Messerattacke in Tübingen: Tübinger Gemeinderat kritisiert Palmer-Aussagen heftig

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer steht nach Aussagen zur einer Messerattacke unter Kritik.
Christoph Soeder, dpaSeine Aussagen nach der tödlichen Messerattacke im „Alten Botanischen Garten“ in Tübingen haben Oberbürgermeister Boris Palmer heftige Kritik eingebracht. Nachdem ein 27-Jähriger am Donnerstag, 23.03., einen 23-Jährigen im Alten Botanischen Garten erstochen haben soll, sprach Palmer in einem langen Post auf seiner Facebookseite von einem Verbrechen im Drogenmilieu. Ob die Tat mit Drogenkriminalität in Verbindung steht, war zu diesem Zeitpunkt jedoch völlig unklar. Die Polizei hatte erst die Ermittlungen aufgenommen.
Heftige Kritik an Aussage von Boris Palmer
Am Donnerstagabend hatte sich der Tübinger Gemeinderat mit den Aussagen Palmers beschäftigt - auf Antrag der SPD. Die Reaktionen fielen zum Teil heftig aus, mit Kritik wurde nicht gespart. SPD-Sprecher Martin Sökler etwa nannte Palmer einen „Wiederholungstäter“, das berichtet der SWR. Gitta Rosenkranz (Linke) bescheinigte Palmer, eine Grenze überschritten zu haben, „weit über die Toleranz hinaus“. Andere Gemeinderats-Mitglieder nannten die Aussagen ihr Stadtoberhauptes „pietätlos“, „rassistisch“ oder „empathielos“.
Bereits vor der Sitzung am Donnerstagabend hatte sich Palmer selbstkritisch gezeigt und zum Teil Fehler eingeräumt. So hatte er gegenüber dem SWR gesagt, dass er der Trauerphase zu wenig Raum gegeben habe. Er betonte, wenige Tage später, dass die Debatte besser und konstruktiver hätte verlaufen können. Den Vorwurf des Rassismus halte er aber für ungerechtfertigt.
Der Oberbürgermeister bleibt jedoch bei seiner Aussage, dass die Drogenszene die Ursache des Angriffs mit dem Messer war. Viele Menschen in Tübingen würden sich fragen, wie es dazu kommen könne, dass am helllichten Tage in der Stadt ein Mensch getötet werde, so Palmer.

