Hochwasser in der Region: Eine Chronologie der Ereignisse am Wochenende

Hochwasser im Südwesten Chronologie
Amrei Oellermann, Volkmar Könneke, SDMGVollgelaufene Keller, überflutete Straßen und Flüsse sowie Bäche, die sich in reißende, braune Ströme verwandelten. Das Unwetter hat am vergangenen Wochenende im Südwesten ordentlich zugeschlagen. Zwar sinken vielerorts die Pegel von Donau, Iller und Co. wieder, doch andernorts ist die Gefahr noch nicht gebannt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt auch für Montag vor weiteren Unwettern und viel Regen. Erst in den kommenden Tagen wird sich das volle Ausmaß der Überschwemmungen zeigen. Um bei all den Eilmeldungen, Nachrichten und Notlagen nicht den Überblick zu verlieren, die Ereignisse des Wochenendes in Ulm und Umgebung in der Übersicht:
Hochwasser in der Region: Die Chronologie der Ereignisse am Freitag
- Die Pegel von Iller und Donau steigen am Freitag (31.05.) kontinuierlich. Seit Tagen regnet es in Ulm und Umgebung, sodass sogar die Werte vom Pfingsthochwasser 1999 erreicht werden könnten. Feuerwehr, EBU und SWU bereiten sich auf das Schlimmste vor.
- Der Hochwasser-Alarmplan der Stadt Ulm, der nach dem Hochwasser an Pfingsten 1999 erstellt wurde, läuft an. Die Dammbalkenverschlüsse am Metzgerturm, am Fischerplätzle und im Ostermahdenweg in Wiblingen werden eingesetzt, um die Innenstädte vor Hochwasser zu schützen. Ebenso werden am Donaubad die Lücken des Hochwasserschutzwalls mit mobilen Schutzwänden geschlossen. Auch an der Baustelle an der Gänstorbrücke muss der Betrieb eingestellt werden.
- Ab 16.30 Uhr werden zwei Fuß- und Radwege an der Donau gesperrt: vom Sandweg bis zur Illerspitze, und in Freudenegg bei Senden der Radweg zur Illerspitze. Der Wohnmobilstellplatz am Donaubad muss bis zum Abend geräumt sein, weil er von keiner Schutzmauer umgeben ist. Auch der Donauradweg auf Ulmer Seite wird im Laufe des Tages ab dem Donautal bis zum SSV-Gelände gesperrt.
- Der Pegel der Donau in Neu-Ulm steigt derweil langsam an, ist am Freitagnachmittag aber noch nicht dramatisch hoch und liegt noch unterhalb von drei Metern Wasserstand und damit unterhalb der Meldestufe 1. Für das Wochenende sehen die Prognosen allerdings einen Wasserstand von bis zu 6 Metern voraus.

Der Pegelstand der Donau in Ulm steigt am Freitag bereits stark an.
Yasmin Nalbantoglu- Auch für den Kreis Neu-Ulm hat der Deutsche Wetterdienst eine Hochwasserwarnung herausgegeben. Deshalb ist im dortigen Landratsamt die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) zusammengekommen. Die Bevölkerung wird darum gebeten, sich von Gewässern fernzuhalten.
- Der Kreis Günzburg ruft bereits am Freitagabend den Katastrophenfalls aus.
- Derweil erreichen am Freitagabend die Pegel der Günz und Mindel in Bayern die Meldestufe 1. die Zusam und die Schmutter Meldestufe 2.
- Die Donau in Neu-Ulm erreicht gegen 20.30 Uhr früher als erwartet Meldestufe 1. Der Pegel liegt mittlerweile bei 339cm. Innerhalb einer Stunde stieg der Wasserstand um rund 10 Zentimeter. Schon eine Stunde später erreicht der Pegel an der Messstelle Neu-Ulm/Bad Held Stufe 2.

Am späten Freitagabend stehen der Fuß- und Radweg auf Ulmer Seite bereits komplett unter Wasser.
Yasmin NalbantogluSteigende Pegel und brechende Dämme - Die Ereignisse am Samstag
- In der Nacht kommt in ganz Baden-Württemberg und Bayern munter einiges an Regen runter. Vielerorts wird Jahrhunderthochwasser erwartet.
- In Unterstadion geht gegen 2.45 Uhr der Stehenbach über die Ufer. In vielen Kellern steht Wasser, ändern können die Einsatzkräfte das allerdings nicht: "Pumpen bringt erst etwas, wenn die Pegel wieder fallen“, sagt Kommandant Matthias Hipper. Absehbar fallen sollen die Pegel allerdings nicht.

Land unter herrschte am Samstagmorgen in Teilen von Unterstadion. Die Überflutungen fielen aber weitaus weniger dramatisch aus als im Sommer 2021.
Amrei Oellermann- Derweil erreicht der Pegelstand an der Messstelle Neu-Ulm/Bad Held am frühen Samstagmorgen Meldestufe 3 und damit 430cm. Aufgrund des hohen Wasserstandes wird der Schwal in Neu-Ulm gesperrt.
- Bei Schnürpflingen droht ein Damm an einem Bauernhof zu brechen. Die Feuerwehr versucht, ihn mit einigen Sandsäcken zu sichern. Auch die Feuerwehren Oberkirchberg, Balzheim und Erbach sind im Einsatz.
- In Weißenhorn und einigen Ortsteilen ist die Lage kritisch, die Roth hat die Felder in eine Seen-Landschaft verwandelt. Der Musikverein Attenhofen hat sein Fest Blech am Bach zumindest für Samstag abgesagt.
- Um kurz vor 11 Uhr ruft der Landkreis Neu-Ulm den Katastrophenfall aus. Hintergrund sind mehrere Einsatzschwerpunkte im gesamten Landkreis und die Zuspitzung der Lage vor allem im südlichen Bereich, heißt es in einer Pressemeldung. Besonders betroffen seien die Gemeinden Roggenburg, Oberroth, Unterroth sowie der Markt Buch mit dem Mühlenweiher in Nordholz.
- Nur etwa eine Stunde später geben die Städte Ulm und Neu-Ulm vorsichtig Entwarnung. Sie gehen entgegen der ursprünglichen Prognosen nicht von einem 100-jährigen Hochwasser aus. Dennoch wird an der Donau Meldestufe 4 und an der Iller Meldestufe 3 erreicht. Der Höchststand wird für 12 Uhr erwartet.

Der V-Markt an der Illerberger Straße in Weißenhorn wurde in der Nacht überflutet
Thorsten Fischer- Die Stadt Senden teilt derweil mit, dass die Hochwassergefahr im gesamten Stadtgebiet steigt. Besonders betroffen seien die Illersäge, das Wiesental und der Brühl. Der Stadtpark und der Bereich der Freudenegger Baggerseen sind gesperrt.
- Auch der Bahnverkehr im Süden ist inzwischen stark beeinträchtigt. Viele Züge, unter anderem zwischen Ulm und Kempten, fahren nicht. Später stellt die Bahn auch auf den Strecken zwischen Stuttgart - Ulm - Augsburg - München den Betrieb ein. Fernzüge werden über Ansbach umgeleitet.
- Während die Lage in den Städten Ulm und Neu-Ulm vergleichsweise entspannt ist, spitzt sich die Situation im Alb-Donau-Kreis und Kreis Neu-Ulm weiter zu. Probleme bereiten vor allem die Zuflüsse und kleinen Gewässer.
- Auch in umliegenden Kreisen, wie in Göppingen, wird die Hochwasserlage zunehmend dramatisch. Eine Unterkunft für obdachlose Menschen direkt an der Fils muss geräumt werden.

