Medien in Baden-Württemberg: Prominente aus Politik und Wirtschaft beim SWP-Sommerfest in Stuttgart

„Ich bin hier, weil ich Ihre Arbeit schätze.“ Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach vor Dutzenden Gästen beim traditionsreichen Württembergischen Automobilclub im Stuttgarter Süden
Mario Berger- SWP-Sommerfest in Stuttgart: Rund 120 Gäste aus Politik und Wirtschaft kamen zum Netzwerken.
- Ministerpräsident Kretschmann lobte Journalismus und betonte Nähe zum Alltag der Menschen.
- Größte Medienübernahme im Südwesten: NPG Ulm erwirbt 82 % von fünf Zeitungen, Kartellamt stimmt zu.
- Verlage unter Druck: Kosten und fehlende politische Unterstützung belasten Qualitätsjournalismus.
- Wahlkampf 2026 im Fokus: Kretschmanns Amtszeitende und mögliche Nachfolger Özdemir und Hagel präsent.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eigentlich steht das politische Stuttgart vor dem Start in die Sommerpause, doch viel Pause bleibt den zentralen Matadoren nicht angesichts des nahenden Landtagswahltermins im März 2026. Das bevorstehende Ende der Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schafft ebenfalls eine neue Situation. Eine Gelegenheit für gute Gespräche, zum Netzwerken, aber auch einfach zum Durchatmen ist da wichtiger denn je.
Deshalb drängte sich am Dienstagabend in Stuttgart beim gemeinsamen „Sommerlichen Terrassenfest“ von fünf baden-württembergischen Tageszeitungen mit rund 120 Gästen alles, was in Landespolitik und politiknahen Institutionen und Verbänden Rang und Namen hat. Angeführt von Ministerpräsident Kretschmann erschien nahezu das komplette Landeskabinett samt Staatssekretären, Parlamentspräsidentin Muhterem Aras (Grüne), den Ausschussvorsitzenden des Landtags, Fraktionsvorsitzenden und parlamentarischen Geschäftsführern – und natürlich kamen auch die beiden potenziellen Kretschmann-Nachfolger und Spitzenkandidaten Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU). Mit dabei auch die Spitzenkandidaten Andreas Stoch (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP).
Bekenntnis zu Qualitätsjournalismus
Eingeladen hatten neben der SÜDWEST PRESSE die „Badischen Neuesten Nachrichten“ (BNN) aus Karlsruhe, die „Badische Zeitung“ aus Freiburg, der „Südkurier“ aus Konstanz und die „Heilbronner Stimme“ in den traditionsreichen Württembergischen Automobilclub im Stuttgarter Süden. Diese fünf großen Landeszeitungen betreiben gemeinsam ein landespolitisches Büro in Stuttgart. „Südkurier“ und „Heilbronner Stimme“ verstärken seit Juli 2024 das Büro. Weiterer Partner des Büros ist die „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Heidelberg).
Vier landespolitische Korrespondenten berichten aus Stuttgart, aber auch mit einem Blick auf das gesamte Land, gemeinsam für die Online- und Printkanäle dieser Zeitungen: Axel Habermehl (SÜDWEST PRESSE), Theo Westermann (BNN) Jens Schmitz („Badische Zeitung“) und Ulrike Bäuerlein („Südkurier“).
„Wer Meinungsvielfalt einfordert, sollte sie auch unterstützen“
Gesprächsthema im Saal und auf der Gartenterrasse war das nahende Ende der Amtszeit des Ministerpräsidenten, der beginnende Wahlkampf, aber auch die schlagzeilenträchtige Übernahme des Regionalzeitungsgeschäfts der Südwestdeutschen Medienholding SWMH (Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und weitere Zeitungen) durch die Neue Pressegesellschaft (NPG) aus Ulm, zu der die SÜDWEST PRESSE gehört. Die jüngst vom Kartellamt gebilligte Übernahme gilt als die größte Veränderung in der Medienlandschaft im Südwesten in den vergangenen Jahren.
SWP-Chefredakteur Ulrich Becker freute sich in seiner Begrüßungsrede speziell über die Anwesenheit von Winfried Kretschmann. „Das ist nicht selbstverständlich, dass Sie da sind.“ Zumal es das letzte Mal als Ministerpräsident sei, aber „wer weiß das schon genau“ so Becker launig.
Es wurde ein Abend medienpolitischer Bekenntnisse, gerade mit Blick auf anstehende Veränderungen. „Unser Anspruch ist es, hinter den schnellen Schlagzeilen dem Leser mehr zu erklären“, sagte SWP-Chefredakteur Becker. In einer schwierigen wirtschaftlichen Situation wolle man versuchen, den Qualitätsjournalismus zu erhalten. NPG-Geschäftsführer Andreas Simmet sprach konkret die bevorstehende Übernahme an. „Wir leben in einer Zeit, in der die Medien unter großem wirtschaftlichen Druck stehen.“ Die Personalkosten, darunter ein steigender Mindestlohn, setzten den Verlagen zu. „Die NPG braucht wirtschaftliche Stabilität, und wir stehen vor einem großen Schritt.“ Man sei sich der Verantwortung bewusst, man wolle die Leser weiterhin mit Qualitätsjournalismus versorgen. Simmet blickte kritisch auf die Politik: „Wer die Meinungsvielfalt einfordert, sollte sie auch unterstützen“, sagte er mit Blick auf enttäuschte Hoffnungen bei den Verlagen, von der Politik Unterstützung bei der Zeitungszustellung oder in Form einer Mehrwertsteuersenkung zu erhalten.
„Bleiben Sie nahe dran am Alltag der Menschen.“
Ministerpräsident Kretschmann betonte: „Ich bin hier, weil ich Ihre Arbeit schätze.“ Es sei ihm klar, dass die Arbeit der Verlage und Journalisten durch die Umbrüche in der Medienlandschaft schwieriger werde. „Bleiben Sie nahe dran am Alltag der Menschen.“ Er hoffe, dass wieder mehr Menschen verstünden, was Medienschaffende leisten. Und er sei dankbar für die immer noch reiche Medienlandschaft in Baden-Württemberg.
Größter Zeitungsplayer
Das Bundeskartellamt hat Ende Juni die größte Medienübernahme der jüngeren Geschichte gebilligt. Danach übernimmt die Neue Pressegesellschaft Ulm, zu der die SÜDWEST PRESSE gehört, 82 Prozent der Anteile der „Stuttgarter Zeitung“, der „Stuttgarter Nachrichten“, des „Schwarzwälder Boten“, der „Esslinger Zeitung“ und der „Kreiszeitung Böblinger Bote“. Die Neue Pressegesellschaft ist damit künftig der mit weitem Abstand größte Player auf dem Zeitungsmarkt in Baden-Württemberg.



















