in Mannheim nähert sich dem Ende.
  • Täter Sulaiman A. gestand Tat, Plädoyer der Bundesanwaltschaft für 7. August 2025 erwartet.
  • Sulaiman A. griff 2024 Teilnehmer einer islamkritischen Kundgebung an, tötete Laur mit Messerstichen.
  • Radikalisierung durch Videos aus Gaza und Telegram – Sympathien für IS vermutet.
  • Angeklagtem drohen lebenslange Haft und mögliche Sicherungsverwahrung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seine Tat wurde gefilmt und live im Internet übertragen und schockierte ganz Deutschland: Tausende Menschen haben die tödlichen Stiche gegen den Polizisten Rouven Laur mittlerweile gesehen. An der Schuld des 26-jährigen Afghanen kann also kein Zweifel bestehen. Dennoch dauert der Prozess gegen ihn im Oberlandesgericht Stuttgart-Stammheim mittlerweile sechs Monate an. Nun aber geht das Verfahren auf die Zielgerade: Für den heutigen Donnerstag (7. August 2025) wird das Plädoyer der Bundesanwaltschaft erwartet.

Sulaiman A. ist wegen Mordes an Rouven Laur und fünffachen versuchten Mordes angeklagt. Auf dem Marktplatz in Mannheim hatte er fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung „Pax Europa“ mit dem Messer attackiert. Deren bekannteste Figur, der Islamkritiker Michael Stürzenberger, wurde bei der Attacke schwer verletzt. Als die Polizei eingriff, erlitt Laur die tödlichen Stiche. Sulaiman A. wurde von der Polizei niedergeschossen, überlebte aber.

Videos aus Gaza lösten offenbar Radikalisierung aus

Im Prozess war Sulaiman A. geständig und beschrieb seine Radikalisierung im Internet: „Mit Beginn dieses Gaza-Kriegs hat sich mein Leben verändert“, sagte er vor Gericht. Er habe mehrere Kanäle auf Telegram abonniert, wo er getötete Männer, Frauen und Kinder gesehen habe. „Ich habe jeden Tag geweint.“

Der Bundesanwalt geht davon aus, dass Sulaiman A. Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat hegt. Schließlich sei er zur Überzeugung gelangt, dass es nicht nur legitim, sondern seine religiöse Pflicht sei, vermeintlich Ungläubige zu töten, hieß es. Sein Plan sei es gewesen, Stürzenberger zu töten. Bestätigung für seinen geplanten Angriff habe er von einem angeblichen „Gelehrten“ auf Telegram erhalten.

Als Teenager nach Deutschland gekommen

Der Angreifer war nach Informationen der dpa  2013 als Teenager aus Afghanistan nach Deutschland gekommen und hatte einen Asylantrag gestellt. Der Antrag wurde 2014 abgelehnt. Es wurde allerdings ein Abschiebeverbot verhängt, vermutlich wegen des jugendlichen Alters. Der Täter hatte zuletzt mit seiner deutschen Ehefrau und zwei Kleinkindern im hessischen Heppenheim gewohnt – rund 35 Kilometer nordöstlich von Mannheim. Er war der Polizei vor der Tat nicht bekannt. Seine Ehefrau sagte aus, Sulaiman A. habe sich in den Monaten vor der Tat verändert.

Dem Angeklagten droht für seine Tat eine lebenslange Freiheitsstrafe. Auch eine besondere Schwere der Schuld steht im Raum, die eine Entlassung der Haft nach 15 Jahren ausschließen würde. Ob eine Sicherungsverwahrung im Urteil angeordnet oder vorbehalten werden kann, ist unklar.

Akte Südwest - Wahre Verbrechen im Südwesten
Jeden zweiten Mittwoch um 15.00 Uhr
Große Gerichtsprozesse, ungeklärte Fälle, spannende Podcasts und Hintergründe: Alles rund um Verbrechen und "True Crime" im Südwesten.