Ebersbach, im Kreis Göppingen, ist besonders vom Hochwasser betroffen.
Staufenpress- Der Pegel der Donau bei Ulm und Neu-Ulm erreicht am Samstagnachmittag Meldestufe 4. Dennoch halten sich die Auswirkungen für beide Städte in Grenzen. Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher teilt am Nachmittag bei einer Pressekonferenz mit: „Trotz der Wassermassen dürfen wir sagen, dass die Lage zumindest in Ulm derzeit überschaubar ist und wir sie gut unter Kontrolle haben. Es ist zwar noch kritisch aber die Hochwasser-Schutzmaßnahmen werden bei der aktuellen Lage ausreichen.“
- In den Außenregionen treten derweil immer mehr kleinere Flüsse über die Ufer. Unter anderem die Roth in der Ortsmitte des Weißenhorner Stadtteils Hegelhofen. Auch im Kleingartenverein in Weißenhorn wurden zahlreiche Gärten überflutet. Die Wege wurden gesperrt. Auch auf der anderen Seite der Anlage haben die Anwohner mit den Wassermassen zu kämpfen.
- Das Hochwasserrückhaltebecken Reichenbach an der Rems wurde aktiviert, zwischen Schwäbisch Gmünd und Lorch.
- Die Lage in Pfaffenhofen, vor allem in den Ortsteilen Biberberg und Balmertshofen, ist sehr angespannt. Der Osterbach ist von einem halben Meter auf zwölf Meter Breite angewachsen, Keller und Straßen überschwemmt.
- Derweil spitzt sich auch in Weißenhorn die Lage immer weiter zu: Dringend werden Helfer gesucht, die für die Stadt Sandsäcke befüllen. Die Lage wird immer kritischer, im Ortsteil Asch ist die Sägerei Held unter Wasser, da ist die Biber zum Fluss geworden.

Hochwasser rund ums Theater in Weißenhorn
Volkmar Könneke- Die Stadt Neu-Ulm rechnet am Samstagabend damit, dass Meldestufe 4 und damit der Scheitel der Hochwasserwelle erreicht ist. Aktuell musste die Stadt Neu-Ulm die Breitenhofstraße von und nach Finningen sperren. Hier wurde ein Damm mit Sandsäcken errichtet. Finningen ist bis auf Weiteres über Reutti und Steinheim erreichbar. Darüber hinaus bleiben auch die Wiblinger Straße sowie die Donauuferwege und die Radwanderwege an Donau und Iller bis auf Weiteres gesperrt.
- In Illerkirchberg ist die Lage dramatisch. In Teilen von Unterkirchberg ist der Strom ausgeblieben.
- Am Samstagabend haben sich am Schwal in Neu-Ulm kleine und große Donau vereinigt und die Halbinsel überspült.

Der Schwal ist am Samstagabend nicht mehr zu erkennen.
Magdi Aboul-Kheir- In Weißenhorn haben mehrere Hausbesitzer an der Illerbergerstraße den Kampf gegen die Wassermassen aufgegeben, wie unser Reporter berichtet. Sie haben die Pumpen abgestellt - die Roth schwappt jetzt ungehindert in die Erdgeschosse der Häuser. Für Anwohner und Helfer wurde die Situation immer gefährlicher, weil die Strömung immer stärker wird. Und das Wasser wird weiter steigen: Die Roth hat ihren Scheitelpunkt noch nicht erreicht.
- In der Nacht entgleist nach einem Erdrutsch in Schwäbisch Gmünd auf der Strecke zwischen Stuttgart und Ulm ein ICE, verletzt wurde glücklicherweise niemand.

ICE entgleist bei Schwäbisch Gmünd
Dirk HülserPersonen vermisst und Krankenhaus evakuiert - Die Entwicklungen am Sonntag
- Am Sonntagmorgen scheint der Pegel der Roth den Scheitelpunkt noch nicht erreicht zu haben, das Wasser ist allerdings seit 4 Uhr in der Nacht kaum noch gestiegen. Für die Donau sehen die Prognosen im Vergleich zum Samstag gut aus, ebenso für die Iller. Der Pegel der Riß bleibt auf hohem Niveau, steigt aktuell aber zumindest nicht mehr weiter. Der Stehenbach bei Unterstadion ist deutlich gefallen.
- In Weißenhorn gab es bereits erste Evakuierungen. Die Stadt hat für die Unterbringung der Menschen eine Notunterkunft in der Fuggerhalle eingerichtet.
- Besonders angespannt ist die Lage in Dellmensingen am Umspannwerk, dass von einer Überflutung bedroht wird. Tritt das Wasser des Rauglengrabens über die Dämme, muss das Werk abgeschaltet werden. Rund 40.000 Haushalte in einem weiten Umkreis um Erbach stünden ohne Strom da. Mit tausenden Sandsäcken, die unter anderem aus Illerkirchberg und Erbach geliefert wurden, und einem privaten Bagger versuchen die Einsatzkräfte, das zu verhindern.

Mit einem Großaufgebot kämpfen die Feuerwehren aus Erbach und dem Umland darum, das Umspannwerk Dellmensingen vor einer Überflutung zu schützen.
Amrei Oellermann- In Illerkirchberg hat sich die Lage etwas beruhigt. Die Feuerwehr war die ganze Nacht im Einsatz, berichtet Kommandant Martin Duelli. Sie hat Keller ausgepumpt und die Lage überwacht. Jetzt werden gerade etwa 4000 Sandsäcke nach Erbach gefahren, wo das Umspannwerk in Dellmensingen unter Wasser steht.
- Der Fernverkehr in großen Teilen Süddeutschlands ist weiter stark beeinträchtigt. Zwischen Ulm und München fahren keine Züge. Die Bahn rät von Reisen in die Hochwassergebiete in Baden-Württemberg und Bayern ab. Züge, die noch fahren, könnten stark überfüllt sein, heißt es.
- In Pfaffenhofen sind die Ortsteile Roth und Berg immer stärker vom Hochwasser betroffen. Meter für Meter kriecht die Roth über die Straße. Überall sind Pumpen zu hören.
- Mehr als 100 Feuerwehrleute versuchen in Dellmensingen das Umschaltwerk zu retten. Auf Höhe des Umspannwerks fließt das Wasser bereits auf die Straße. Die Feuerwehr Ulm versucht mit Großpumpen der Lage Herr zu werden, um 16.000 Liter pro Minute in das nahegelegene Flüsschen Westernach zu pumpen. Sandsäcke werden palettenweise aus dem Umland angekarrt.

Das Bild aus der Vogelperspektive zeigt die Lage am Umspannwerk Dellmensingen zur Mittagszeit am Sonntag.
Feuerwehr Oberstadion- In Dietenheim sind nach Schätzungen rund 50 Keller vollgelaufen, da es wohl Probleme mit dem Grundwasser gibt.
- Aufgrund des Hochwassers muss die Erstanlaufstelle für Geflüchtete in Nersingen evakuiert werden. Es wird befürchtet, dass Hochwasser in die Halle eindringt. Die Geflüchteten werden in die vorbereitete Berufsschulhalle nach Neu-Ulm gebracht. Dabei handelt es sich um rund 200 Personen.
- In Pfaffenhofen musste das Haus der Bäckefamilie Stetter in der Nacht evakuiert werden, da der Strom abgeschaltet werden musste. Die Bewohner sind im Nachbarhaus untergekommen. Das Wasser steht bereits in der Backstube, wie Meinrad Stetter berichtet. An einen Betrieb ist derzeit nicht zu denken.

Die Bäckerei Stetter in Pfaffenhofen steht unter Wasser.
Michael Scheifele- Seit Samstagnacht läuft im überfluteten Silberwald an der Iller in Neu-Ulm ein großangelegter Sucheinsatz. „Alles, was ein Blaulicht hat, ist vor Ort“, sagt Polizeisprecher Holger Stabik. Vermisst werde eine 33-jährige Frau aus dem Unterallgäu.
- Im Nersinger Teilort Oberfahlheim sind am Sonntag mehrere Bewohner an der Straße „Am Kirchholz“, vor Ort „Tal der Liebe“ genannt, evakuiert worden. Die Roth ist über die Ufer getreten, die Straße ist stark überflutet.
- Die Menschen in Roth/Berg sollen nicht mehr duschen, Spül- und Waschmaschine nicht laufen lassen und nur bedingt aufs Klo gehen - es gibt Probleme mit der Kanalisation, die abgesenkt wurde. Das meldet die Feuerwehr Roth-Berg auf ihrer Facebook-Seite.
- In Offingen wird ein Feuerwehrmann vermisst. Der 22-Jährige sei in der Nacht zum Sonntag in der Gemeinde im Landkreis Günzburg mit einem Boot der DLRG-Wasserrettung unterwegs gewesen, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Das mit fünf Einsatzkräften besetzte Boot sei aufgrund starker Strömung gegen 2.50 Uhr gekentert. Vier Einsatzkräfte konnten sich demnach aus eigener Kraft an Land retten und blieben unverletzt. Nach dem 22-Jährigen laufe eine großangelegte Suche.
- Im Nersinger Gewerbegebiet Riedle drückt das Wasser ebenfalls herein. Hier muss die Erstaufnahmestelle für Geflüchtete aus der Ukraine mit 212 Menschen evakuiert werden.
- Auch die Stiftungsklinik in Weißenhorn muss aufgrund des Hochwassers evakuiert werden. Rund 80 Patienten, darunter sieben Intensivpatienten werden in umliegende Krankenhäuser verteilt. Die meisten der Menschen kommen in der Neu-Ulmer Donauklinik unter.

Rettungskräfte evakuieren Patienten aus der Stiftungsklinik in Weißenhorn. Die Klinik wurde aufgrund der Hochwassergefahr von dem sich in der Nähe befindenden Fluss Roth vorsorglich evakuiert.
Jörg Iser/Südwestdeutsches Mediennetzwerk/dpa- Nach zwei Wochen Pfingstferien sollen am Montag die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule. Dafür hat sich im Landkreis Neu-Ulm die Koordinierungsgruppe „Schulausfall“ abgestimmt. Beschlossen wurde, dass Präsenzunterricht grundsätzlich stattfindet. Sollten einzelne Schulen direkt vom Hochwasser betroffen und somit kein Unterricht möglich sein, informieren die Schulen eigenständig die Eltern.
- Am Sonntagabend gibt es vom Landratsamt in Neu-Ulm eine erste Bilanz: Demnach mussten im gesamten Landkreis 19 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen. Die meisten von ihnen sind bei Verwandten untergekommen. Rund 1000 Einsatzkräfte waren im Kreis am Samstag und Sonntag im Einsatz. Mitglieder von THW und Feuerwehr füllten bisher rund 50.000 Sandsäcke in Neu-Ulm. Eine Sondergruppe des THW pumpt zur Stunde 2500 Liter pro Minute aus den Bächen und Flüssen ab.
- Am Sonntagabend entspannt sich auch die Lage am Umspannwerk in Dellmensingen: Der 300 Meter lange Damm aus Sandsäcken und Eisenbahnschwellen hält das Wasser in Schach, die Pumpen fördern nach wie vor 16.000 Liter Wasser pro Minute.
- Entspannung ist auch an der Roth in Sicht, denn ihr Pegel scheint am Sonntagabend endlich zu sinken.
- In Bünzwangen, wenige Kilometer westlich von Göppingen, sieht die Lage nicht gut aus. Ein reißender Strom bahnt sich seinen Weg durch eine Straße Im Tal Richtung Ebersbach und überspült geparkte Autos. Brennpunkt im Kreis Göppingen ist Ebersbach, das durch die Fluten komplett abgeriegelt ist. Dort kommen auch Hubschrauber und Boote zum Einsatz, um die Menschen aus den Fluten zu retten.

