Knall und Lichter am Himmel: Gefährliche ISS-Trümmer fliegen auch über Baden-Württemberg

ISS-Trümmerteile rasen auf die Erde zu: Auch der Südwesten könnte betroffen sein.
Sven Kaufmann, dpa, NinaEs könnte heute Abend knallen. Auch Lichter am Himmel könnten zu sehen sein. Nicht so grell wie an Silvester, sondern eher dezent wie Sternschnuppen. In dem Fall würde es sich um Sternschnuppen aus Weltraumschrott handeln. Denn Raumfahrt-Trümmer fliegen am Freitag über Deutschland hinweg. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) könnten sie auf die Erde und unter Umständen auch auf Teile Baden-Württembergs stürzen.
Batterieset so groß wie ein Auto
Dahinter steckt ein ausrangiertes Batterieset der Internationalen Raumstation ISS. Es ist der dpa zufolge in etwa so groß wie ein Auto und wiegt 2,6 Tonnen. Im März 2021 wurde es bewusst von der ISS abgetrennt, um Jahre später in die Atmosphäre einzutreten. Es fliegt also seit drei Jahren durch das All.
Jetzt soll es in die Erdatmosphäre eintreten und dabei verglühen. Einzelne Teile könnten die extreme Hitze beim Wiedereintritt überstehen und auf die Erde fallen, wie das für Raumfahrt zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) übereinstimmend mitteilten. Der Batterieblock werde also nicht im Ganzen auf ein ganz eng begrenztes Gebiet fallen, sondern sich in einzelne Stücken teilen.
Bevor das Batteriepaket in die Atmosphäre tritt, soll es nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BBK) Deutschland dreimal überfliegen. Auf ihrer Website veröffentlichte die Behörde die mögliche Route über Deutschland.
Nach aktuellem Stand (20 Uhr) sollen die Trümmer den Süden Baden-Württembergs um 20.50 Uhr überfliegen.
Herabstürzende Trümmer über Deutschland unwahrscheinlich
Experten geben Entwarnung: Sie sehen keine Gefahr, dass die Trümmer über Deutschland herabfallen. Das sei sehr unwahrscheinlich. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt könnte das Objekt über dem Norden Nordamerikas in die Atmosphäre eintreten. Als Zeitfenster wird ein 20-Stunden-Korridor rund um den späten Freitagabend deutscher Zeit angegeben.
Das BBK hatte zwar am Donnerstagnachmittag über mehrere Warn-Apps eine amtliche Gefahreninformation verbreitet. Doch herabstürzende Trümmer über Deutschland seien sehr unwahrscheinlich. Eher möglich seien „Leuchterscheinungen oder die Wahrnehmung eines Überschallknalls“. Sollte sich das Risiko erhöhen, würden neue Informationen veröffentlicht.
Sternschnuppen aus Schrott möglich
Auch Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner halte die Gefahr für gering. „Batterien brennen sehr gerne. Ich gehe davon aus, dass das Paket nahezu komplett in der Atmosphäre verglüht“, sagte der frühere Präsident der europäischen Raumfahrtbehörde Esa der dpa. Selbst wenn Teilchen durchkämen, sei ein Treffer im Wasser wahrscheinlicher als auf bewohntem Gebiet. Wörner sagt: „Vielleicht sieht man das Zerlegen ja als schöne Sternschnuppe.“
Mit Informationen der dpa
