Mord an Doppelgängerin?
: „Sie war die perfide Planerin ohne jede Gnade“

Eine junge Frau, die per Instagram eine Doppelgängerin sucht – und sie töten lässt, um selbst unterzutauchen. Der Plot klingt bizarr, doch die Anklage ist weiter davon überzeugt. Und fordert die Höchststrafe.
Von
Patrick Guyton
Ingolstadt
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Doppelgängerin-Mordprozess: ARCHIV - 16.01.2024, Bayern, Ingolstadt: Eine angeklagte Frau kommt zum Mordprozess um die Tötung einer Doppelgängerin. Die Frau und ein Mann müssen sich vor dem Ingolstädter Landgericht verantworten, weil sie gemeinsam eine der Angeklagten ähnlich sehende 23-Jährige umgebracht haben sollen, damit die angeklagte Frau untertauchen kann. (zu dpa: «Staatsanwalt: Angeklagte gehen über Leichen») Foto: Cornelia Hammer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Angeklagte Schahraban K kommt zum Mordprozess in Ingolstadt.

Cornelia Hammer/dpa
  • In Ingolstadt fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für Schahraban K. und Sheqir K.
  • Die beiden sollen 2021 die 23-jährige Khadidja O. ermordet haben.
  • Schahraban K. suchte über Instagram nach Doppelgängerinnen, um ihren eigenen Tod vorzutäuschen.
  • Sheqir K. stach über 50 Mal auf das Opfer ein; die Tat dauerte neun Minuten.
  • Nächste Woche könnten weitere Verzögerungen im Verfahren auftreten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Ingolstädter Doppelgängerinnen-Mordprozess verlangt die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe. Für die Angeklagten Schahraban K. und Sheqir K. forderte Staatsanwältin Kristina Dirnberger am Donnerstag jeweils lebenslängliche Haft sowie die Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld. Damit würden die beiden auch nach 15 Jahren Gefängnis nicht die Möglichkeit haben, entlassen zu werden.

Als erwiesen sieht es die Staatsanwältin an, dass die beiden heute 25-Jährigen ihr Opfer Khadidja O., zur Tatzeit im August 2021 war diese 23 Jahre alt, in einem Wald in Eppingen bei Heilbronn gemeinschaftlich ermordet haben. Mit dem Leichnam sollen sie im Auto von Schahraban K. dann nach Ingolstadt gefahren sein und den Wagen abgestellt haben.

War das so? Und warum? Nach zehn Monaten Beweisaufnahme macht die Staatsanwaltschaft keinerlei Abstriche von ihrer Anklage. Schahraban K., eine deutsch-irakische Betreiberin eines Beauty-Salons, habe auf sozialen Plattformen akribisch und mit mehreren Handys nach jungen Frauen gesucht, die ihr ähnlich sehen – um sie zu ermorden, damit „den eigenen Tod zu inszenieren und ein neues Leben zu gewinnen“, so Dirnbacher.

Auf Instagram einen Typ Frau gesucht – nämlich ihren

Auf ihren Accounts hätten die Ermittler regelrechte „Anwerbungswellen“ festgestellt, 24 Anschreiben in ganz kurzer Zeit alleine auf Instagram – an immer den gleichen Typ Frau, nämlich ihren. Eher klein, schlank, langes dunkles Haar, braune Augen, nicht tätowiert, dunklere Haut. Wer nicht passte, den ließ Schahraban K. sofort wieder fallen. Khadidja O. schließlich wurde vom Versprechen einer kostenlosen Laserbehandlung gelockt – obwohl K. gar kein Lasergerät hatte.

„Sie war die perfide Planerin ohne jede Gnade“, sagt die Staatsanwältin. Und ihr Mittäter K. habe sich „zu ihrem Werkzeug machen lassen“. Sheqir K. hat zweifelsfrei zugestochen, mehr als 50 Mal wie in einem Blutrausch in Brust, Hals und Rücken der jungen Frau. Durch die massiven Organverletzungen verblutete O. Ganze neun Minuten hatte die Tat gedauert. Und Schahraban K., so die Staatsanwältin, „überwachte es persönlich“.

Gegenüber Freunden hatte sie im Vorfeld beklagt, dass ihre Eltern sie überwachten. Ihren geschiedenen Mann wollte sie zurück, doch der verweigerte sich, war er zuvor doch von ihr mehrfach brutal körperlich attackiert worden. Zeugen sagten, sie habe geäußert, dass sie „bald weg sein, frei sein“ werde. Sie sprach von einem „großen Plan“, werde „kranke Sachen machen“. Kurz vor der Tat hatte sie einen gepackten Koffer und Reisedokumente bei Sheqir K. abgestellt.

Diesen hält die Staatsanwaltschaft für eine eher schlichte Persönlichkeit. Schahrahban K. habe in ihm einen Komplizen gefunden, „der sich die Hände schmutzig macht“. Sein Motiv? Da bleibt die Anklage vage. Entweder sie habe ihn innerhalb der ganz kurzen Zeit, die sie sich erst kannten, um den Finger gewickelt, und er hat sich in sie verliebt. Schahraban K. jedenfalls habe eine „manipulative Persönlichkeit“. Oder dem Mann, einem Kosovaren, wurde Geld geboten.

Der Geschichte, die Schahbaran K. vor Gericht berichtete, schenkt die Anklage keinerlei Glauben. In einer Aussage mit vielen Lücken hatte sie erzählt, dass sie bei der Tat zwar dabei gewesen, aber alles von Sheqir K. ausgegangen sei. Sie sei von dessen Handeln entsetzt gewesen und habe noch versucht einzuschreiten.

„Ein unschuldiges, junges Leben wurde gezielt vernichtet“

In diesem Verfahren gibt es keinen zwingenden Beweis – kein Geständnis (Sheqir K. hat bis zum Schluss komplett geschwiegen), keine Aufnahmen oder Ähnliches. Die Staatsanwaltschaft versucht, die Indizienkette so eng wie möglich zu schnüren und damit zu zeigen, dass es nicht anders hätte sein können. So hat Schahraban K. laut einem Bekannten nach der Tat gesagt, sie sei „jetzt am Arsch“ und ihn nach einem Pass gefragt. Einem anderen Freund hätte sie gesagt, wegen ihr sei ein Mädchen gestorben. Sheqir K. soll gemeint haben, man habe „den Tod von einem Mädchen vortäuschen“ wollen. Für Staatsanwältin Dirnberger jedenfalls ist klar: „Ein unschuldiges, junges Leben wurde gezielt vernichtet.“

Ob kommende Woche die weiteren Plädoyers folgen, ist unklar. Denn zum Ende des Verhandlungstages zeichnen sich weitere Verzögerungen ab. Die Verteidigerteams erwägen trotz Schließung der Beweisaufnahme weitere Anträge. Denn der Richter hatte sie darauf hingewiesen, dass die Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld und sogar eine Sicherungsverwahrung nach Abbüßen einer Strafe im Raum stehen.

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