Trotz großen Stresses zufrieden mit dem eigenen Beruf: So empfinden es offenbar die Lehrer im Land – jedenfalls wenn man den Ergebnissen einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) glaubt. Einige Details im Überblick:
 
Wer wurde befragt? Laut GEW eigentlich alle Lehrer im Land. Jedenfalls seien alle per Postkarte informiert worden und hätten mitmachen können. Letztlich die Online-Umfrage ausgefüllt hätten 5700 Lehrerinnen und Lehrer (insgesamt rund 120 000) aller Alterskohorten und Schularten. Auch einige Referendare und Schulleiter haben mitgemacht.
 
Was kam raus? Ein klares Ergebnis: Die Berufszufriedenheit der Lehrer ist hoch, die meisten erleben ihren Job als „alles in allem sinnstiftend“. Im Durchschnitt aller Schularten stimmten hier 71 Prozent zu. Den Spitzenwert lieferten Gymnasiallehrer (80 Prozent), den geringsten die Gemeinschaftsschul-Lehrer (57 Prozent). Etwa 50 Prozent gaben an, ihre Arbeit sei völlig oder ziemlich zufriedenstellend. Auch lobten 60 Prozent ihre Schulleitungen und zwischen 74 und 93 Prozent fühlen sich im Kollegium unterstützt, wertgeschätzt oder angenommen.
 
Gibt es auch Grund zur Klage? Selbstredend. Das größte Problem für Lehrer ist offenbar Stress. 81 Prozent gaben an, dass „Zeitmangel“ und das „Gefühl von gehetzt sein“, ihre Arbeitszufriedenheit stark oder sehr stark beeinträchtigten. Mehr als 60 Prozent gaben an, dass ihre Arbeitszeit nie oder selten ausreiche, auch weil die Aufgaben außerhalb der Klassenzimmer zugenommen hätten.
GEW-Landeschefin Doro Moritz verwies bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse darauf, dass nur rund 30 bis 40 Prozent der Lehrerarbeitszeit auf den Unterricht entfalle. Selbst wenn man die Ferien einrechne, arbeiteten Lehrer im Jahresschnitt eher mehr als die 41 Wochenstunden, zu denen sie verpflichtet sind. Außerdem: Immerhin 18 Prozent der befragten Lehrer beklagten „eher schwierige Beziehungen zu ihren Schulleitungen“, und auch die Schüler bereiten natürlich Probleme.
 
Welche sind das? Die meisten Lehrer nannten hier die Leistungsbandbreite innerhalb der Klassen: Für 58 Prozent der Lehrer entsteht daraus „häufig“ oder „meistens/immer“ ein Problem für den Unterricht. Außerdem stören Disziplin- und Verhaltensprobleme der Schüler. Immerhin 22 Prozent der Lehrer nehmen Sprachprobleme der Kinder und Jugendlichen als Problem wahr.
Wie ist die Umfrage einzuordnen? Schwer zu sagen. Die große Teilnehmerzahl und die Mischung sprechen für eine gewisse Repräsentativität. Jedoch ist die GEW kein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut und vertritt die Interessen der Befragten. Allerdings decken sich Ergebnisse mit anderen Umfragen. Zeitmangel als Problem haben jüngst auch zwei Forsa-Umfragen ergeben: eine unter Schulleitern im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung und eine unter Berufsschullehrern des Berufsschullehrerverbands. Auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagt: „Die Arbeitsbelastung der vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrer ist ohne Frage hoch.“
 
Was sagen die Macher? „Es ist Zeit für mehr Zeit“, erklärte GEW-Chefin Moritz. Sie stellte eine Reihe politischer Forderungen an Landesregierung und Kommunen. Vor allem solle das Land die Arbeitszeit und -belastung der Lehrer senken, etwa durch einen Ausbau der Reserve an Vertretungslehrern, Verringerung der Deputate, mehr Lehrerstellen und Studienplätze. Darüber hinaus verlangte Moritz einen „massiven Ausbau“ der Sprachförderung in der Grundschule und den Unterstufen der weiterführenden Schulen, den verstärkten Einsatz von Sozialarbeitern und weitere Verbesserungen der schulischen Rahmenbedingungen.

Was Lehrer wollen