Krieg in Israel
: Nach Ausharren in der Wüste: Schüler aus BW fliegen in anderes Land

Ein Jugendaustausch in Israel nimmt durch die Terrorangriffe eine dramatische Wendung: Schüler und Lehrer warten darauf, zurück nach Deutschland zu kommen – dann ist endlich die Ausreise möglich.
Von
Isabelle Jahn, lsw
Karlsruhe/Stuttgart
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Mindestens eine Schülergruppe aus Baden-Württemberg harrte nach den Terrorangriffen in Israel aus, bis sich die Jugendlichen am Dienstag auf die Ausreise freuen durften.

Lindsey Wasson/dpa

Sie hatten sich auf einen kulturellen Austausch gefreut, dann mussten sie in Angst vor Krieg in der israelischen Wüste ausharren: Eine Schülergruppe aus dem Landkreis Karlsruhe, befand sich seit vergangenem Donnerstag im Rahmen eines Jugendaustausches in dem Land, das von Angriffen der islamistischen Hamas erschüttert wird. Seit Beginn des Terrors wartete die Gruppe auf ihre Ausreise aus Israel nach Deutschland, bis am Dienstag endlich der Aufbruch in die Heimat begonnen hat: Die elf Berufsschüler und ihre Begleiter haben Israel am Dienstag per Flugzeug verlassen und sind in Sicherheit gebracht worden. Die Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren und die drei Begleiter befinden sich nach Worten einer Sprecherin des Landratsamtes Karlsruhe jedoch zunächst noch in einem anderen Land. Wo genau, wurde nicht mitgeteilt.

„Wir arbeiten jetzt daran, die Gruppe von dort aus an einen Zielflughafen in Deutschland weiterreisen zu lassen“, hieß es gegenüber der Deutschen Presseagentur. Wann die Jugendlichen und ihre Begleiter zurück in Deutschland sind, sei wegen der „angespannten Situation an den Flughäfen“ noch unklar. „Die vorzeitige Ausreise ist in Eigenregie gemeinsam mit der Expertise und großen Unterstützung der israelischen Partner vor Ort gelungen“, wie es weiter hieß.

„Der Gruppe geht es nach wie vor gut. Sie befindet sich an einem sicheren Ort fernab der Kampfhandlungen und es wird versucht, einen vorzeitigen Rückflug zu organisieren“, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Karlsruhe am Montag.

Deutsche Schülergruppe in Israel – Flucht vor dem Krieg in die Wüste

Die Jugendlichen waren am Samstagabend von israelischen Freunden in enger Abstimmung mit dem Militär aus der unmittelbaren Gefahrenzone an einen sicheren Ort in der Negev-Wüste gebracht worden. Man stehe in Kontakt mit der deutschen Botschaft, so der Behördensprecher weiter. Am Samstagmorgen, nach Beginn der Terrorattacken, war ein Krisenstab einberufen worden.

Der Aufenthalt der Gruppe war im Rahmen des deutsch-israelischen Jugendaustausches am Beruflichen Bildungszentrum Ettlingen organisiert worden. Den Austausch gibt es seit dem Jahr 2009, dabei verbringen die Teilnehmer jeweils eine Woche in den Familien ihrer jeweiligen Austauschpartner.

Weitere Schülergruppe aus Kirchheim/Teck durfte zurückfliegen

Auch für eine weitere Schülergruppe, die aus Kirchheim unter Teck im Kreis Esslingen nach Israel gereist war und nach dem Terrorakt ebenfalls festsaß, hatte das Warten auf die Rückreise am Dienstag ein Ende: Die zehn Berufsschüler und ihre beiden Lehrkräfte sind aus dem Krisenherd ausgeflogen worden und unterwegs nach Hause. Dies sagte eine Sprecherin des Landkreises auf Anfrage der Deutschen Presseagentur.

Gefahr vor dem Krieg: Keine Reisen nach Israel planen

Einen genauen Überblick, wie viele Schülergruppen aus Baden-Württemberg derzeit in Israel sind, hat das Kultusministerium nicht. Jugend- und Schülerbegegungen seien nicht meldepflichtig, erklärte eine Sprecherin. Man wisse von den Reisen lediglich dann, wenn bei den Regierungspräsidien Fördergelder für solche Reisen beantragt würden. Aktuell seien keine von den Regierungspräsidien geförderten Reisegruppen in Israel, sagte die Sprecherin. Von weiteren Reisen rät das Ministerium ab. „Gruppen, von denen die Regierungspräsidien wissen, dass sie in Kürze eine Reise geplant haben, wurden gebeten, die Durchführung abzusagen.“

Wer ist für die Rückholung Deutscher aus Israel zuständig?

Aus dem Innenministerium hieß es, man sei seit der Eskalation am Wochenende in Kontakt mit besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die sich an das Ministerium gewandt hätten. „Alle Sachverhalte mit Bezug zu Baden-Württemberg unterstützt die Polizei Baden-Württemberg in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden bestmöglich“, teilte eine Sprecherin mit. Grundsätzlich sei aber das Auswärtige Amt für das Rückholen deutscher Staatsbürger aus Israel zuständig.

Wie eine Volontärin aus Bayern den Dauerbeschuss in Tel Aviv erleben

Auch andere junge Menschen aus Deutschland sind aktuell direkt vom Krieg in Israel betroffen. So etwa Judith Kling aus Nersingen – sie macht einen Freiwilligendienst in Tel Aviv in einem Krankenhaus. Wie die junge Frau aus Bayern die Lage mit den Alarmen und dem Dauerbeschuss wahrnimmt und warum sie nicht zurück nach Deutschland kann.