Internat in Giengen/Brenz
: Islamlehrer wegen Missbrauchs in Wohnheim verurteilt

Ein Koranlehrer nutzt seine Autorität aus und missbraucht Jungen in einem schwäbischen Schülerwohnheim sexuell. Nun muss er viele Jahre ins Gefängnis.
Von
dpa
Giengen/Brenz, Ellwangen
Jetzt in der App anhören
Urteil im Prozess gegen islamischen Religionslehrer

Ein islamischen Religionslehrer wurde verurteilt, weil er in einem Internat in Giengen/Brenz Kinder missbraucht hatte.

Stefan Puchner/dpa
  • Islamlehrer erhielt acht Jahre und sechs Monate Haft – Urteil am Landgericht Ellwangen.
  • Er missbrauchte acht Jungen im Alter von zwölf bis 17 Jahren in einem Internat in Giengen/Brenz.
  • Der 35-Jährige gestand umfangreich, wodurch Detailbefragungen der Kinder entfielen.
  • Zusätzlich gilt ein fünfjähriges Berufsverbot als Erzieher für männliche Jugendliche.
  • Richter betonte harte Linie bei Sexualstraftaten: vorzeitige Entlassung nur bei Mitarbeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Islamlehrer ist wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung von Minderjährigen vom Landgericht Ellwangen zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Zudem darf der Mann fünf Jahre lang nicht mehr als Erzieher von männlichen Jugendlichen arbeiten.

„Es sind mehrere Kinder Opfer schwere sexueller Straftaten geworden“, begründete der Vorsitzende der Kammer, Jochen Fleischer, das „harte Urteil“.

In seiner einstündigen Urteilsbegründung erläuterte er, dass die Kammer das umfangreiche Geständnis des Angeklagten honoriert habe. Das habe verhindert, dass die Kinder bis ins Detail hätten befragt werden müssen. Der 35-Jährige saß bereits seit Mitte Januar in Untersuchungshaft.

Acht Kinder zwischen 12 und 17 Jahren missbraucht

Der verheiratete Islamgelehrte und Vater von zwei kleinen Kindern hatte sich in einem Internat in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim) in seiner Funktion als sogenannter Hoca (Türkisch für Lehrer) in 18 Fällen an türkischstämmigen Jungen vergangen. Bei den Betroffenen handelt es sich um acht Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Deshalb fand ein Großteil des Verfahrens unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In dem Internat leben Kinder und Jugendliche aus teils schwierigen Verhältnissen, die unter der Woche die öffentlichen Schulen besuchen.

Täter übernachtete im Schülerwohnheim

Der im bayrischen Günzburg geborene deutsche Staatsbürger hatte in seiner Jugend selbst in dem Giengener Internat gelebt. Als Erzieher und Lehrer übernachtete er öfter in dem Schülerheim. Das nutzte er offensichtlich aus, um am späten Abend die Jungen unter anderem mit gemeinsamen Filmabenden in sein Büro zu locken und sie dort zu missbrauchen. Laut Anklage zwang er die Minderjährigen zu intimen Massagen und sexuellen Handlungen, bis hin zum Oralverkehr. Das wertete die Kammer als Vergewaltigung.

Der Mann hatte seine Stellung als religiöse Autorität betont, die Kinder unter Druck gesetzt und so zum Schweigen gebracht. Ein Hoca ist ein Religionsgelehrter, der Kindern und Erwachsenen die arabische Sprache, das Koran lesen und die Grundlagen des Islams beibringt. Er ist auch Ansprechpartner für religiöse und persönliche Fragen der Gemeindemitglieder. Die Hocas genießen deshalb unter den muslimischen Gläubigen hohen Respekt und gelten als Autoritätsperson.

Körperlich und sexuell missbraucht

Teil des Verfahrens waren auch körperliche Misshandlungen. Einzelnen Kinder wurden Mund und Nase zugehalten. Ein Kind wurde durch einen Schlüsselbund am Bein verletzt. „Sie haben die Chance, nach zwei Drittel der Haft freizukommen“, erklärte Richter Fleischer dem Mann. Die Gerichte prüften bei Sexualstraftaten eine vorzeitige Entlassung aber sehr kritisch: „Sie müssen sich auf den Hosenboden setzen und mitarbeiten. Sonst sitzen sie die ganze Zeit ab.“