Polarlichter: Das seltene Naturschauspiel begeistert weiter

Polarlichter über Metzingen.
Lisa EtzelDank eines außergewöhnlich starken Sonnensturms waren in den vergangenen Nächten über vielen Teilen Deutschlands farbenfrohe Polarlichter zu sehen. Normalerweise sind Polarlichter vor allem in nördlichen Regionen zu sehen. Nach Angaben von Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg hätten die Sichtungen dieses Mal aber in Europa südlich bis zu den Kanaren gereicht, wo das Phänomen — wenn nicht mit bloßem Auge sichtbar — so doch auf Fotos festgehalten werden konnte. „Insofern war das schon sehr, sehr ungewöhnlich“, so Liefke. Die letzten Polarlichter in dieser Stärke habe sie vor über 20 Jahren gesehen.
Farbspektakel an Deutschlands Nachthimmel
An vielen Orten tauchten die Polarlichter den Himmel an dunklen Orten fernab von störender Straßenbeleuchtung in ein buntes Farbenmeer. Der größtenteils wolkenfreie Himmel und die mondlose Dunkelheit schufen fast ideale Voraussetzungen für die Beobachtung der nächtlichen Lichtershow.

Polarlichter über Metzingen.
Lisa EtzelMit einem Trick Polarlichter sichtbar machen
Mit einem Trick könne man das Naturphänomen unter Umständen sichtbar machen: „Normalerweise reicht es, ein Handy auf die Fensterbank zu legen“, hatte Liefke Ende März erklärt. Dann müsse man so lange belichten, wie es geht. Dabei sollte es so dunkel wie möglich sein. Auch eine freie Sicht nach Norden ist wichtig. „Auf dem Foto kommen dann meistens schon die Farben raus“, so Liefke. Und das, obwohl am Himmel gar keine Farben oder nur ein farbloser Schleier zu sehen ist.

Polarlichter über Reutti und Ulm.
Rüdiger DüsingMeist sternenklarer Himmel
Tatsächlich vermeldete die US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) am Samstag, dass das Spektakel noch nicht vorbei sei. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die geomagnetischen Stürme bis zum Wochenende anhalten werden, da mehrere zusätzliche koronale Massenauswürfe auf dem Weg in die äußere Atmosphäre der Erde sind“, so die NOAA.

Polarlichter über Böhmenkirch. Sarah Jahn, Enis Özkan, Emirhan Sadak und Tunahan Günduz, alle zwischen 17 und 18 Jahre alt, haben das Bild in der Nacht auf Samstag (11.05.) aufgenommen: "Wir sind stolz darauf, solch ein faszinierendes Naturphänomen festgehalten zu haben und würden uns freuen, wenn auch andere Menschen die Schönheit der Polarlichter durch unsere Aufnahmen erleben könnten."
privatStärkster geomagnetischer Sturm seit 2003
Diese koronalen Massenauswürfe (CME) oder Sonnenstürme sind die Ursache für die seltenen Polarlichter. Die Stärke eines solchen Sturms wird laut Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in drei fünfstufigen Kategorien angegeben, von denen Kategorie G geomagnetische Effekte beschreibt.
Zum aktuellen Sonnensturm erklärte die NOAA in der Nacht zu Samstag, „G5-Konditionen“ beobachtet zu haben. Diese höchste Stufe sei zuletzt bei den sogenannten „Halloween–Stürmen“ im Oktober 2003 festgestellt worden, welche zu Stromausfällen in Schweden und zur Beschädigung von Transformatoren in Südafrika führten.
Laut Carolin Liefke würden indes G3 oder G4 ausreichen, um Polarlichter mit bloßem Auge bei guten Bedingungen auch bei uns wieder sehen zu können. Auch sie kündigte an, sich auf die Lauer zu legen, um Bilder des seltenen Naturphänomens zu machen.
mit Material von dpa
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