Kriminalität in BW: Gelb, Orange oder Rot: Land sortiert jugendliche Gewalttäter in Stufen-System

Jugendgewalt beschäftigt auch die baden-württembergischen Sicherheitsbehörden. Jetzt soll im Südwesten ein neues Konzept greifen.
Karl-Josef Hildenbrand/dpaStraftaten Jugendlicher sorgen auch in Baden-Württemberg immer wieder für Aufsehen. So wird derzeit in Ulm ein versuchter Mord an einem Polizisten am Kornhaus verhandelt; bei der brutalen Prügel-Attacke war laut Polizei auch ein 13-Jähriger beteiligt.
Jetzt kündigt der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) ein neues Konzept an: Baden-Württemberg bewertet Straftaten junger Menschen künftig anders. Man werde sich mit den Farben gelb, orange und rot hauptsächlich an qualitativen Merkmalen der Straftat orientieren und weniger an der Anzahl der begangenen Delikte, teilte Strobl am Mittwoch mit. Dabei werden Faktoren wie beispielsweise die Verletzung der Opfer, das verwendete Tatmittel oder das Alter gewichtend berücksichtigt.
Jugendliche Gewalttäter früher im Blick
Dadurch rückten Kinder und Jugendliche früher in den Fokus, deren Verhalten sich von Beginn an eher im Bereich der Gewaltkriminalität bewegt.
Das neue Programm heißt „Besonders auffällige junge Straftäterinnen und Straftäter“ (BajuS) und ist laut Strobl die Weiterentwicklung des 1999 gegründeten bisherigen Initiativprogramms „Jugendliche Intensivtäter“ (JugIT). Nach über 20 Jahren Praxiserfahrung wurden die Regelungen seit Frühjahr 2022 durch eine beim Innenministerium eingerichtete Arbeitsgruppe untersucht und konzeptionell neu aufgestellt. „Damit können wir früher und gezielter auf strafrechtlich auffälliges Verhalten reagieren“, sagte Strobl. Justizministerin Marion Gentges (CDU) sagte: „Eine einfache Körperverletzung und ein versuchtes Tötungsdelikt können nicht über einen Kamm geschoren werden.“
So sehen die Kategorien im Detail aus
Das neue Programm ordnet Täter nun in drei Bereiche ein: Gelb, Orange oder Rot.
- Gelb sind Schwellentäter, deren Handeln schon nicht mehr nur episodenhaft ist, sich aber auch noch nicht als kriminelle Karriere verfestigt hat.
- Die Kategorie Orange ist angelehnt an die bisherige Bewertungspraxis möglicher jugendlicher Intensivtäter.
- Die Kategorie Rot umfasst Kinder und Jugendliche, die überwiegend schwere Straftaten begehen und Hilfemaßnahmen sowie Erziehungshilfen ablehnen.
Im langjährigen Trend, etwa im Vergleich zu den 2000er-Jahren, ist Jugendkriminalität laut allen kriminologischen Daten deutlich rückläufig. Seit 2020 ist laut BKA-Statistik jedoch ein Anstieg zu verzeichnen.
