Pollen-Saison beginnt
: Warum sich Allergiker über die höheren Temperaturen nicht unbedingt freuen

Kaum kündigt sich der Frühling an, sind immer mehr Pollen unterwegs. Wer Heuschnupfen hat, sollte sich vor allem nachts gut schützen. Online gibt es präzise Vorhersagen.
Von
Daniel Wydra
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Pollenallergie: ILLUSTRATION - 27.03.2020, Bayern, Garmisch-Partenkirchen: Ein Mann mit Heuschnupfen und Taschentuch vor seiner Nase steht neben einem blühenden Strauch. (zu dpa: «Ministerium: Immer mehr Interesse an Infos zum Pollenflug») Foto: Angelika Warmuth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wer Heuschnupfen hat, dem bescheren die Pollen regelmäßig eine verstopfte Nase.

Angelika Warmuth/dpa
  • Frühling beginnt früher, Pollenbelastung steigt in Baden-Württemberg.
  • Rheingraben stark betroffen, Pollen von Hasel und Erle unterwegs.
  • PID und DWD warnen vor steigender Pollenbelastung bei höheren Temperaturen.
  • Allergiker sollten Schutzmaßnahmen wie Pollenschutzgitter und Haarwäsche abends nutzen.
  • Laut RKI leiden 15% der Deutschen an Heuschnupfen, 9% an Asthma.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Offiziell beginnt der Frühling erst in ein paar Wochen, doch er kündigt sich schon Ende Februar immer mehr an. Auf sonnige und frostige Tage folgen zweistellige Temperaturen am Tag. Deshalb sind in Baden-Württemberg schon die ersten Pollen unterwegs – und machen Allergikern das Leben schwer. Besonders stark trifft es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) derzeit den Rheingraben von Basel über Freiburg und Karlsruhe bis nach Mannheim. In den kommenden Tagen könnten auch die Bodenseeregion und der Raum um Stuttgart betroffen sein, weil die Frühblüher wie Hasel und Erle sehr aktiv ihre Pollen verbreiten.

Mit den erwarteten höheren Temperaturen werde der bisher noch stotternde Pollenmotor hörbar anspringen, kündigt die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) in Berlin mit und ergänzt in ihrer Wochenvorhersage: „Ansteigende Belastungen voraus.“ Neben Eiben- und Zypressenpollen erwartet der PID Pollenarten von Ahorn, Pappel und Ulme.

Es wird wärmer – die Pollen mögen das

Zunächst sei bei der Hasel eine steigende Pollenkonzentration auf zumindest mittlere, gebietsweise auch hohe Werte an trockenen Tagen nahezu überall zu erwarten. „In vielen Ecken des Landes steht damit der lang erwartete Höhepunkt der Haselpollen-Saison an“, heißt es weiter. Von Freitag an herrschten nach der Kältestarre der vergangenen Tage auch „Wohlfühltemperaturen für die Erle“ in bundesweit zahlreichen Regionen.

Der Pollenflug wird laut PID und DWD in den kommenden Tagen von Westen und Süden her zudem diverser. Vor allem für Allergiker kann das eine Herausforderung sein. Sie kämpfen bereits mit Symptomen wie Niesen, juckenden Augen und einer verstopften Nase.

Laut DWD ist der frühe Beginn der Saison aber keine Seltenheit. „Das ist recht typisch“, sagt DWD-Experte Lothar Bock. Die Pollen-Saison beginne inzwischen oft schon im Januar oder Februar, in sehr milden Wintern sogar bereits im Dezember.

In den letzten beiden Jahren war es noch schlimmer

Auch beim PID heißt es, der Pollenflug in Deutschland habe wegen der niedrigen Temperaturen deutlich gemäßigter begonnen als in den beiden Vorjahren. Die ersten Pollen von Hasel und Purpurerle seien aber auch schon vor Weihnachten unterwegs gewesen.

Allergikerinnen und Allergikern können sich auf der Website des PID über die aktuelle Wochenpollenvorhersage informieren. Der Deutsche Wetterdienst bietet eine tägliche Pollenbelastungsvorhersage.

Was sind Pollen?

Pollen sind winzige Blütenstaubpartikel, die von Pflanzen wie Bäumen, Gräsern und Kräutern produziert werden, um sich fortzupflanzen. Sie sind eine der Hauptursachen für Heuschnupfen und andere allergische Reaktionen, da sie bei empfindlichen Personen Symptome wie Niesen, juckende Augen, eine laufende Nase oder Atembeschwerden auslösen können.

Kaum mehr Verschnaufpausen

Früher galten die Wintermonate als Verschnaufpause für Allergiker. Mittlerweile beobachten Fachleute, dass sich wegen des Klimawandels beinahe die Zeiten überschneiden, in denen die letzten Pollen der Vorsaison verschwinden und die ersten der neuen Saison auftauchen.

Einer Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge, die allerdings bereits von 2008 bis 2011 stattfand, leiden rund 15 Prozent der Deutschen an Heuschnupfen, knapp neun Prozent an Asthma bronchiale. Während bei Heuschnupfen die oberen Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind, ist es bei Asthma die Lunge: Betroffene haben zum Beispiel Anfälle von Atemnot.

Dem RKI zufolge hat die Häufigkeit allergischer Erkrankungen seit den 1970er Jahren in Ländern mit westlichem Lebensstil stark zugenommen und sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Die Häufigkeit von Asthma steige weiter an.

Das können Betroffene tun

Um eine Pollenallergie in den Griff zu bekommen, können Betroffene etwa Nasensprays, Augentropfen und Tabletten nutzen. An der Ursache setzt eine Immuntherapie an, etwa mit Spritzen oder Tabletten (Hyposensibilisierung). Allergiker sollten sich zudem möglichst wenig den Pollen aussetzen,

  • indem sie Fenster geschlossen halten,
  • vor dem Schlafengehen die Haare waschen
  • und getragene Kleidung außerhalb des Schlafzimmers lagern.
  • Auch mechanische Barrieren wie Pollenschutzgitter an Fenstern können helfen, Pollen aus der Wohnung fernzuhalten.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa.