Prozess in Heidelberg
: Mutter soll kleiner Tochter gefährliche Keime injiziert haben

Die eigene Tochter absichtlich krank gemacht, um sich als fürsorgliche Mutter zu inszenieren? Das ist der Vorwurf gegen eine 26-Jährige. Ein Experte vermutet das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.
Von
dpa
Heidelberg
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Prozess: Mutter soll kleiner Tochter Keime injiziert haben

Weil sie ihre Tochter über Wochen mit Keimen krank gemacht haben soll, muss sich eine 26-Jährige vor dem Landgericht Heidelberg verantworten. Vor Gericht vertritt sie Verteidiger Friedrich Demandt (rechts).

Anika von Greve-Dierfeld/dpa
  • Eine 26-Jährige steht vor Gericht, weil sie ihrer Tochter absichtlich Keime injiziert haben soll.
  • Verdacht: Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom; Kind litt unter hohem Fieber und Infektionen.
  • Staatsanwaltschaft fordert die Unterbringung der Mutter in der Psychiatrie.
  • Anklagepunkte: Misshandlung Schutzbefohlener und gefährliche Körperverletzung.
  • Prozess läuft bis Juni, 19 Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Weil sie ihre Tochter über Wochen mit Keimen krank gemacht haben soll, steht eine 26-Jährige vor dem Landgericht Heidelberg. Die Mutter soll der damals Dreijährigen laut Staatsanwaltschaft über einen Venenzugang mehrfach Keime injiziert haben. Angaben zur Person und zur Sache wollte die Frau, die auf Krücken in den Verhandlungssaal kam, zum Auftakt des Verfahrens nicht machen, wie ihr Verteidiger erklärte. Die Staatsanwaltschaft will eigenen Angaben nach die Unterbringung der Frau in die Psychiatrie beantragen.

Das Kind bekam laut Anklage durch die injizierten Keime eine Infektion und musste zahlreiche Behandlungen über sich ergehen lassen, darunter eine Knochenmarkpunktion. Außerdem habe das kleine Mädchen unter hohem Fieber, erheblichem Unwohlsein und der Isolation in der Klinik gelitten.

Sachverständige vermuten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Ziel der Mutter sei gewesen, den Gesundheitszustand des Kindes im Sommer 2023 weiter zu verschlechtern, sodass dessen Weiterbehandlung in einer Klinik erforderlich werde. Für bleibende Schäden gibt es laut einem Gerichtssprecher nach Aktenlage aktuell keine Hinweise.

Die Anklage lautet auf Misshandlung Schutzbefohlener und gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft geht von einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung der Mutter aus. Außerdem soll sie unter einer Opioid-Abhängigkeit leiden. Ein Sachverständiger vermutet zudem das „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“. Eltern, die diese Störung haben, machen ihre Kinder absichtlich krank, um Anerkennung zu bekommen und sich selbst als aufopferungsvolle Menschen darzustellen. Ein Fall in Schwäbisch Hall hatte im Jahr 2024 Schlagzeilen ausgelöst.

Kind befand sich in stationärer Behandlung

Das Kind aus St. Leon-Rot (Rhein-Neckar-Kreis) litt der Anklage zufolge über mehr als sieben Wochen an hohem Fieber und befand sich in stationärer Behandlung. Zur Familie gehört noch ein weiteres Kind sowie der Vater. Die Mutter habe alles für die Kinder getan, sagte ihr Lebensgefährte aus.

Für die Misshandlung Schutzbefohlener sowie für gefährliche Körperverletzung lautet der maximale Strafrahmen jeweils zehn Jahre Haft, wie der Gerichtssprecher sagte. In dem Verfahren sind demnach 19 Zeugen geladen, darunter mehrere Ärzte. Zudem werden sich laut Sprecher zwei Sachverständige äußern, darunter ein psychiatrischer Gutachter. In dem Verfahren sind insgesamt sechs Termine bis Anfang Juni angesetzt.

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