Hersteller widerspricht
: Versteckte Preiserhöhung? Neue Ritter- Sport-Tafel enthält 75 statt 100 Gramm

Quadratisch, praktisch, weniger drin: Ritter Sport verkauft seit kurzem eine Edelkakao-Linie mit deutlich dünneren Tafeln. Verbraucherschützer wittern „Shrinkflation“. Was der Hersteller dazu sagt?
Von
Caroline Strang
Waldenbuch
Jetzt in der App anhören
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel Schokoladen Logo *** Ritter Sport Chocolate Chocolate Bar Chocolate Logo 1084207572

Ritter-Sport-Tafeln mit hohem Kakaoanteil gibt es nun in kleineren Tafeln.

www.imago-images.de
  • Ritter Sport verkauft drei neue Edelkakao-Tafeln mit 75 statt 100 Gramm – deutlich dünner.
  • Die Verbraucherzentrale Hamburg spricht von Shrinkflation und sieht verdeckte Preiserhöhung.
  • Preis pro Tafel bleibt meist 2,29 Euro, was laut Verbraucherschützern über 33 Prozent mehr entspricht.
  • Der Hersteller widerspricht: neue Produktlinie, neues Format, dünnere Tafeln bei hohem Kakaoanteil gewünscht.
  • Milka steht ebenfalls in der Kritik wegen kleinerer Tafeln, ein Urteil soll am 13. Mai fallen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Über der Mitteilung der Verbraucherzentrale Hamburg steht ein Fragezeichen: „Edelkakao-Klasse: Shrinkflation bei Ritter Sport?“ lautet ihre Überschrift. Doch im Text dann beantworten die Verbraucherschützer ihre Frage selbst: Was für den Schokoladenhersteller aus Waldenbuch drei neue Sorten sind, ist für sie Shrinkflation, also eine versteckte Preiserhöhung durch reduzierten Inhalt. „Shrink“ ist ein englischer Begriff und heißt übersetzt „schrumpfen“.

Quadratisch, praktisch, gut: Seit Jahrzehnten wiegen die Tafeln des Herstellers 100 Gramm. Bisher gab es nur bei Proteinschokolade eine 75-Gramm-Packung. Nun gibt es drei Sorten der Edelkakao-Klasse in dieser Größe. Zuvor waren Tafeln mit diesem Kakaoanteil 100 Gramm schwer – wie die sonstigen quadratischen Tafeln auch.

Die neue Edelkakao-Klasse ist seit Ende April im Handel erhältlich, wie ein Unternehmenssprecher  bestätigte. Die bisherige Kakao-Klasse mit 100 Gramm Gewicht werde nicht mehr produziert. Dabei bleibt die Größe der Tafeln unverändert, sie ist nur deutlich dünner. Laut den Verbraucherschützern sind es statt rund zwölf nur noch neun Millimeter. Allerdings sind die Verpackungen auf andere Art gestaltet. Die Verbraucherzentrale erkennt aber dennoch Parallelen zu den früheren Produkten der Kakao-Klasse, wie den Kakaoanteil.

So gibt es nun „Die Intensive“ mit 81 Prozent Kakaoanteil. Die Tafel mit demselben Anteil hieß vorher „Die Starke“. Ähnlich verhält es sich mit „Die Aromatische“, die „Die Kräftige“ ablösen wird, die beide 74 Prozent Kakao enthalten.

Ritter Sport widerspricht

„Der Verkaufspreis pro Tafel beträgt trotz geringerer Füllmenge weiterhin meist 2,29 Euro“, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Unter der Annahme, dass die bisherigen Produkte faktisch ersetzt werden, entspreche das einer versteckten Preiserhöhung von mehr als 33 Prozent. „Und das bei deutlich günstigeren Rohkakaopreisen als vor gut einem Jahr.“

Ritter Sport widerspricht der Darstellung der Hamburger Verbraucherschützer. Es handelt sich dem Sprecher zufolge um eine vollkommen neue Produktgruppe mit neuen Rezepturen sowie einem neuen Tafelformat. Die bisherige Kakao-Klasse sei dafür nicht angepasst oder verändert worden. Die neuen Produkte basierten vielmehr auf einer langfristig angelegten Entwicklung rund um die firmeneigene Kakao-Plantage in Nicaragua. Diese liefere inzwischen ausreichend Edelkakao für eine eigene Produktlinie.

Zum geringeren Gewicht teilte Ritter Sport mit: „Aus der Marktforschung wissen wir, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bei Schokoladen mit hohem Kakaoanteil dünnere Tafeln bevorzugen.“ Eine kleinere Quadratgröße, um Verbrauchern den Unterschied deutlicher zu zeigen, hätte demnach wieder dickere Tafeln zur Folge gehabt. Eine 100-Gramm-Variante wäre dagegen deutlich größer ausgefallen. Außerdem wäre der Preis so hoch gewesen, dass sie nach Unternehmensangaben voraussichtlich nicht am Markt angenommen worden wäre. Auf das reduzierte Gewicht werde unter anderem auf der Verpackung mehrfach hingewiesen.

Mogeln bei Milka?

Auch Ritter-Sport-Wettbewerber Mondelez war im vergangenen Jahr wegen seiner Packungsgrößen in die Kritik geraten. Die Schokoladentafeln der Marke verteuerten sich nicht nur von 1,49 auf 1,99 Euro, zudem verringerte sich der Packungsinhalt etlicher Milka-Sorten von 100 auf 90 Gramm. Der Grundpreis stieg damit um 48 Prozent.

Die Verbraucherzentrale Hamburg zog deshalb vor Gericht. Sie klagt wegen unlauteren Wettbewerbs und wirft Mondelez vor, die Kunden zu täuschen. Das Unternehmen weist die Kritik zurück. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen, heißt es.

Mit dem Streit beschäftigt sich derzeit das Landgericht Bremen. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage, ob es sich bei der neuen Milka-Tafel um eine Mogelpackung handelt. Die Entscheidung soll am 13. Mai verkündet werden.

Starke Preiserhöhungen wegen schlechter Ernten

In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden. Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler gaben die höheren Rohstoffkosten an Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im März im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020. Verbraucher konsumierten wegen der höheren Preise zuletzt auch weniger Schokolade.

In den vergangenen Monaten haben die Lebensmittelhändler die Verkaufspreise zahlreicher Eigenmarkenprodukte wieder etwas gesenkt. Grund ist eine bessere Kakaoernte. Die Rohkakaopreise an den Börsen sind deutlich gesunken.

Verlust und Stellenabbau bei Ritter Sport

Ritter Sport steht wirtschaftlich unter Druck. 2025 rutschte der Mittelständler trotz eines Umsatzanstiegs auf 712 Millionen Euro in die Verlustzone. Belastet worden sei das Ergebnis vor allem von stark gestiegenen Kakao-, Energie- und Verpackungskosten. Gleichzeitig schwächte sich nach Unternehmensangaben die Nachfrage ab. Als Reaktion kündigten die Schwaben erstmals in der mehr als 110-jährigen Firmengeschichte einen Stellenabbau an: In der Zentrale in Waldenbuch soll etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen.