Ein Dutzend Jahre Bauzeit, rund vier Milliarden Euro Kosten: Die Bahn schlägt mit der Neubaustrecke ein neues Kapitel für die Verbindung zwischen Ulm und Wendlingen auf. Mit dem Projekt sind viele Hoffnungen verbunden. Auch im Fahrplan wird sich das eine oder andere ändern.

Wann wird die Neubaustrecke eröffnet?

Freigegeben wird die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 11.11.2022. Feierlich und im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann soll sie bereits am Freitagvormittag, 9. Dezember 2022, eröffnet werden.

Was genau ist die Schnellbahntrasse?

Die Schnellbahntrasse ist die neue Bahnstrecke zwischen Ulm und Wendlingen. An der 60 Kilometer langen Strecke wurde von Mai 2012 an gebaut. Die Trasse verläuft in weiten Teilen parallel der Autobahn 8.

Was sind die Besonderheiten der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen?

Die 60 Kilometer lange Strecke führt durch 12 Tunnel und über 37 Brücken. Außerdem kann sie mit einer Geschwindigkeit von bis 250 Kilometern pro Stunde befahren werden. Auf Wunsch des Landes und der Anliegergemeinden wurde zudem in Merklingen ein Bahnhof an der Strecke errichtet, der im ursprünglichen Projektumfang nicht enthalten war.
Auffälligstes Bauwerk entlang der Strecke ist die 85 Meter hohe Brücke über das Filstal bei Mühlhausen im Täle.

Welche Vorteile soll die Trasse bringen?

Profitieren werden von der neuen Schiene unter anderem Zugreisende zwischen Tübingen, Reutlingen und Ulm. Hier verkürzt sich die Fahrzeit über die Neubaustrecke um bis zu 40 Minuten. Zwischen Ulm und Wendlingen fahren künftig zudem stündlich Regionalzüge mit Tempo 200. In beide Richtungen fährt außerdem einmal pro Stunde ein ICE über die Neubaustrecke. Mit ihr gibt es laut Bahn ein verbessertes tägliches Angebot zwischen Stuttgart und München um rund 20 auf 90 Fahrten.

Wie viele Haltestellen gibt es auf der Strecke?

Zwischen Ulm und Wendlingen gibt es lediglich einen Halt: „Merklingen - Schwäbische Alb“. Allerdings halten dort ausschließlich Nahverkehrszüge - keine Fernverkehrszüge. Dieser Bahnhof konnte erst durch die Schnellbahntrasse realisiert werden.

Wie viel hat die Schnellbahntrasse gekostet?

Während der Planungs- und Bauarbeiten sind die Kosten für das Projekt immer wieder gestiegen. 2009 waren die Planer noch von 2,05 Milliarden Euro ausgegangen. Aktuell kalkuliert die Bahn mit Kosten von rund 4 Milliarden Euro.

Gibt es Kritik an dem Projekt?

Neben den hohen Kosten steht immer wieder auch der Verlauf der neuen Strecke in der Kritik. Vor allem deshalb, weil Züge zwischen Ulm und Wendlingen einen Höhenunterschied von 470 Metern überwinden müssen. Damit sei die Trasse für den Güterverkehr unbrauchbar, bemängeln Kritiker. Auch die langen Tunnel werden als potenzielle Gefahr gesehen.

Warum führt die Strecke nur bis Wendlingen und nicht bis Stuttgart?

Die neue Strecke ist zunächst nur eingeschränkt in den Betrieb der Deutschen Bahn eingebunden. Die Trasse deckt nur einen Teil der geplanten Strecke zwischen Stuttgart und Ulm ab. Je nach Fahrtrichtung wird vor oder hinter Wendlingen erstmal gebremst. Denn wegen der hohen Streckenbelastung zwischen Wendlingen, Plochingen und Stuttgart können die Regionalzüge laut Bahn nicht direkt nach Stuttgart geleitet werden.

Was bedeutet das für Reisende?

In Wendlingen heißt es also „Umsteigen“ für Reisende im Regionalverkehr - sie müssen mit der Neckar-Alb-Bahn weiter. Der Fernverkehr fährt neben der neuen Trasse nach wie vor auch über die bisherige Strecke via Geislingen und Göppingen durch das Filstal. Besserung ist erst in Sicht, wenn das komplette Projekt Stuttgart 21 fertig sein wird - also auch der neue Tiefbahnhof in Stuttgart sowie die Anbindung des Stuttgarter Flughafens und der Messe.

Wie geht es weiter mit der Neubaustrecke?

Das dauert noch: Nach Angaben der Deutschen Bahn soll der neue Stuttgarter Tiefbahnhof mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 in Betrieb gehen. Erst 2027 soll das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm vollständig fertiggestellt sein. Dann geht voraussichtlich der Bahnhof am Stuttgarter Flughafen in Betrieb.