Trockenheit in BW: Der Hälfte der Kommunen im Südwesten droht künftig Wassermangel

Noch ist Trinkwasser-Knappheit in Baden-Württemberg selten. Doch das könnte sich in Zukunft ändern.
Marijan Murat/dpa- Bis 2050 droht in Baden-Württemberg rund der Hälfte der Kommunen Wassermangel.
- Grundwasserneubildung könnte je nach Region um bis zu 25 % sinken.
- Bereits heute müssen manche Kreise Wasser sparen oder Versorgungsstrukturen anpassen.
- Masterplan Wasserversorgung soll Engpässe vermeiden, Maßnahmen bis 2050 in Arbeit.
- Landesregierung erhöht Fördermittel für Infrastruktur auf 90 Millionen Euro ab 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mehr Hitze, weniger Flüssigkeit: Bis zum Jahr 2050 wird in Baden-Württemberg je nach Region bis zu einem Viertel weniger Grundwasserneubildung erwartet. Die Landesregierung prüft deshalb die Versorgungsstruktur aller Kommunen. Zwischenfazit nach 25 von 44 Kreisen: Rund die Hälfte müssen mit Defiziten rechnen. „Mehr als die Hälfte der Kommunen wird den Spitzenbedarf an Trinkwasser 2050 nicht decken können“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag.
Schon heute rufen manche Kreise zum Wassersparen auf, um Mangelsituationen zu vermeiden; einzelne mussten ihre Versorgungsstrukturen ändern. Dem Umweltministerium zufolge werden sich Engpässe in Zukunft aber immer schwieriger ausgleichen lassen. Der Fernwasserversorger Bodensee-Wasserversorgung nehme derzeit gar keine neuen Kunden auf, sagte Ministerin Thekla Walker (Grüne) am Dienstag in der Landespressekonferenz.
Bereits jetzt wird die Entnahme von Wasser eingeschränkt
„Wie wir ja alle mit Sorge feststellen können, beschleunigt sich die Erderhitzung und setzt Menschen und Natur unter Druck, auch unsere Wasserversorgung“, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (ebenfalls Grüne). „Bereits jetzt darf nicht mehr überall Wasser entnommen werden, und das wird sich zukünftig noch verschärfen.“ Deshalb sei es wichtig, die Weichen so zu stellen, dass die Wasserversorgung auch in Zukunft für Bevölkerung, Wirtschaft und Landwirtschaft gewährleistet werden könne.
2019 hat die Landesregierung den „Masterplan Wasserversorgung“ auf den Weg gebracht. „Damit sind wir auch als Baden-Württemberg Vorreiter“, betonte Walker. Mit dem Projekt soll in allen 1101 Gemeinden der Zustand der Wasserversorgung erfasst werden. Zugleich werden aber auch Prognosen für das Jahr 2050 erstellt.
Trockenstes Halbjahr seit Beginn der Aufzeichnungen
Walker ergänzte, das erste Halbjahr 2025 sei nicht nur das trockenste Halbjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Daten der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) zeigten auch, „dass die Grundwassersituation am Ende des ersten Halbjahrs 2025 angespannter ist, als es zur Jahresmitte in den beiden historischen Grundwasser-Trockenjahren 2003 und 2018 der Fall war“.
Die Analysen erfolgen in fünf Abschnitten oder „Chargen“. 25 der 44 Kreise im Land haben das Verfahren inzwischen durchlaufen; 2026 soll es abgeschlossen werden. Walker zufolge haben aktuell drei Prozent der untersuchten Kommunen und Versorgungsgebiete ein rechnerisches Defizit, wenn ein mittlerer Verbrauch zugrunde gelegt wird. Bis zum Jahr 2050 wird eine Erhöhung dieses Wertes auf bis zu zwölf Prozent angenommen.
Bei langanhaltender Trockenheit und zu Spitzenverbrauchs-Zeiten hat aber schon heute ein Viertel der Kommunen und Wasserversorgungsgebiete Defizite. Der Ministerin zufolge zeichnet sich ab, dass das bis zum Jahr 2050 die Hälfte der Kommunen betreffen wird. In Nachbarländern wie Frankreich gebe es bereits Einschränkungen für den Bau neuer Häuser oder die Ansiedlung neue Landwirtschaft. „Der Sinn ist, bis 2050 Maßnahmen zu erarbeiten und umzusetzen, damit es nicht so kommt“, sagte Walker. Dazu gehöre auch, unzumutbar hohe Gebühren zu vermeiden.
Der Masterplan soll Kommunen und Wasserversorgern Handlungsempfehlungen für ihre speziellen Situationen bieten, von Verbünden mit Nachbarkommunen über die Optimierung technischer Anlagen bis hin zur Änderung von Bezugsrechten oder Wasserschutzgebieten. „Die Landesregierung erhöht daher die Fördermittel für die Anpassung der Versorgungsinfrastruktur auf knapp 90 Millionen Euro im Jahr 2026“, sagte Walker. 2016 hatte dieser Betrag ihrer Pressestelle zufolge noch bei 13 Millionen Euro gelegen.



