Nach Streit mit Merz
: Trump will Truppen abziehen – auch an Stützpunkten im Südwesten?

Das Verhältnis zwischen Kanzler Merz und US-Präsident Trump galt lange Zeit als gut. Jetzt ist Trump sauer auf den Kanzler – und kündigt an, US-Truppen abzuziehen. Das würde auch Baden-Württemberg betreffen.
Von
Roland Müller,
dpa
Berlin/Stuttgart
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USA erwägen Truppenreduzierung in Deutschland: 30.04.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Schild weist auf den Haupteingang der US-Kaserne «Patch Barracks» hin. In diesem befindet sich auch das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (US European Command (EUCOM)). Die USA prüfen nach Aussage von Präsident Trump eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Foto: Enrique Kaczor/onw-images/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Haupteingang der US-Kaserne „Patch Barracks“ in Stuttgart-Vaihingen. In diesem befindet sich auch das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (US European Command (EUCOM)). Die USA prüfen nach Aussage von Präsident Trump eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland.

Enrique Kaczor/onw-images/dpa
  • US-Präsident Trump prüft laut eigener Aussage eine Truppenreduzierung in Deutschland.
  • Anlass sind seine Angriffe auf Kanzler Merz, der die US-Strategie gegen den Iran kritisierte.
  • Betroffen wären auch Standorte in Baden-Württemberg – mit Schwerpunkt im Raum Stuttgart.
  • In Deutschland sind rund 39.000 der etwa 86.000 in Europa stationierten US-Soldaten.
  • Biden stoppte frühere Abzugspläne, Merz betont trotz Spannungen ein gutes persönliches Verhältnis.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die USA prüfen nach Aussage von Präsident Donald Trump eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung solle in Kürze getroffen werden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

Die Ankündigung folgt auf Trumps deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, hatte Trump am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden geschrieben. Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“. Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe für die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann allerdings nach seinem Amtsantritt.

Tausende Arbeitsplätze hängen an US-Stützpunkten

Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.

Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt, daneben hängen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Tausende weitere Arbeitsplätze von den US-Truppen ab.

In Baden-Württemberg sind – nach der Schließung der Standorte in Heidelberg und Mannheim in den 2010er-Jahren – mittlerweile nahezu alle Einrichtungen der US-Streitkräfte im Großraum Stuttgart konzentriert. Dazu gehören als wichtige Einrichtungen:

  • die Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen – hier sitzt das US-Oberkommando (USEUCOM oder EUCOM) für Europa, das einsatzbereite Streitkräfte vorhält und auch ein wichtiger Pfeiler für die europäische Sicherheit im Rahmen der Nato ist.
  • die Kelley Barracks in Stuttgart-Möhringen sind der Standort des Afrikanischen Kommandos der USA (AFRICOM).
  • die „Panzer Kaserne“ Böblingen, ist Hauptquartier der US Marine Corps Forces Europe, seit den 90er-Jahren sind hier unter anderem US-Spezialkräfte („Green Berets“, „Navy Seals“) stationiert waren. Im März wurde vom Pentagon aber der Abzug der Spezialkräfte nach Rheinland-Pfalz angekündigt.

Insgesamt sind in der Region Stuttgart mehr als 20.000 US-Militärangehörige, Zivilisten und Angehörige stationiert. Ein Indiz, dass es Stuttgart treffen könnte, liegt nahe: Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit angeordnet, die Stuttgarter Kommandozentralen für Europa und Afrika abzuziehen und nach Belgien zu verlegen. Als Biden die Pläne nach der gewonnenen Wahl stoppte, reagierten Politiker in Baden-Württemberg erleichtert.

Im Nachbarland Rheinland-Pfalz ist der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern bedeutend; eine der größten US-Militärgemeinden außerhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem Stützpunkt entsteht zurzeit das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

Dutzende große US-Militärstützpunkte in Europa

In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte, die bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – von enormer Bedeutung sind. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt. In Deutschland gibt es neben dem Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart.

Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, demzufolge die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen darf. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.

Merz berichtete über angebliche Zusage Trumps

Noch im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. „Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe“, sagte der CDU-Vorsitzende in Washington nach einem Treffen mit Trump.

Angesichts der kritischen Grundhaltung Trumps gegenüber den Europäern als langjährigen Verbündeten war zuvor spekuliert worden, dass der Präsident US-Soldaten auch aus Deutschland abziehen könnte. Ob Trump zusagte, dass das US-Kontingent auch in voller Truppenstärke erhalten bleibe, sagte Merz nicht.

Im Sommer vergangenen Jahres – bei einem früheren Besuch des Kanzlers in Washington – machte Trump Deutschland Hoffnung, die Zahl der dort stationierten US-Soldaten nicht zu reduzieren. Auf die Frage einer Reporterin, ob er die US-Truppen in Deutschland belassen werde, sagte er: „Ja, wir werden darüber reden.“ Wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. „Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem.“

Wie es um das Verhältnis von Merz und Trump bestellt ist

Nimmt man Trumps jüngste Äußerungen zum Maßstab, scheint das persönliche Verhältnis zu Merz an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck am Mittwoch entgegen. „Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut“, sagte er. „Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.“

Warum Merz die US-Regierung kritisierte

Über Monate pflegten der Bundeskanzler und der US-Präsident ein recht gutes Verhältnis zueinander. Zuletzt stimmte Merz allerdings einen neuen Ton an und kritisierte die Regierung in Washington öffentlich. So warf er ihr vor, keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg zu haben. „Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“, sagte er bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland.

„Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen“, sagte der Bundeskanzler weiter. Die Amerikaner seien im Iran „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“. Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. „Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln“, sagte Merz. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“

Trump ist auch auf andere Europäer nicht gut zu sprechen

Merz ist nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Zuletzt krachte es nach der Kritik des US-Präsidenten am Papst sogar zwischen ihm und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.