Meisterschaft in Ludwigsburg
: Wie züchtet man eigentlich Riesenkürbisse?

Die schwersten Kürbisse Europas werden alljährlich in Ludwigsburg gewogen. Mittlerweile bringt ein Gewinner mehr als 1000 Kilogramm auf die Waage. Wie geht das?
Von
Martin Oversohl, dpa
Ludwigsburg
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Europameisterschaften im Kürbiswiegen: ARCHIV - 08.10.2023, Baden-Württemberg, Ludwigsburg: Riesenkürbisse liegen bei der Europameisterschaft im Kürbiswiegen zum Wiegen bereit. Die Europameisterschaft im Kürbiswiegen findet stets im Rahmen der Kürbisausstellung in Ludwigsburg statt. Die Kürbisausstellung läuft noch bis zum 3. November. (zu dpa: «Wie aus einer kleinen Saat Europas schwerster Kürbis wird») Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Europameisterschaft im Kürbiswiegen findet stets im Rahmen der Kürbisausstellung in Ludwigsburg statt.

Christoph Schmidt/dpa

Groß, größer, am größten heißt es für Kürbiszüchterinnen und Kürbiszüchter aus ganz Europa an diesem Wochenende in Ludwigsburg. Zur Europameisterschaft im Kürbiswiegen reisen sie alljährlich mit schwerem Gepäck, um sich im Kampf um den Titel buchstäblich zu messen. Im Saisonfinale wurden am Sonntag in Ludwigsburg unter anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich, Ungarn, Italien und Deutschland erwartet – mit Kürbissen, die nicht selten über eine Tonne Gewicht auf die Waage bringen.

Aber wie wird ein Kürbis so groß? Ist da Doping im Spiel? Und was geschieht nach dem Wiegen mit dem Fruchtgemüse? Der amtierende Deutsche Meister Matthias Würsching verrät seine Tricks.

Was unterscheidet den Riesenkürbis vom Kürbis am Marktstand?

Riesenkürbisse (Cucurbita maxima) sind in der Familie der Kürbisgewächs eine eigene Pflanzenart, bei der es vor allem um eines geht: um die Größe. Zu dieser Sorte gehört der „Atlantic Giant“, der im Normalfall 25 bis 50 Kilogramm schwere Früchte ausbildet und mit dem auch die Weltrekorde erzielt werden. Geerntet werden die riesigen Exemplare im September und Oktober. Sie haben zwar einen hohen Wasseranteil, aber trotzdem festes Fruchtfleisch in gelboranger Farbe.

Wer ist Weltrekordhalter?

In Ludwigsburg geht es zwar nur um den Titel des Europameisters. Aber natürlich will jeder Züchter auch den Weltrekord knacken. Der aktuelle Rekord dieses volkssportähnlichen Gartenspaßes liegt bei 1247 Kilogramm. So schwer war der Kürbis, den der US-amerikanische Kürbiszüchter Travis Gienger aus Minnesota im vergangenen Jahr präsentierte. Den Bestwert stellte der Gartenbaulehrer mit seinem Koloss beim Kürbiswiegen im kalifornischen Half Moon Bay auf.

Weltschwerste Kürbisse sind aber auch in Europa bereits gewachsen. Im Jahr 2016 holte der Belgier Mathias Willemijns den Weltrekord mit 1190,5 Kilogramm. Und auch ein Italiener war schon an der Spitze der Kürbiszüchter. Stefano Cutrupis Kürbis brachte 2021 ganze 1226 Kilo auf die Waage. 

Wer ist für Deutschland mit dabei?

Als Sieger der Deutschen Meisterschaft vom vergangenen Wochenende ging Matthias Würsching aus Hessen an den Start. Sein Kürbis wog damals noch 1005 Kilogramm. Bei der EM am Sonntag waren es dann 997,5 Kilo. „Ja, in der ersten Woche nach dem Schnitt verliert ein Riesenkürbis an Gewicht durch Verdunstung“, sagt der Züchter aus Einhausen nahe Worms. Europameister in diesem Jahr wurde der belgische Kürbiszüchter Mario van Geel. Mit seinem 1152 Kilogramm schweren Riesenkürbis verwies er den Deutschen Meister auf den zweiten Platz.

