Geheimnisse durchgestochen?
: Polizei ermittelt gegen Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart

Datenleck im Justizapparat? Nach dem Angriff in Tamm durchsuchen Ermittler nicht nur Wohnungen in den Niederlanden, sondern auch eigene Kollegen. Die Spur könnte zu mehr als einem Verbrechen führen.
Von
Kerstin Auernhammer,
dpa
Stuttgart
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Drei Männer aus dem Alb-Donau-Kreis sind vom Landeskriminalamt festgenommen worden. Sie stehen in Verdacht am Bandenkrieg im Raum Stuttgart beteiligt zu sein (Symbolbild).

ILLUSTRATION - Gestellte Szene einer Festnahme durch Polizisten. (zu dpa «Migrationsbeiräte kritisieren «Rassismus» in den Sicherheitsbehörden») +++ dpa-Bildfunk +++

Im seit Jahren andauernden Bandenkrieg im Großraum Stuttgart können Mitarbeiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft Bestechungsgelder angenommen haben. Sieben Bedienstete stünden in Verdacht. Einer sitzt, ebenso wie zwei mutmaßliche Auftraggeber, in Untersuchungshaft. (Symbolfoto)

Carsten Rehder/dpa
  • Sieben Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart stehen unter Verdacht, Dienstgeheimnisse verraten zu haben.
  • Ein Mitarbeiter und zwei mutmaßliche Auftraggeber sitzen wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Haft.
  • Polizei durchsuchte Privatadressen und Arbeitsplätze der Verdächtigen, darunter Büros und Spinde.
  • Verdacht entstand bei Ermittlungen zu einem versuchten Tötungsdelikt in Tamm am 12. Mai 2025.
  • Zusammenhang mit einem Bandenkrieg im Großraum Stuttgart wird geprüft – Ermittlungen laufen weiter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es klingt ungeheuerlich: Mehrere Mitarbeiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft sollen vertrauliche Informationen weitergegeben haben, auch Bestechlichkeit steht im Raum. Büros der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wurden durchsucht.

Das teilten die Polizeipräsidien Ludwigsburg und Stuttgart sowie die Staatsanwaltschaft Heilbronn am Freitag (14.11.2025) gemeinsam mit. Sie führen die Ermittlungen in dem komplexen Fall. Ein Bediensteter der Staatsanwaltschaft sowie zwei mutmaßliche Auftraggeber sitzen in Haft, bei ihnen bestand nach Auffassung des Haftrichters Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Der Mitarbeiter aus dem Umfeld der Staatsanwaltschaft ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Wachtmeister.

Insgesamt wird gegen sieben Bedienstete aus dem Unterstützungsbereich der Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt. Bei den Verdächtigen handele es sich nicht um Staatsanwälte, betonten die Ermittler.

Durchsuchungen im Büro der Staatsanwaltschaft

Bereits am Mittwoch hatte es Durchsuchungen bei den Privatadressen der Beschuldigten gegeben, auch am Arbeitsplatz, also im Büro der Staatsanwaltschaft Stuttgart, rückte die Polizei an und durchsuchte Schreibtische und Spinde.

Der Verdacht auf Bestechlichkeit kam nach Angaben der Ermittler während der Untersuchung eines versuchten Tötungsdelikts in Tamm im Kreis Ludwigsburg am 12. Mai. Bei den Schüssen war ein Mann verletzt worden, er arbeitete den Polizeiangaben zufolge in der Sicherheitsbranche. Zwei Verdächtige waren Anfang Oktober in den Niederlanden festgenommen worden und in Untersuchungshaft gekommen. Gegen die beiden zum Tatzeitpunkt 26 und 27 Jahre alten Männer wird wegen versuchten Mordes ermittelt.

Verbindung zum Bandenkrieg im Großraum Stuttgart vermutet

Schon kurz nach den Schüssen hatte ein Polizeisprecher eine mögliche Verbindung zu den Konflikten zweier rivalisierender gewalttätiger Gruppierungen im Raum Stuttgart gezogen. Diese halten seit Jahren die Ermittler verschiedenster Polizeireviere im Großraum Stuttgart in Atem, auch im Kreis Göppingen sollen Straftaten auf diesen Bandenkrieg zurückgehen.

Details über die Verbindungen zwischen den Verdächtigen und ihren Auftraggebern nannte die Polizei zunächst nicht. Die Ermittlungen dauerten an, hieß es – insbesondere die Auswertung der sichergestellten Beweismittel. Möglich sei eine Verbindung zu weiteren Delikten. Die Sonderkommission „Frost“ führe „umfangreiche Ermittlungen auch zu mehreren weiteren Taten“, hieß es.