Nachruf
: Alexander Frate überraschend gestorben

Der Tübinger Verleger prägte zusammen mit seiner Frau Elisabeth beinahe drei Jahrzehnte das Schwäbische Tagblatt und bis zuletzt die Neckar-Chronik in Horb.
Von
Matthias Stelzer
Tübingen
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175 Jahre Horber Neckar Chronik, Grillen auf dem Horber Wochenmarkt : Horb (Kreis Freudenstadt)  19.12.2025
175 Jahre Horber Neckar Chronik, Verleger Alexander Frate im Gespraech auf dem Horber Wochenmarkt in der Schillerstrasse. 
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Bis zuletzt ein engagierter und zugänglicher Verleger: Alexander Frate im Dezember 2025 anlässlich des 175. Gründungstags der Neckar-Chronik auf dem Wochenmarkt in Horb.

Markus Ulmer
  • Alexander Frate starb am Montagabend (27. April 2026) überraschend mit 66 Jahren.
  • Er prägte mit Ehefrau Elisabeth fast drei Jahrzehnte das Schwäbische Tagblatt.
  • Bis zuletzt führte er die Neckar-Chronik in Horb – nah am Team und den Leserinnen.
  • Einstieg 1974 als Schüler im Verlag, seit 1986 Geschäftsführer, später Verleger.
  • Als Kärntner galt er als zugänglich und humorvoll, große Trauer bei Belegschaften.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Verleger sind mehr als Unternehmer. Sie sind Persönlichkeiten, die in ihren Verbreitungsgebieten um die im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit kämpfen, sich der publizistischen Kraft ihres Unternehmens bewusst sein müssen. In Tübingen fiel diese Rolle beinahe drei Jahrzehnte der Verlegerfamilie von Elisabeth und Alexander Frate zu.

Bis zum Verkauf des Schwäbischen Tagblatt an die Neue Pressegesellschaft (NPG) zum Jahresende 2023 waren sie das Gesicht und Herz des Tübinger Verlages: Elisabeth Frate Verlagserbin und Verlegerin, Ehemann Alexander Frate geschäftsführender Part der Verlegerfamilie und bis zuletzt Verlagschef der Neckar-Chronik in Horb.

Ein leidenschaftlicher Verlagsmann

1986 trat Alexander Frate als Geschäftsführer in den Verlag ein. Ein leidenschaftlicher Verlagsmann war er schon Jahre zuvor. Ins Tagblatt kam er erstmals 1974, als Schüler. Über seine Schwester, die in Tübingen lebte, kam der Österreicher in die Stadt und zu einem Ferienjob im Verlag. Vier Jahre lang hat er jeden Sommer sechs Wochen beim Schwäbischen Tagblatt gejobbt. 1979, nach der Schule, folgte eine Ausbildung zum Verlagskaufmann beim Zollern-Alb-Kurier in Balingen, 1984 schließlich die erste Festanstellung beim Tübinger Verlag. Vor allem in Horb (Landkreis Freudenstadt) bei der Neckar-Chronik zog Frate als junger Mitarbeiter mit vollem Einsatz, aber auch Humor und einem ordentlichen Schuss sympathischer Gelassenheit ins Berufsleben.

Ein „wunderbares, eingeschworenes Team – vom Zusteller bis zum Redaktionsleiter“ habe er dort kennengelernt und später auch führen dürfen, schwärmte Frate noch, als er 2025 nach dem Verkauf der Medienholding Süd (unter anderem Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Schwarzwälder Bote) an die Neue Pressegesellschaft wieder Verleger der Neckar Chronik wurde.

Ein Team, das zusammen anpackt und sich nach getaner Arbeit zu einem Glas Wein zusammensetzt, das passte in die Welt des gebürtigen Kärntners. Alexander Frate lebte, was man den Menschen im südlichen Bundesland Österreichs zuschreibt. Sie gelten als besonders herzlich und gastfreundlich. Und man sagt ihnen eine lockere, entspannte Lebensart nach, die Arbeit und Freizeit verbindet. Aber auch ein großes Traditionsbewusstsein und eine – zuweilen als schroff empfundene Ehrlichkeit.

Österreichischer Schmäh in Tübingen

Herz, Humor und Haltung – diese Attribute zeichneten auch den am 17. Oktober 1959 in Villach geborenen Alexander Frate aus. Die aufgeregte Strenge und Wichtigkeit, die die Universitätsstadt Tübingen zuweilen ausstrahlt, lag ihm nicht. Der lebhaften Debattenkultur der Studentenstadt und ihrem alternativ geprägten Alltag begegnete er deshalb immer wieder mit seinem österreichischen Schmäh. Nicht respektlos, aber spitz, oder zumindest mit einem Augenzwinkern.  „Mach ka gschistegschaste“, wird sich Frate – in seinem Heimatdialekt formuliert – in solchen Momenten gedacht haben. Übersetzt etwa: Macht doch keinen solchen Wirbel. Jedenfalls ein Aufruf zur Gelassenheit.

Auch den Wirbel um sich selbst, seine Person und Position, vermied Alexander Frate. Ihm lag es fern, sich als Verleger in den Mittelpunkt der Tübinger Stadtgesellschaft zu drängen. Diese Rolle überließ er anderen,  bis zu dessen Ausscheiden (2004) beispielsweise seinem Mitgesellschafter und Mitgeschäftsführer Christoph Müller.

Engagierter Lokalverleger bis zuletzt

Je 50 Prozent der Verlagsanteile hatten Müller und die Familie Frate bis dahin gehalten. Müller verkaufte seine Anteile und zog nach Berlin. „Die Frates“ blieben und repräsentierten fortan das Schwäbische Tagblatt (mit Rottenburger Post und Steinlach Bote) sowie die Neckar Chronik  – als Mehrheitsgesellschafter an der Seite der Neuen Pressegesellschaft, die nach dem Müller-Abgang und bis zum vollständigen Kauf der Geschäftsanteile mit 49 Prozent am Tübinger Verlag beteiligt war.

Zuletzt war Alexander Frate als Eigentümer und Geschäftsführer der Neckar-Chronik also wieder dort, wo sein Verlagsleben begann. Nah an seinem Team und wie eh und je engagiert um Leserinnen und Leser für seine dortige Zeitung und ihr Online-Angebot kämpfend. Zupackend und humorvoll. Einfach ganz und im besten Sinne Lokalverleger.

Am Montagabend (27.April 2026) wurde Alexander Frate überraschend im Alter von nur 66 Jahren aus diesem Leben gerissen. Die Neue Pressegesellschaft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Horb, Tübingen, Rottenburg und Mössingen trauern mit Ehefrau Elisabeth Frate, den Kindern und Enkeln.