Schwerster Kürbis in Deutschland: HANDOUT - 06.10.2024, Ludwigsburg: Mit seinem 1005 Kilo schweren Kürbis hat der hessische Hobbyzüchter Matthias Würsching die Deutsche Meisterschaft im Kürbiswiegen gewonnen. Er gehört auch zu den Favoriten bei den anstehenden Europameisterschaften (zu dpa: «Wie aus einer Saat Europas schwerster Kürbis wird») Foto: Matthias Würsching/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mit seinem 1005 Kilo schweren Kürbis hat der hessische Hobbyzüchter Matthias Würsching die Deutsche Meisterschaft im Kürbiswiegen gewonnen.

Matthias Würsching/dpa

Werden die Teilnehmer-Kürbisse denn von Jahr zu Jahr schwerer?

Ja, tatsächlich hat kein Rekord lange Bestand. „Die Züchter verbessern ihr Saatgut Jahr für Jahr, sie tauschen die guten Kerne, bestäuben per Hand, kreuzen die größten Kürbisse der Champions“, sagt der dreifache Deutsche Meister Würsching. Sein erster Kürbis in Ludwigsburg war im Jahr 2006 noch 385 Kilo schwer, das ist nur fast ein Drittel des heutigen Gewichts. Im vergangenen Jahr reichten dem Hessen in Ludwigsburg 967 Kilo zum deutschen Titel, in diesem Jahr waren es knapp 50 mehr.

Wie können Kürbisse solche Dimensionen annehmen? 

Tricks und Handwerk, das ist alles. „Genmanipulation ist da keine im Spiel“, sagt Würsching. Die Samen seien das A und O beim erfolgreichen Züchten von Riesenkürbissen. Bei fast allen Rekordkürbissen der vergangenen Jahre handelt es sich um Vertreter der Sorte „Atlantic Giant“. Rekordgärtner raten auch, die Samen Ihrer Riesenkürbisse vorab für sechs bis sieben Stunden in kaltes Wasser zu legen. Nur Saatgut, das aufsteigt und oben schwimmt, ist keimfähig. 

Und das Wetter?

Natürlich spielt auch das Wetter eine Rolle: Ein solcher Kürbis braucht täglich bis zu 500 Liter Wasser und viel Sonne, aber auch nicht zu viel. Denn zu schnell darf er auch nicht wachsen, dann kann er Risse bekommen.

Und das reicht schon?

Sicher nicht. Es gibt etwa Züchter, die ihren Kürbis auf dem Miststock wachsen lassen. Zudem brauchen sie viel Platz: Auf dem Kürbishof seiner Familie bietet Würsching, eigentlich Kämmerer seiner Gemeinde, seinem Titelkandidaten rund 80 Quadratmeter. „Da darf dann nur ein Kürbis wachsen. Ihm schneide ich auch die überflüssigen Triebe ab, sonst geht zu viel Kraft in die Pflanze“, erklärt er. Die eigentliche Wachstumsphase dauert rund 100 Tage, an denen die Pflanzen teils bis 25 Kilo am Tag zulegen. 

Was passiert mit all den Ludwigsburger Kürbissen?

Das jährliche Kürbiswiegen in deutscher und internationaler Konkurrenz ist Teil der Kürbisausstellung am Residenzschloss in Ludwigsburg - und die endet am 8. November mit einem Schlachtfest. Dann werden zahlreiche Kürbisse auf dem Areal zerschnitten und verspeist. Anders als etliche andere Kürbisse sind die Kolosse vom Wettwiegen nichts für Feinschmecker.

Sie schmecken nach Angaben der Veranstalter nicht besonders lecker, weil sie aus viel Wasser bestehen. Geschlachtet werden sie dennoch. Wichtig sind dann vor allem die Kerne, die sich die Züchter vorab aber auch selbst in großer Zahl sichern zum Verkauf oder Tausch.