Junge Frauen als Lockmittel
: Bei fingierten Sextreffen attackiert – „Pedo Hunter“ verhaftet

Mehrere Verdächtige sollen Männer über das Internet zu fingierten Sextreffen gelockt, ausgeraubt und teils schwer verletzt haben. Die Polizei vermutet eine Masche, die derzeit im Internet kursiert.
Von
dpa
Stuttgart
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Bei einem «Pedo Hunter» (deutsch: «Pädophilen-Jäger») handelt es sich um einen Menschen, der sich auf Internetportalen als minderjährig ausgibt, um mutmaßliche Sexualstraftäter in eine Falle zu locken. (Archivbild)

Bernd Weißbrod/dpa
  • Junge Männer in Stuttgart lockten Opfer zu fingierten Sextreffen, griffen sie an und raubten sie aus.
  • Vier Männer (18-19 Jahre) wurden verhaftet, über zwei Dutzend Wohnungen durchsucht.
  • Insgesamt 18 weitere Personen verdächtigt, teilweise schwere Gewalt und Vergewaltigungen begangen.
  • Täter nutzten die Masche „Pedo Hunting“ aus sozialen Netzwerken, um Opfer zu täuschen.
  • Polizei betont: Opfer verhielten sich meist korrekt, Begriff „Pedo-Hunter“ sei unpassend.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie geben sich online oft als minderjährige Mädchen aus, locken ahnungslose Männer bei fingierten Sextreffen in die Falle – und schlagen dann brutal zu. Selbsternannte „Pedo-Hunter“, also Pädophilen-Jäger, sorgen seit vielen Monaten in sozialen Netzwerken und auch bei der Polizei für Aufsehen.

Nun haben Ermittler vier Männer festgenommen und zahlreiche weitere Verdächtige ausfindig gemacht, die Erwachsene in der Region Stuttgart zu fingierten Sextreffen gelockt, dort ausgeraubt und zum Teil schwer verletzt haben sollen.

Razzia in zahlreichen Wohnungen

Die vier Männer im Alter von 18 und 19 Jahren seien verhaftet und mehr als zwei Dutzend Wohnungen in und um Stuttgart, Esslingen und Waiblingen durchsucht worden, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Weitere 15 Männer und drei Frauen würden verdächtigt, in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein.

Die verhafteten Männer sollen sich auf einem Online-Portal zu den Treffen verabredet und als junge, meist aber volljährige Frauen ausgegeben haben. Kurz vor den Treffen sollen sie den Männern offenbart haben, etwas jünger zu sein. Mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen bewaffnet, hätten sie ihre Opfer schließlich bei den Treffen angegriffen und teilweise ausgeraubt, vergewaltigt oder sehr schwer verletzt.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wurden drei 18-Jährige bereits Ende Juni in Stuttgart festgenommen, zwei von ihnen wurden bei einem Scheintreffen durch die Ermittlungsgruppe „Teddy“ selbst in die Falle gelockt. Der vierte Verdächtige, ein 19-Jähriger, wurde erst jetzt in seiner Stuttgarter Wohnung festgenommen.

„Nach derzeitigem Kenntnisstand sollen die Tatverdächtigen in wechselnder Besetzung für rund 30 Taten verantwortlich sein“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es wird unter anderem wegen versuchten Mordes, versuchten Totschlags und schweren Raubes ermittelt.

Sie nennen sich „Pedo-Hunter“

Selbsternannte „Pedo Hunter“ geben sich in Fake-Profilen auf Internetportalen oft als minderjährig aus, um mutmaßliche Sexualstraftäter in eine Falle zu locken. Das Aufeinandertreffen wird meist gefilmt und im Internet geteilt. Diese öffentliche Bloßstellung geschieht ohne rechtliche Legitimation.

Denn obwohl sich viele Akteure auf ein moralisches Anliegen berufen, verstoßen sie häufig selbst gegen Strafgesetze – etwa durch Nötigung oder Verleumdung. Die Polizei warnt ausdrücklich vor dieser Form der Selbstjustiz, da sie neben der strafrechtlichen Problematik laufende Ermittlungen gefährden kann.

Polizei: „Masche nur genutzt“

Die Fälle aus der Region Stuttgart sind damit nicht wirklich vergleichbar, betont die Polizei nach der Razzia. Die angegriffenen Männer hätten in den meisten Fällen nichts falsch gemacht. Der Begriff „Pedo-Hunter“ passe daher nicht, auch wenn der 19-Jährige sich so genannt habe. „Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben“, sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Mario Teufel.

Weitere Details zum Motiv machte die Staatsanwaltschaft nicht. Auch zu möglichen rechtsextremen Bezüge machte sie keine Angaben.

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