Straßen in Ebersbach stehen unter Wasser.
SDMG- Auch in Uhingen prägen Wassermassen das Stadtbild. Feuerwehren sind im Dauereinsatz, um vollgelaufene Keller leer zu pumpen. Am späten Sonntagabend vermeldet das Landratsamt Göppingen die außergewöhnliche Einsatzlage (AEL).
Die Lage am Montag
- Nach den dramatischen Tagen am Wochenende scheint sich die Lage in Ulm und Umgebung am Montag vorerst zu entspannen. So hat die Donau auf Höhe der Münsterstadt sichtlich an Wasserstand verloren. Auch der Pegel der Roth sinkt weiter.
- Probleme gibt es derzeit im Bereich Laupheim. Dort gab es heute früh gegen vier Uhr starke Niederschläge. Der Westbahnhof droht zu überfluten. Abschleppwagen bringen dort parkende PKW in Sicherheit.
- Wie die Stadtwerke Ulm mitteilten, wurde in der Nacht die Römervilla in Neu-Ulm evakuiert. Die rund 50 Bewohner wurden mit Bussen ins ehemalige Hotel Meinl in Reutti gebracht, nachdem der Keller mit Wasser vollgelaufen war.
- In den sozialen Medien kursiert derweil ein Video, das beeindruckt zeigt, wie in Uhingen im Kreis Göppingen auf der B10 am Sonntagabedn eine Lärmschutzwand unter dem Druck der Wassermassen bricht. Die Bundesstraße ist seitdem zwischen Uhingen-West und Reichenbach/Hochdorf gesperrt.

Einsatzkräfte arbeiten auf der überfluteten Bundesstraße 10 in der Nähe einer geborstenen Lärmschutzwand in Uhingen.
Marijan Murat/dpa- Nach wie vor aber pumpt das Holland Fire System am Umspannwerk der Feuerwehr Ulm in Dellmensingen 16.000 Liter Wasser pro Minute ab – seit nunmehr mehr als 21 Stunden. Dennoch ist die Lage vor Ort unter Kontrolle.
- Der Pegel der Donau ist am Vormittag wieder unter die Meldestufe 3 gesunken - kann aber je nach Zufluss später wieder steigen.
- In Weißenhorn laufen Pumpen und Nasssauger ununterbrochen. Die Aufräumarbeiten fangen langsam an. Betroffene können ihren Sperrmüll kostenfrei abgeben.
- In der Gemeinde Michelfeld im Landkreis Schwäbisch Hall ist eine Straße am Hang durch das Unwetter ins Rutschen geraten und abgesackt. Glücklicherweise ist der Streckenabschnitt ohnehin seit Monaten wegen Sanierungsarbeiten gesperrt.

Zwischen Gnadental und Forsthaus ist nach einem Hangrutsch ein Teil der Straße weggebrochen. Die Strecke war allerdings aufgrund von Bauarbeiten bereits gesperrt.
Monika Butz- Eine seit Sonntag vermisste 43-Jährige im oberbayrischen Schrobenhausen ist tot im Keller eines Hauses gefunden worden.
- Das Hochwasser birgt noch eine weitere Gefahr: Da das Wasser in einigen Kellern auch die Öltanks beschädigt hat, bittet der Landkreis Neu-Ulm Betroffene darum, besonders vorsichtig zu sein. Sollte ein Tank ausgelaufen sein, ist über einen privaten Entsorgungsbetrieb das Öl-/Wassergemisch aus dem Keller zu pumpen, aufzufangen und ordnungsgemäß zu entsorgen.
- Im Kreis Göppingen kommt es am Montag zu Verkehrsbehinderungen. Die B10 bei Ebersbach ist nach dem Erdrutsch vergangene Nacht gesperrt und die Alternativroute ist dicht.
- Senden zieht eine erste Bilanz: Im Stadtgebiet sind an mehreren Stellen Keller vollgelaufen. Der Stadtpark und die Ortsstraße waren zeitweise gesperrt, an der Illersäge mussten Bewohner ihre Häuser verlassen. Ingesamt jedoch war die Lage für die Feuerwehr beherrschbar.
Über die weiteren Entwicklungen zum Hochwasser in der Region halten wir Sie weiter in unserem Liveticker auf dem Laufenden.


