Sexismus-Schmähpreise
: Goldener Gaul geht an den Ex-Polizeiinspekteur!

Zweifelhafte Ehrung für den früheren Polizeiinspekteur bei der zweiten Ausgabe des „Goldenen Gauls“. Der Stuttgarter OB Nopper erhält den Sexismus-Award für sein „Lebenswerk“.
Von
Ulrike Bäuerlein
Stuttgart
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Polizeiuniform: ARCHIV - 30.10.2018, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Uniform der Polizei Baden-Württemberg liegt auf einem Sessel. (zu dpa: «Ministerium verhängt neue Maßnahmen gegen Polizeiinspekteur») Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Unter anderem bekam der ehemalige Polizeiinspekteur den Sexismus-Schmähpreis.

Sebastian Gollnow/dpa
  • Der „Goldene Gaul“-Schmähpreis wurde zum zweiten Mal in Stuttgart vergeben.
  • Andreas R., ehemaliger Inspekteur der Polizei, erhielt den Preis für sexistisches Verhalten.
  • Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper wurde erneut ausgezeichnet, diesmal für sein Lebenswerk.
  • Die Verleihung ist symbolisch und erfolgt ohne objektive Kriterien.
  • Das Event betont den Kampf gegen Sexismus und Patriarchat.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist ein Preis mit G'schmäckle, er wurde in der überschaubaren Stuttgarter Szene des feministischen Netzwerks aus der Taufe gehoben, und die Wählerinnenschaft (und, falls es sie gibt, Wähler) ist wohl keinesfalls repräsentativ für die Landeshauptstadt. Dennoch dürfte schon die Erwähnung auf der Shortlist für den Schmähpreis „Goldener Gaul“, der nun zum zweiten Mal für besonders sexistisches und patriarchalisches Verhalten in der Landeshauptstadt vergeben wurde, keine besonders erstrebenswerte für die Nominierten sein.

An diesem Wochenende wurde der Preisträger der zweifelhaften Trophäe bei einer Show in Stuttgart bekanntgegeben: Der Award für den „Sexisten des Jahres“ in Stuttgart geht 2024 an den früheren Inspekteur der baden-württembergischen Polizei, Andreas R. Der ehemalige Polizeichef habe mit über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen das Rennen gemacht, teilte Lisa Fetzer, Pressesprecherin des „Goldenen Gaul“, mit. „Wer als Inspekteur der Polizei Nacktbilder an Kolleginnen verschickt und sexuellen Kontakt gegen Beförderung anbietet, ist ganz klar ein Sexist, der seine Machtposition missbraucht“, hieß es in der Laudatio am Abend der Awardverleihung. Vergeben wird der Titel von der „Feministischen Vernetzung“, einem Zusammenschluss verschiedener Gruppen aus Stuttgart.

Acht Personen am Pranger

Die Nominierungen konnten aus der Stuttgarter Stadtgesellschaft eingereicht werden, zur Online-Wahl – am „Pranger“ – standen am Ende acht Personen und Einrichtungen, darunter etwa auch Innenminister Thomas Strobl (CDU), dem das Zementieren patriarchalischer Strukturen in der Polizei und das Gender-Verbot für die Verwaltung angelastet wurde, sowie erneut der Preisträger des Vorjahres, der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) – und das, obwohl Nopper 2024 seine erstmalige Teilnahme am CSD in Stuttgart damit erklärte, er sei „reifer, weiser und einsichtiger“ geworden.

Eröffnung 177. Cannstatter Volksfest: 27.09.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Frank Nopper (CDU), Oberbürgermeister von Stuttgart, hebt bei der Eröffnung des 177. Cannstatter Volksfests den Holzhammer für den Fassanstich in die Höhe. Nopper benötigte beim Fassanstich zwei Schläge. Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper bei der Eröffnung 177. Cannstatter Volksfests vor einem Monat. Schon letztes Jahr bekam er den „Goldenen Gaul“, jetzt erhielt er wieder einen Award.

Christoph Schmidt/dpa

Nopper hatte den Schmähpreis 2023 erhalten, weil er Proteste aus Stadtgesellschaft und Gemeinderat gegen die großflächige entwürdigende und anzügliche Darstellung von barbusigen Frauen an Buden und Ständen des Cannstatter Volksfestes als unerheblich abgetan und empfohlen hatte, sich auf wirklich wichtige Themen zu konzentrieren. Auch in diesem Jahr ging Nopper nicht leer aus: Überraschend erhielt der Rathauschef, wiewohl nominell noch bis 2028 im Amt, einen Award für sein – sexistisches – Lebenswerk. Nopper selbst mochte sich auf Anfrage zu dieser zweifelhaften Ehre nicht äußern.

Hopfen und Malz verloren?

Ob die Initiatorinnen des „Goldenen Gaul“ davon ausgehen, dass dieses Lebenswerk bereits vollendet oder sie in der Person Nopper schlicht nur Hopfen und Malz verloren sehen, blieb offen. Die Preisverleihung, hieß es im Vorjahr, sei rein symbolischer Natur; die Vergabe erfolge nicht nach objektiven oder nachprüfbaren Kriterien. Eine ernsthafte Botschaft aber haben sie: „Dank gebührt denjenigen, die die Fälle öffentlich machten und den Frauen, die tagtäglich gegen Sexismus, Patriarchat und andere Formen der Unterdrückung kämpfen“, so Pressesprecherin Fetzer.