Polarwirbel-Kollaps
: Schneewinter in Baden-Württemberg?

Weiße Weihnachten in Ulm oder auf den Fildern – die Chancen stehen womöglich gar nicht so schlecht. Das hat mit einem Phänomen über der Arktis zu tun.
Von
mic/red
Stuttgart
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Der Münsterplatz am Montagmorgen nach dem Schnee-Chaos

Schnee am Ulmer Münster im Januar 2026 – wird es in diesem Winter wieder so heftig?

Janina Hirsch
  • Berichte über einen gestörten Polarwirbel wecken Hoffnung auf Kälte – sicher ist das nicht.
  • Eine Störung begünstigt Kaltluft, doch Lage von Hoch und Tief entscheidet über Baden-Württemberg.
  • Für die nächsten zehn Tage ist kein Wintereinbruch in Sicht, eher ab Ende November möglich.
  • Schnee braucht zusätzlich Niederschlag, höhere Lagen wie Schwarzwald haben bessere Chancen.
  • DWD-Daten: Weiß an Weihnachten oft am Feldberg, seltener in Ulm, Stuttgart, Freiburg und Mannheim.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Kältewelle statt Novemberregen – und vielleicht sogar weiße Weihnachten? Berichte über einen möglichen Kollaps des Polarwirbels lassen unter Umständen einen schneereichen Winter erwarten. Doch was bedeutet die Entwicklung für Baden-Württemberg? Die kurze Antwort: Eine Kältephase ist möglich, aber weder Dauerfrost noch Schnee an den Feiertagen sind damit schon vorhergesagt.

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Der Polarwirbel ist ein großräumiges Windsystem hoch oben in der Stratosphäre. Wird er stark gestört, kann das die Wetterlagen weiter unten beeinflussen und Kaltluftausbrüche nach Europa begünstigen. Der Effekt ist jedoch nicht automatisch: Die Störung muss sich erst bis in tiefere Luftschichten fortpflanzen. Selbst dann entscheidet die konkrete Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten, welche Regionen Kälte abbekommen.

Polarwirbel-Kollaps bis Baden-Württemberg?

Eine Polarwirbel-Störung kann also auch Baden-Württemberg erreichen. Ob sie tatsächlich kalte Luft bis in den Südwesten lenkt, lässt sich aus dem Zustand des Polarwirbels allein aber nicht ablesen. Und selbst bei einer Kältephase braucht es zusätzlich Niederschlag, damit Schnee fällt. Auch Meteorologe Dominik Jung mahnt: Eine frühe Störung bedeute nicht automatisch einen kalten Winter, denn oft kehre im Dezember oder Januar eine milde Westlage zurück.

Diese Grafik zeigt den Grund für den Wintersturm und Kälteeinbruch in den USA: Der Polarwirbel (blau) und der Jetstream (hellblau) sind weit nach Süden hin ausgebeult. Die weiße Linie zeigt die Frostgrenze am 26. Januar 2026.

Diese Grafik aus dem Archiv zeigt einen ausgebeulten Polarwirbel in Nordamerika. So eine Konstellation kann sich bis Europa auswirken.

© Mathew Barlow/CC-by 4.0

Für die nächsten zehn Tage ist jedenfalls noch kein Wintereinbruch zu erwarten. Ein Zeitfenster für stärkere Kälteschübe nennen Meteorologen erst für Ende November bis in den Dezember. Andere Prognosen erwarten für die zweite Novemberhälfte eher Wind und Regen, weil sich der Polarwirbel wieder stabilisieren könnte.

Weiße Weihnachten in Stuttgart?

Auch die Höhe spielt eine Rolle: Schwarzwald und Schwäbische Alb haben grundsätzlich bessere Chancen auf Schnee als die tieferen Lagen am Oberrhein oder im Rhein-Neckar-Raum. In Stuttgart kann die Wetterlage schon zwischen Innenstadt und höher gelegenen Stadtteilen unterschiedlich ausfallen.

Daten zeigen, wie stark sich die historischen Chancen innerhalb des Landes unterscheiden. Laut DWD-Statistik lag in den letzten zwei Jahrzehnten an mindestens einem der drei Weihnachtstage mindestens ein Zentimeter Schnee am Feldberg in 95 Prozent der Jahre. Für Ulm werden 40 Prozent genannt, für Stuttgart 20 Prozent, für Freiburg 15 Prozent und für Mannheim 5 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 1991 bis 2020 – sie sagen nicht voraus, wie Weihnachten 2026 wird.

„Super-El-Niño“ 2026/2027: Wie wird der Winter?

Im Übrigen gibt es vom DWD eine Langzeitvorhersage, die für den Winter 2026/27 eher auf überdurchschnittliche Temperaturen hindeutet. Die Vorhersagequalität für Dezember bis Februar ist jedoch gering. Und selbst ein insgesamt milder Winter kann einzelne Frost- und Schneephasen bringen – ob diese ausgerechnet über Weihnachten auftreten, ist immer schwer vorherzusagen.

Eine Rolle spielt dabei auch der mutmaßliche „Super-El-Niño“ 2026/2027. Dieser könnte laut Meteorologen bei uns zunächst zu milden Bedingungen führen und dann für viel Schnee im Spätwinter sorgen. Andere Regionen der Welt müssen dagegen mit Dürre oder Überschwemmungen rechnen.

Kälte in Ulm, Stuttgart und Mannheim?

Eine Störung des Polarwirbels kann Kälte in Europa begünstigen – und damit auch Baden-Württemberg betreffen. Sie garantiert aber weder einen Kälteeinbruch in Ulm, Stuttgart, Mannheim und Co. noch weiße Weihnachten in diesen Städten. Dafür müssen mehrere Faktoren zusammenkommen: Die Störung muss sich nach unten auswirken, die Wetterlage muss kalte Luft heranführen und es muss Niederschlag geben. Erste Hinweise auf die Großwetterlage werden erst im Dezember aussagekräftiger. Ob es an den Feiertagen tatsächlich schneit, zeigt sich meist erst kurz vorher.