Katzen-Lockdown
: Hausarrest für Tiere in Walldorf ist aufgehoben

Immer wieder mussten Besitzer ihre Katzen in Walldorf-Süd einsperren. Mit der Regelung sollten gefährdete Vögel geschützt werden – jetzt ist sie nicht mehr gültig.
Von
Moritz Clauß
Walldorf/Stuttgart
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Katze: ARCHIV - 06.03.2024, Mecklenburg-Vorpommern, Stralsund: Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland. (zu dpa: «Jagdverband: Mehr Handhabe gegen wildernde Katzen nötig») Foto: Stefan Sauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mehrere Monate im Jahr durften Hauskatzen in Walldorf-Süd nicht alleine frei herumlaufen.

Stefan Sauer/dpa
  • Der Katzen-Lockdown in Walldorf-Süd ist aufgehoben; Regelung galt seit 2022.
  • Katzen mussten von April bis August drinnen bleiben, um gefährdete Haubenlerchen zu schützen.
  • Ausweichflächen für Vögel funktionieren gut, Brutplätze sind jetzt mit Elektrozaun gesichert.
  • Allgemeinverfügung verursachte Kritik und Stress für Katzen und Besitzer.
  • Verstöße wurden mit Bußgeldern von 500 Euro geahndet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Regelung zum Katzen-Lockdown in Walldorf-Süd (Rhein-Neckar-Kreis) ist nicht mehr gültig. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Freitag mit Verweis auf das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises. Demnach wurde eine Allgemeinverfügung, die seit dem Jahr 2022 gegolten hatte, aufgehoben. Die Behörde hatte Halterinnen und Haltern von Katzen darin vorgeschrieben, ihre Haustiere im betroffenen Gebiet jedes Jahr im Zeitraum von April bis August einzusperren.

Die Allgemeinverfügung galt für einen Teil der Stadt Walldorf im Bereich Walldorf-Süd. Es handelte sich der Verfügung zufolge um ein Gebiet, in dem frei laufende Katzen immer wieder auf Haubenlerchen treffen konnten. Die Haubenlerche ist eine Vogelart, die in Westeuropa als hochgradig gefährdet gilt.

Die vom Aussterben bedrohten Vögel wurden im Jahr 2013 in dem betroffenen Gebiet nachgewiesen, danach sank der örtliche Bestand von fünf auf zwei Brutpaare. Laut der Allgemeinverfügung bestand für die seltenen Tiere „ein signifikant erhöhtes Risiko“, von einer Hauskatze getötet oder verletzt zu werden. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur teilte das Landratsamt nun mit, Ausweichflächen für die Vögel in der Nähe der Stadt würden von den Haubenlerchen gut als Brutstätte angenommen. Die Brutplätze der Vögel, die bis heute in der Stadt liegen, werden demnach mit einem Elektrozaun vor Katzen geschützt.

Katzen-Lockdown: Stress und Leid für die Haustiere

Die Allgemeinverfügung sorgte in den vergangenen Jahren für großes Aufsehen und Kritik. Das hing auch damit zusammen, dass Katzenhalter bei einem Verstoß mit einem Bußgeld von 500 Euro rechnen mussten. Die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord sprach im Jahr 2022 gegenüber dieser Zeitung zudem von „ganz erheblichem Stress und Leid“ für Katzen, die Freigang gewohnt seien und wegen der Regelung monatelang nicht nach draußen dürften. Außerdem stellte der Landesdatenschutzbeauftragte im Jahr 2023 fest, dass eine Firma im Zuge des Katzen-Hausarrests ohne eine Rechtsgrundlage Daten von örtlichen Katzenbesitzerinnen und -besitzern gesammelt hatte.

In Einzelfällen war es für Katzenhalter in den vergangenen Jahren möglich gewesen, sich von der Anordnung befreien zu lassen. Dafür mussten sie im Zeitraum von September bis März mithilfe eines GPS-Trackers nachweisen, dass ihre Katze sich nicht in dem Bereich aufhält, indem sie den bedrohten Vögeln gefährlich werden kann. Zudem mussten die frei laufenden Katzen auch in der Sommerzeit per GPS überwacht werden. Katzenbesitzer hatten einem örtlichen Tierschutzverein im Jahr 2022 berichtet, dass es dabei einige Probleme gebe. So müssten sich die Haustiere erst an das Halsband mit dem großen GPS-Tracker gewöhnen. Außerdem werde für die Tracking-App eine Abo-Gebühr von 80 Euro fällig.